Ausstellung "Der andere Luther" Ausstellung "Der andere Luther": Große Resonanz begeistert - bald ist Schluss

Wittenberg - Der jüngste Luther und der älteste. Der schönste und der... Das größte Bild und das kleinste. Gisela Kummetz könnte die Liste solcher Gegensätze wohl um ein Vielfaches verlängern und ungleich mehr Geschichten erzählen - so viel habe sie erlebt im Zusammenhang mit der Ausstellung „Der andere Luther“.
Eröffnet wurde sie im November 2016. Nun wird zusammen mit Ortspfarrer Hans-Jakob Schröter für den 5. November die Finissage vorbereitet. Natürlich kann die Schau bis dahin noch besucht werden und auch danach wird sie nicht gleich abgebaut. Doch angesichts sinkender Temperaturen müssten die Besuchszeiten bald eingeschränkt werden.
Eingestellt werden dann auch an den Wochenenden die Aufsichten, die von Frauen wie Antje Rexin, Waltraut Meske und Bärbel Ritte übernommen worden waren. Am Dienstagnachmittag sind sie zu einem von Kummetz organisierten Kaffeekränzchen gekommen - in der Winterkirche der Christuskirche wird daraus aber schnell eine Art Arbeitstreffen, denn die Damen (bis auf Rexin alle im Ruhestand) versehen auch Küsterdienste.
4.000 Euro an öffentlichen Mitteln für die Ausstellung
Von Kummetz, deren Vater Friedrich Wilhelm Krosch wie berichtet Pfarrer in der Christuskirche war, weshalb die Tochter sich dort ein bisschen wie zu Hause fühlt, werden die Frauen mit den vielfältigen Aufgaben im Kirchendienstplan vertraut gemacht.
Doch zurück zur Ausstellung. Sie reiht sich ein in die zahlreichen Angebote dieses Reformationsjubiläumsjahrs. Während andernorts finanzielle Zuwendungen in Größenordnungen geflossen sind, haben sie sich im Kirchspiel Dobien für ihre Luther-Schau mit 4.000 Euro an öffentlichen Mitteln bescheiden müssen. Doch immerhin!
Die Förderung kam (zu unterschiedlichen Teilen) laut Kummetz von Stadt und Kreis sowie von der Landeskirche und dem Kirchenkreis Wittenberg. Bei der Ausstellungskonzeption war man kreativ, hat künstlerische Laien ebenso wie Profis zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Facetten des Reformators (ja, auch den dunklen) eingeladen.
Zuspruch bei Künstlern und Besuchern größer als erwartet
„Wir dachten, es kommen vielleicht 20 Werke“, erinnert Kummetz. Am Ende waren es 191 Arbeiten von 149 Beteiligten - und immer wieder wurde noch etwas nachgereicht. Man habe alles angenommen, sofern sich die Künstler an die Kriterien in der Ausschreibung hielten; etwa waren blasphemische oder beleidigende Darstellungen ausgeschlossen.
Nun war nicht nur der Zuspruch auf Seiten der Kreativen enorm, sondern ebenso bei den Besuchern. Aus aller Herren Länder seien sie gekommen, heißt es, das Gästebuch weise Einträge in zig Sprachen aus. „Mit so einer Resonanz hat niemand gerechnet“, gesteht Kummetz, die über den Ausstellungsort einmal sagte: „Wir wohnen ein wenig am Rand und sind 400 Jahre jünger“ - jünger als die berühmten Schwestern Stadt- und Schlosskirche.
Dass nun die unscheinbare Schwester stärker in den Blick der Öffentlichkeit kam, ist auch Kummetz’ Verdienst. Und das ihres Mannes, der am Rande des Kränzchens sagt, er könne sich bald ein Bett in die Christuskirche stellen, so oft sei er dort.
Auch die Frauen, die in ihrer Freizeit die Ausstellungsaufsicht übernehmen, haben ihre Aktie an dem Erfolg. Über die Christuskirche sagt Ritte, die erst vor wenigen Jahren aus dem Hessischen nach Wittenberg kam, sie habe sie überhaupt erst durch die Rundgänge so richtig kennengelernt.
››Zur Ausstellung „Der andere Luther“ hatten deren Macher auch ein Begleitprogramm, u. a. mit thematischen Vorträgen organisiert. Am 5. November findet nach dem Gottesdienst die Finissage statt. Zwar bleiben die Kunstwerke noch bis Februar, doch wegen sinkender Temperaturen werden die Öffnungszeiten reduziert. Infos dazu gibt es unter Tel. 03491/61 38 66. (mz)