Robin Hood auf den Fluren
Weißenfels/MZ. - Klassensprecher sind im Idealfall Robin Hoods der Gegenwart. Sie kämpfen - ohne Pfeil und Pferd - gegen die Ungerechtigkeit an Schulen und setzen sich dort für Schwache und Benachteiligte ein. An der Beuditzschule gibt es solche modernen "Rächer der Entrechteten". Zu ihnen gehören zum Beispiel David Bohn und Maik Gewinner. Die Jungen sind zu Beginn des neuen Schuljahres zu Klassensprechern gewählt worden. Nicht zum ersten Mal, wie der 13-Jährige David stolz berichtet. "Ich glaube, dass ich meine Sache in der siebten Klasse gut gemacht habe", begründet der Sprecher der jetzigen 8c seinen erneuten Wahlsieg.
In der Tat ist David nicht nur ein Schülervertreter auf dem Papier. Als ein Klassenkamerad dem Unterrichtsgeschehen nicht mehr folgen kann, meldet sich David zu Wort. Er sucht stellvertretend das Gespräch mit einem "Pauker", diskret und erfolgreich. "Die Lehrer nehmen uns schon sehr ernst", fügt sein "Arbeitskollege" Maik hinzu. Er ist ein alter Hase und seit vier Jahren als Repräsentant auf langen Schulfluren unterwegs. In den nächsten Wochen wird den 16-Jährigen ausnahmsweise eine sehr angenehme Aufgabe in Schach halten: "Als Sprecher einer zehnten Klasse ist man auch für die Organisation der Abschlussfahrt verantwortlich", so der Weißenfelser mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Die Tour soll nach Rimini führen. Bevor die Badehose im Koffer verstaut werden kann, gibt es aber noch einiges zu klären. Ganz bewusst geht auch Lars Seitz, Klassensprecher der 8b, mit der ihm übertragenen Verantwortung um. Obwohl Lars erst 14 Jahre alt ist, vertritt er seine Ansichten sehr selbstbewusst. Sei es in der Diskussion um den variablen Ferientag oder die Einführung des Vorklingelns - jetzt erinnert die Schulbimmel sicherheitshalber zwei Minuten früher an den Unterrichtsbeginn. Erst seit zwei Jahren setzt man sich an der Beuditzschule mit dem Thema Schülervertretung intensiver auseinander. Dies verdanken die Zöglinge vor allem dem Einsatz zweier Sozialpädagogen. Annette Klinger und Antje Dobisch polierten das Image der Klassensprecher im Backsteingebäude gehörig auf. Dennoch: Noch nicht jeder weiß um den Nutzen eines Klassensprechers. "Manche wählen auch einfach jemanden, der nicht so beliebt ist", so der 15-jährige Dominik Scherer. Als Strafarbeit sollte der Repräsentantenjob aber nicht betrachtet werden.