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Alphabetisierung Alphabetisierung: Öffentlicher Diskurs nötig

Von Constanze Matthes 27.05.2016, 08:42
Besonderer Gast des Fachtages im Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen: Theresa Hamilton, Mitarbeiterin des Grund-Bildungszentrums Berlin. Sie leitete einen Workshop.
Besonderer Gast des Fachtages im Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen: Theresa Hamilton, Mitarbeiterin des Grund-Bildungszentrums Berlin. Sie leitete einen Workshop. Nicky Hellfritzsch

Bad Kösen - Das Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen war am Mittwoch das Ziel von Mitarbeitern aus den Bereichen Jobvermittlung, Bildung und Verwaltung. Zum dritten Mal hatte das Team der regionalen Alphabetisierungsinitiative „Blickpunkt alpha“ seine Kooperationspartner zu einem Fachtag eingeladen. Auf dem Programm standen Workshops, Vorträge und Gespräche. Großes Thema: die Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, die im vergangenen Jahr vom Bundesbildungsministerium ausgerufen und an die Länder als Problematik weitergegeben wurde. „Unser Anliegen ist es, die Kräfte zu bündeln und die Aufgaben besser zu verteilen. Wir sind aufgefordert, Strukturen auf Landesebene zu schaffen“, sagte Projektleiterin Laurentia Moisa im Gespräch mit unserer Zeitung. Während mehrere Bundesländer, so unter anderem Niedersachsen, Hessen, Brandenburg und das Saarland, bereits ein Netz aus Koordinierungsstellen eingerichtet haben, stehe Sachsen-Anhalt noch am Anfang, bemerkte die Projektleiterin. „Der Fachtag dient auch dazu, eine kommende Tagung im Juni in Magdeburg vorzubereiten“, so Laurentia Moisa weiter.

Auslöser der verstärkten Bemühungen war die sogenannte Level-One-Studie der Universität Hamburg, die bis 2013 gefördert wurde. Danach können bundesweit 7,5 Millionen Deutsch sprechende Erwachsene nur so eingeschränkt lesen und schreiben, dass sie von einer selbstständigen gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen oder auf Unterstützung angewiesen sind. In Sachsen-Anhalt geht man von einer Zahl von 200000 Betroffenen aus. Die Studie werde allerdings nicht die einzige Grundlage für die weitere Arbeit sein. „Wir werden die Forschung zur Alphabetisierung weiter beobachten. Es ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit gerade in einem Land mit Schulpflicht schwer zu platzieren ist“, sagte die Leiterin des Projektes, das im Süden Sachsen-Anhalts in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Burgenlandkreis sowie in der Stadt Halle tätig ist. Michael de Boor, Geschäftsführer der Konrad-Martin-Haus gGmbH, unter dessen Dach nicht nur der Fachtag stattfand, sondern auch die Initiative angesiedelt ist, begrüßte die Teilnehmer. Zu den besonderen Gästen zählte Theresa Hamilton, Mitarbeiterin des Grundbildungs-Zentrums Berlin, und Ludger Nagel, Vorsitzender des Kompetenzgremiums Alphabetisierung des Kultusministeriums. De Boor zog eine Bilanz und berichtete von den Aktivitäten des Teams wie Schulungen, Veranstaltungen und Lesecafé sowie die bisherigen Projektphasen.

Seine Kritik, die auch Nagel unterstrich, richtete sich direkt an das Land Sachsen-Anhalt, das bisher keinen Cent für die Projektarbeit eingesetzt hat. Bisher fließen ausschließlich EU-Mittel. „Es geht nicht nur um Alphabetisierungskurse. Wir müssen uns breiter aufstellen und einen gesellschaftlichen Diskurs anregen. Dafür brauchen wir Koordinierungsstellen und dafür müssen wir das Land stärker in die Pflicht nehmen“, betonte der Vorsitzende des Kompetenzgremiums Alphabetisierung. Allgemein sei es ein Ziel, Menschen generell besser in die gesellschaftliche Teilhabe einzubinden.

Besonderer Gast des Fachtages im Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen: Theresa Hamilton, Mitarbeiterin des Grund-Bildungszentrums Berlin. Sie leitete einen Workshop. Gezeigt wurde zudem eine Karikaturen-Ausstellung der Hamburger Volkshochschule.
Besonderer Gast des Fachtages im Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen: Theresa Hamilton, Mitarbeiterin des Grund-Bildungszentrums Berlin. Sie leitete einen Workshop. Gezeigt wurde zudem eine Karikaturen-Ausstellung der Hamburger Volkshochschule.
Nicky Hellfritzsch