1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Wittenberg
  6. >
  7. Kreis Wittenberg: Kreis Wittenberg: Betont selbstbewusst

EIL

Kreis Wittenberg Kreis Wittenberg: Betont selbstbewusst

Von KARINA BLÜTHGEN 15.05.2011, 15:44

BAD SCHMIEDEBERG/MZ. - Ein lautes "Stopp" hallt durch den Raum, doch Ulrike Burchardt ist nicht zufrieden. "Nicht lachen", mahnt die Schulsozialarbeiterin und Kursleiterin zum wiederholten Mal, als einer der Schüler einen vermeintlichen Angreifer ausbremst und sich dabei das Grinsen nicht verkneift. Nur noch eine Woche Zeit haben die Fünftklässler der Sekundarschule Bad Schmiedeberg bis zur Prüfung, doch manchmal bricht nach all dem Üben von Handgriffen und Verhaltensweisen ein wenig Albernheit durch.

Doch im Grunde genommen wissen die Mädchen und Jungen schon, worauf es ankommt in Sachen Deeskalation, Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. "Wir haben gelernt, wie wir uns verhalten, wenn jemand auf uns zukommt und uns das komisch vorkommt", sagt Sophie Schmuck. Loris Gronau weiß jetzt, wie er sich wieder löst von jemandem, der ihn festhält. Und er hat erfahren, dass das Beschreiben eines Menschen, der ihm gegenüber stand, gar nicht so einfach ist. "Wir sollten einen Menschen beschreiben und einen Steckbrief machen", erzählt er.

Monique Roszhak demonstriert den Handballenstoß. "Bei der Prüfung müssen wir auch ein Brett zerschlagen", fügt sie hinzu. Das Brett, daran denken viele bei den Übungen, die über acht Doppelstunden gehen. "Das Brett zerschlagen, das ist das letzte", weist sie Ulrike Burchardt erneut zurecht. "Die Hälfte von euch hat den Hefter heute nicht mit. Nehmt ihr das überhaupt ernst?" Die drei Schulsozialarbeiter, Ulrike Burchardt von der Sekundarschule Ferropolis in Gräfenhainichen, Jörg Letzel von der Förderschule Pretzsch und Sabine Pötzsch von der Sekundarschule Bad Schmiedeberg sind auf jeden Fall mit dem gebotenen Ernst dabei. Für sie ist es wichtig, vor allem jüngere Schüler im Rahmen des Projektes "Nicht mit mir - starke Kinder schützen sich" auf viele Eventualitäten vorzubereiten.

Nicht nur die Kinder in der Kurstadt erhalten solch einen Kurs. In Gräfenhainichen sei man ebenfalls dabei, in Pretzsch sei er bereits abgeschlossen, so Sabine Pötzsch. Wie man selbstbewusst steht, was eine Rettungsinsel ist und wie ich einen vermeintlichen Angreifer anrede - all das wird trainiert. Ulrike Burchardt, zertifizierte Kursleiterin und Gewaltpräventions-Trainerin, umreißt es kurz: "Wichtig ist Prävention. Aber: Wenn ich in eine brenzlige Situation komme, muss ich wissen, wie ich heraus komme, ohne verletzt zu werden." Alle Übungen müssten alltagstauglich und leicht umsetzbar sein, vor allem von jüngeren Schülern.

"Wir lernen kontrollierte Körperbewegungen", sagt Loris. Und Monique demonstriert gekonnt, was passiert, wenn jemand ihr von hinten den Ranzen festhält. Blitzschnell hat sie sich herausgewunden. "Ich war mal beim Judo", so ihre Erklärung. Jemand zieht die Trinkflasche aus dem Ranzen? "Alles Materielle ist egal. Es geht um Gesundheit und Leben", schärft Jörg Letzel den Mädchen und Jungen immer wieder ein, bevor er die Handballenschläge mit jedem noch einmal testet. Schlagen, das ist immer der letzte Ausweg.