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Weißenfels Weißenfels: Drei Stunden Pause im Zug

Von KARIN GROSSMANN 25.02.2011, 19:44

WEISSENFELS/MZ. - Heiko Bosch ist am Freitag 7.30 Uhr mit der Bahn von Merseburg nach Weißenfels gefahren. Pünktlich angekommen ist er, das war ihm wichtig wegen des Vorstellungsgespräches. Es hat geklappt, ab Montag darf er bei Tönnis arbeiten. Doch 9.05 Uhr will er mit dem nächsten Zug zurückfahren. "Wegen der Arbeitsmaßnahme", sagt er. Doch er musste warten, bis der erste Zug fährt. "Ich muss mir in Merseburg am Schalter schriftlich bestätigen lassen, dass kein Zug gefahren ist", meint er und wartet auf dem kalten Weißenfelser Bahnhof. "Hoffentlich streiken die Lokführer nicht am Montag", sagt er. Er wolle nicht am ersten Arbeitstag nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit zu später kommen. Das würde einen schlechten Eindruck hinterlassen, meint er.

Von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr hat die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) ihre Mitglieder zum Warnstreik aufgerufen. Damit soll Druck auf die Tarifauseinandersetzungen mit den Arbeitgebern bei Deutscher Bahn und der Privatkonkurrenz gemacht werden. Die Lokführer wollen von jedem Arbeitgeber den gleichen Lohn.

Zu denen gehört auch der Leipziger Lokführer Frank Hoffmann. Er steuert seine Regionalbahn 115 hin und her zwischen Leipzig und Weißenfels. 8.26 Uhr sei er in der Saalestadt angekommen. Erst nach drei Stunden geht es zurück. Er hofft, dass die Verhandlungen seiner Gewerkschaft endlich etwas bringen und meint damit auch einen finanziellen Vorteil für sich selbst.

Der Zug ist beheizt, Fahrgäste warten stundenlang auf die Abfahrt. Zu denen gehört Karol Tamkiewiczik. Er lernt in Schulpforte, will nach Hause nach Görlitz. Dreimal umsteigen müsse er unterwegs sowieso. Doch ob die Anschlusszüge warten? Martin Röhrig, der beim Medizinischen Zentrum in Weißenfels ausgebildet wird, will nur nach Leipzig. Das schafft er bis Mittag. Er bleibt gelassen, sitzt ja im warmen Zug.

Stress wegen des Streiks ist auch bei Gabriele Gerlach nicht anzumerken. Sie sitzt am einzigen geöffneten Fahrkartenschalter im Weißenfelser Bahnhof. "Wir sind seit sechs Jahren ausgegliedert, sind jetzt eine private Reiseagentur", verweist sie auf das Schild. Zuvor sei sie 29 Jahren bei der Bahn beschäftigt gewesen. Aber, sagt sie, von der Deutschen Bahn gibt es auf dem Bahnhof keinen Ansprechpartner mehr. "Wir sind dran gewöhnt, alle Fragen zu beantworten", bleibt sie ruhig und erzählt jedem Kunden vom Streik, den Wartezeiten und vom Schienenersatzverkehr. Vom Bahnhofsvorplatz pendelt ein Bus zwischen Weißenfels und Zeitz. Viele Fahrgäste nutzen den nicht.

Doch es sind nicht alle Züge in Weißenfels stehen geblieben, sagt sie. Nur Lokführer, die Gewerkschaftsmitglieder sind, dürfen streiken. Der IC von Frankfurt nach Berlin habe am Vormittag in Weißenfels gehalten, hatte nur zehn Minuten Verspätung.

Eigentlich wollte sich Madeleine Krusch mit ihren Kinder Jermine (3) und Jamila (fast 1) in Halle mit Freunden treffen. "Warnstreik, na ja", sagt sie. Wenn es eine halbe oder eine Stunde wäre, aber gleich drei Stunden. Es müsse doch eine andere Möglichkeit geben, etwas auszuhandeln. Sie schiebt den Kinderwagen wieder nach Hause, sagt den Termin ab.