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Alte Damen auf Höhenflug

Von Yvette Meinhardt 04.05.2005, 16:19

Hohenmölsen/MZ. - "Heute geht eine Vision in Erfüllung", würdigt Pfarrer Thomas Wisch den historischen Tag. 1998 wurde der Traum von der Glockensanierung geboren, nach sechsjährigem Weg mit manchen finanziellen Rückschlägen das Werk vollbracht. Und wieder ist es Volker Bessert, der fast unbemerkt von allen die erste und zugleich größte Glocke befestigt und für die Reise fertig macht. Stolze 600 Kilogramm bringt jenes Exemplar auf die Waage, fliegt scheinbar federleicht durch die Lüfte. Millimeterarbeit im Kirchturm. Das Fenster musste extra ein paar Zentimeter verbreitert werden, damit die Glocke aus dem Jahr 1605 durch die Öffnung passt. Glockenbauer Christian Garanvölgyi befestigt die Glocke zusätzlich an einem Flaschenzug und zieht sie in das Gemäuer. "Eher fällt die Kirche um, als dass die Glocken wieder kaputt gehen", sagt der Thüringer vom Glocken- und Turmbau Beck aus Kölleda.

Ein Raunen geht durch die Menge als die Glocke ihren Platz erreicht. Ein Posaunenquartett spielt auf. Und Pfarrer Wisch erinnert an die nächsten Bauvorhaben: Noch in diesem Jahr soll der Turm geputzt werden, so Gott will und eine Einigung mit dem Denkmalschutz erzielt werde. Zahlreiche Geldgeber halten Festtagsreden. Ohne die zahlreichen Förderer wie die Lotto- und Totto GmbH, die ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Stadt Hohenmölsen, die Mibrag und der Kirchenkreis wäre das Vorhaben undenkbar. Insgesamt flossen bereits 250 000 Euro in die Kirchensanierung. Arbeitsdirektor Heinz Junge nahm im Schillerjahr Anleihe beim Dichter und seiner "Glocke", verband damit den Wunsch, dass die Glocken immer im Frieden läuten mögen. Pfingsten soll das barocke Quartett zum ersten Mal erklingen.