Rotkäppchen Sektkellerei Rotkäppchen Sektkellerei: Der letzte Tag bringt die meisten Flaschen
Freyburg. - Franz Gira hat seine spezielle Adventskulisse: Auf seinem Computer-Bildschirm blinkt E-Mail auf E-Mail, das Telefon läutet so beständig wie andernorts die Glöckchen der Weihnachtsweisen. Der 55-Jährige ist Leiter Logistik / Abwicklung in der Rotkäppchen Sektkellerei. Derzeit der turbulenteste Job in Freyburg. Über Giras PC gehen jetzt täglich einige hunderttausend Flaschen - das alljährliche Finish vorm Fest. Es konzentriert sich auf immer weniger Tage.
Setzte die Sektwelle vor Jahren noch Mitte November ein, so rollt sie jetzt so richtig erst Anfang Dezember an. Von 51 Millionen Flaschen Rotkäppchen im Jahr 2002 wurden acht Millionen im Dezember verkauft. Erst wenn im Handel die Schokoladenweihnachtsmänner raus sind, rückt der Sekt nach.
"Da können es am letzten vollen Arbeitstag vorm Fest schon mal noch 800 000 Flaschen werden", weiß Gunter Heise, Sprecher der Geschäftsführung. Für dieses Jahr hatte sein Unternehmen einen Absatz von 55 Millionen Flaschen Rotkäppchen angepeilt, für Rotkäppchen-Mumm insgesamt 95 bis 97 Millionen. Ob es erreicht oder gar überschritten wird, kann Heise erst kurz vor Ultimo sagen.
Von Mitte September bis Ende November wurde am Standort Freyburg in drei Schichten produziert, um für den Endspurt gerüstet zu sein. Für die Mitarbeiter in der Produktion in Freyburg ist morgen der letzte Arbeitstag. Erst am 7. Januar geht's weiter. In der Halle im Gewerbegebiet türmen sich derweil die Paletten bis unters Dach. Ausgeliefert wird Freyburger Sekt inzwischen auch vom Lager des Eltviller Unternehmensteils in Bingen, zudem wird auf Kapazitäten des Spediteurs zurückgegriffen.
Den Absatz in den alten Bundesländern hat Rotkäppchen laut Heise gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent gesteigert. Nahezu ein Viertel der Produktion gehe an den Handel zwischen Hamburg und München.
Die Auslieferung für Rotkäppchen-Mumm nimmt das Unternehmen Gelog vor, das für den Standort Freyburg einen Subunternehmer beauftragt hat. Die Bestellungen für die Unternehmensgruppe werden über Eltville abgewickelt. "Die kommen online rein, per Fax oder telefonisch über eine 800er Nummer", gibt Logistiker Gira Auskunft. Er sitzt am Scharnier, über das die Bestellungen zum System des Spediteurs weitergereicht werden. Dort hat er auf den Schnellschuss eines Großkunden, der bis zum nächsten Tag eine Lieferung Rotkäppchen benötigt, ebenso zu reagieren, wie auf den Wunsch eines Autohändlers, der seine Kunden mit Sekt in eigener Ausstattung erfreuen möchte. Und natürlich ist auch sicherzustellen, dass nicht womöglich ausgerechnet im hauseigenen Shop vor Silvester der noble Handgerüttelte ausgeht.