Ziemlich aufwendige Arbeit Ziemlich aufwendige Arbeit: Das besondere bei der Restauration der Werschener Kirche

Werschen - Michael Seppelt lässt seinen Blick durch die kleine Kirche in Werschen streifen. Danach hebt er seinen Arm und sagt: „Ich habe wirklich Gänsehaut.“ Für den Ortsbürgermeister und Vorsitzenden des Kirchspielrats Teuchern-Kistritz ist es eine aufregende Zeit. Sein Herzensobjekt - die Sanierung der evangelischen Kirche in Werschen - geht wieder einen Schritt voran.
Sanierung des 310 Jahre alten Gotteshauses beschäftigt Gemeinde seit über 20 Jahren
Das Hauptaugenmerk der derzeitigen Arbeiten liegt auf der Decke des Gotteshauses. Dort ist Restaurator Marcel Busse seit Anfang Mai dabei, historische Malereien aus dem 19. Jahrhundert zu rekonstruieren. „Für eine kleine Kirche ist diese hier in Werschen sehr dekorativ gestaltet worden“, findet der Querfurter. Ins Auge fällt einem vor allem eine Deckenmalerei in der Mitte der Kirche, die Busse in feinster Kleinstarbeit wieder hergestellt hat. Diese war in der Vergangenheit übermalt worden, lediglich Konturen des Bildes waren zu erkennen. „Wir wussten immer, dass sich dort ein Bild befindet, aber sowas Schönes hätten wir uns nie vorgestellt“, sagt Seppelt.
Die Sanierung des 310 Jahre alten Gotteshauses beschäftigt die Gemeinde schon seit über 20 Jahren. 1996 sei ein Teil des Turms eingebrochen. Es bestand die Gefahr, dass der Turm in die Kirche fallen könnte. Die Orgel wurde daraufhin zur Sicherheit ausgebaut und weggeschafft. Zunächst musste der Turm wieder gesichert und saniert werden. „Nun sind wir dabei, die Kirche auch drinnen wieder aufzuwerten“, sagt Seppelt. Über 200.000 Euro seien seit 1996 in das Gotteshaus geflossen, darunter Eigen- und Fördermittel, aber auch viele Spenden.
95 Prozent der Deckenmalerei musste nur rekonstruiert werden
Die Restauration der Deckenmalereien kosten der Gemeinde rund 25.000 Euro. Seppelt ist froh, mit Marcel Busse einen erfahrenen Restaurator gefunden zu haben, der schon in vielen Kirchen und Schlössern Arbeiten dieser Art verrichtet hat. „Es sind nur ganz wenige Punkte der Bilder, die ich neu zeichnen musste. Der allergrößte Teil, etwa 95 Prozent, war tatsächlich noch vorhanden und musste nur rekonstruiert werden“, so Busse.
Am Rand der Decke sieht man Girlanden und andere Malereien in verschiedenen Farben, die die Kirche umrunden. Diese stellte der 44-Jährige mit verschiedenen Schablonen wieder her. „Das ist eine ziemlich aufwendige Arbeit, die viel Ausdauer erfordert, auch im Kopf“, sagt Busse und vergleicht seinen Job mit einem Marathon. „Man ist froh, wenn es geschafft ist und man das Resultat sehen kann“, so der Querfurter.
Seit dem 12. Jahrhundert gibt es in Werschen eine Kirche. Diese wurde 1701 zurückgebaut und durch einen Neubau im Jahr 1709 ersetzt. Es ist das Gotteshaus, das es bis heute in dem Hohenmölsener Ortsteil gibt. Laut Bürgermeister Michael Seppelt soll der Bau gerade mal 28 Wochen gedauert haben. Die Kirche stammt aus dem Barock, nur die Empore ist aus der Renaissance-Zeit. „Sie stammt entweder noch aus der vorherigen oder aus einer anderen Kirche“, sagt der Bürgermeister.
Eröffnung der Werschener Kirche im Oktober mit einem Konzert
Mitte September sollen die Restaurationsarbeiten abgeschlossen sein. Noch fehlt ein Stück über dem Altar mit dem Schriftzug „Ehre sei Gott in der Höhe“ und ein Himmel mit bronzefarbenen Sternen. Im Oktober soll die Kirche, die während der Arbeiten geschlossen wurde, dann wieder für jedermann zugänglich sein. „Zur Eröffnung planen wir ein Konzert“, sagt Michael Seppelt.
Er möchte gern regelmäßig Veranstaltungen in dem Gotteshaus austragen: „Die Kirche soll wieder mit Leben gefüllt werden“. Die Bevölkerung sei schon neugierig, was in der Kirche gerade vor sich geht. Die Werschener müssen sich aber noch bis Oktober gedulden. „Vorher kommt hier keiner rein. Die Leute sollen überrascht werden“, sagt Seppelt mit einem Lächeln. (mz)
