Empörung über gefällten Baum Empörung über gefällten Baum: Warum der Landkreis die Sache anders sieht

Ulrich Schultze ist erschüttert. Zwischen Krössuln und Krauschwitz ist eine alte Eiche gefällt worden. Dabei war an ihr ein Naturschutzsymbol angebracht.
Seiner Meinung nach war der Baum kerngesund. Schultze befürchtet, dass er im Zuge anstehender Straßenbaumaßnahmen weichen musste. Dabei war der Fußweg im Jahr 2016 noch so angelegt worden, dass der Baum berücksichtigt wurde und wie Schultze sagt, stand er sogar einen Meter von der Straße entfernt.
Teucherner: So einen Baum sägt man nicht einfach weg
„Er war über 80 Jahre alt. So einen Baum sägt man nicht einfach weg“, so der Teucherner. Viele andere Menschen, die den Baum kannten, seien entrüstet, so der 70-Jährige. Seiner Meinung nach müsse der Beamte zur Rechenschaft gezogen werden, der diese Entscheidung gefällt hatte. Bürger müssten ja auch eine Strafe zahlen, wenn sie einfach einen Baum fällen.
Beim Landkreis nachgefragt, der für die Kreisstraße zuständig ist, gibt es folgende Stellungnahme. Die Roteiche hatte viel Totholzbildung. Deshalb wurde sie von einer zertifizierten Fachfrau begutachtet. Es wurde im Stammfußbereich ein starker Pilzbefall, und zwar durch Hallimasch, festgestellt. Dieser erkläre die deutlichen Absterbe-Erscheinungen im gesamten Kronenbereich, so Ronny Just von der Pressestelle des Burgenlandkreises. Ein Befall mit dem Brandkrustenpilz, welcher das gesamte Wurzelsystem von Bäumen zerstört, war laut Gutachterin nicht auszuschließen, heißt es weiter.
Gab es keine Alternative zum Fällen der Eiche?
Gab es keine Alternative zum Fällen der Eiche? Laut Gutachten habe es die nicht gegeben, heißt es aus dem Landratsamt. Die Verkehrssicherheit auf der direkt vorbeiführenden Straße hätte durch die bereits fortgeschrittenen Absterbeerscheinungen bei den Ästen nicht gewährleistet werden können. Selbst ein starkes Zurückschneiden der Krone hätte ein Kippen des Baumes nicht ausschließen lassen, so die Mitarbeiter. Sie teilen weiter mit, dass der Baum noch in Ordnung war, als der Fußweg gebaut wurde. Die untere Naturschutzbehörde wurde schon damals frühzeitig in die Planungen zum Ausbau dieser Kreisstraße einbezogen.
Zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 2016, war noch von einer Erhaltung des Naturdenkmales der Roteiche von Krauschwitz auszugehen. Aufgrund der im Jahr 2017 festgestellten massiven Absterbe-Erscheinungen war die Erhaltung des Naturdenkmales jedoch nicht möglich, heißt es weiter. Es sind immerhin Ausgleichspflanzungen geplant. So werde nördlich der Straße auf einer Länge von 195 Metern eine Baum-Strauch-Hecke neu angepflanzt.
Baum hielt dem Sturm ,Friederike’ stand
Dieses Gutachten liegt auch Ulrich Schultze vor. Aber er zweifelt es an. „Der Baum hielt dem Sturm ,Friederike’ stand“, sagt er. Außerdem habe er sich den Schnitt angesehen. Er habe keinen Schaden durch Pilzbefall entdecken können, so Ulrich Schultze.
Die Kreisstraße zwischen Krauschwitz und Krössuln wird von April bis Juli des kommenden Jahres ausgebaut. In dieser Zeit wird sie voll gesperrt, war kürzlich im Stadtrat der Einheitsgemeinde Teuchern zu erfahren. Eine Umleitung erfolgt über einen Landwirtschaftsweg. Den will die Baufirma vorher noch so herrichten, dass er auch für den Busverkehr geeignet ist.
Der Ausbau solle von April bis Juli 2019 erfolgen, wurde informiert. Kosten sind 155.000 Euro veranschlagt. Es werde nur die Straße ausgebaut und nicht der Gehweg, so der Fachmann, denn dieser ist bereits gemacht worden. Die Straßenbreite bleibe so, wie sie jetzt ist. Stadtratsmitglied Dirk Pech gab zu bedenken, dass die Straße zu schmal sein könnte, denn das sei sie jetzt schon. „Es funktioniert dort nur durch gegenseitige Rücksichtnahme“, sagte er.
Es seinen alle vorgeschriebenen Maße berücksichtigt, entgegnete der Fachmann auf die Bedenken. (mz)