Stadtkirche Wittenberg Stadtkirche Wittenberg: Spottbild "Judensau" soll entfernt werden

Wittenberg - Ein „Bündnis zur Abnahme der ,Judensau’ im Reformationsjahr 2017“ ruft erstmals am 17. Mai zu einer stillen Mahnwache auf dem Wittenberger Marktplatz auf. Beginn sei 15 Uhr, gegen 19 Uhr wolle man sich zum Protest an den Ort des Schandmals, die Stadtkirche, begeben. Bis 21. Juni seien jeweils mittwochs weitere Mahnwachen geplant.
Verantwortlich für die Initiative sind laut einer Mitteilung der Pfarrer Thomas Piehler vom Verein „Pavillon der Hoffnung“ in Leipzig und Schwester Joela Krüger, Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt. Gegründet habe sich das Bündnis im Zuge der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum „und der gleichzeitig aufkeimenden Diskussion“ über das Spottbild.
Ziel sei dessen „fachgerechte Entfernung durch den verantwortlichen Gemeindekirchenrat innerhalb des Reformationsjahres“. Gefordert wird, das Schandmal an einen „musealen Ort“ zu bringen, wo es „historisch und theologisch aufgearbeitet und zu Forschungs- und Bildungszwecken verwendet werden kann“.
Über die seit 1988 vorhandene Gedenkplatte im Boden vor der Stadtkirche heißt es, sie stelle zwar „für sich selbst ein historisch wertvolle Errungenschaft gegen kirchlichen und lutherischen Antisemitismus dar“. Allerdings könne nur die Entfernung der Schmähplastik die „ernsthafte Abkehr der evangelisch-lutherischen Kirche von ihrem geschichtlichen Erbe des Antisemitismus sichtbar machen“.
Erst im Januar dieses Jahres war in der Evangelischen Akademie in Wittenberg über den weiteren Umgang mit dem Schandmal diskutiert worden - ergebnisoffen. An der Veranstaltung hatte wie berichtet auch Richard Harvey teilgenommen. Der britische Theologe, messianischer Jude, hatte bereits 2016 eine Online-Petition zur Abnahme der „Judensau“ gestartet. (mz)