Kleine Frau liebt große Vierbeiner
Kadischen/MZ. - Und die Pferdewirtschaft, das ist Ilona Gräbners Ding.
Zierlich ist sie wohl. Eine Zarte ist sie nicht. Wie denn, wenn man mit mehreren Geschwistern in einer Kühlungsborner Bauernfamilie aufwächst. Mit Schweinen, Kühen, Pferden, Hühnern, Kaninchen, Ziegen, Schafen und "allem, was man eben so halten konnte zu DDR-Zeiten", erzählt sie lachend. Damals lernte sie Zootechnikerin für die Milchviehhaltung, eignete sich selbst an, was sie über Pferdehaltung wissen wollte und wurde nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit zur Floristin umgeschult.
Als Volker Stier vor drei Jahren das vor sich hin verfallende Bauerngehöft kaufte, da war seine Lebensgefährtin in ihrem Element. Heute tummeln sich auf dem Hof Meerschweinchen zum Streicheln, Hühner zum Eierlegen, zwei Hunde zum Aufpassen, drei Katzen für die Mäuse, die Ziegen Franzi und Paula für den Spaß und Kaninchen, damit sie nach einem langen Leben an Altersschwäche sterben. Zwar sei sie keineswegs ein Fleischverächter, aber die eigenen Tiere essen? Nö.
An diesem Donnerstagnachmittag hat sie alle Hände voll zu tun. Eine halbe bis dreiviertel Stunde dauert es, bis die Pferde auf den Ausritt vorbereitet sind und auch wenn Juliane Krekel aus Kadischen, Marie und Madeline Hecker aus Spora, Geraldine Michel und Laura Hartmann aus Rehmsdorf, Marie Hecker aus Spora, Annekathrin, Geraldine, Juliane und Francine mit Hand an legen, muss sie doch überall nach dem Rechten sehen. Es soll ja nichts passieren.
Nicht den Mädchen und nicht den Pferden. Reittraining mit Kindern und Jugendlichen - das kommt für Ilona Gräbner nicht von ungefähr. Animiert durch ihre vierjährige Enkelin "machte" sie die Trainer-C-Lizenz und spezialisierte sich auf Kinder- und Jugendarbeit. Im nächsten Jahr schon will sie mit Annekathrin, Francine, Geraldine, Juliane und Laura an Turnieren teilnehmen, jedenfalls beim Springen und in der Dressur.
Freilich liegt da noch viel Training vor den Mädchen und den Pferden, unter denen sie außer Asaymen noch andere Lieblinge hat. Meistens sind es jene Tiere, die von anderen aufgegeben wurden. Wie Asaymen, aber auch wie Primus, heute ein schöner, großer Wallach. Ein Springer von guter Abstammung, den sie vor gut zwei Jahren übernahm, als er nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen schien.
Volker Stier kommt kurz mal gucken, was seine kleine, temperamentvolle Frau da treibt. Viel Zeit hat er nicht nach seiner Arbeit in der Küche der Gaststätte in Giebelroth. Und noch muss viel gebaut werden an den alten Gebäuden. Marcus, der 19-jährige Sohn Ilona Gräbners, lernt auf dem Bau und "mauert mit Volker die Ställe hoch und runter", erzählt sie. Hier müsse jetzt eben jeder alles können.
Und wenn das Eine fertig ist, gibt es ja noch so viel, was man tun und anderen anbieten könnte. Freizeitreiten, Wandern hoch zu Ross, Westernreiten, Ausbildung, Urlaub auf dem Bauernhof. Wie sieht es denn da mit dem eigenen Urlaub aus? Nö. Nirgendwo könne es schöner sein als da in Kadischen mit Annekathrin, Marcus, Volker und den Tieren.