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Tradition Tradition: Osterkrone mit Ei-Schnee

Von bärbel schmuck 30.03.2013, 15:44
Und plötzlich wieder Osterkrone - diesmal gezuckert mit Schnee.
Und plötzlich wieder Osterkrone - diesmal gezuckert mit Schnee. mz Lizenz

leissling/MZ - Sie trägt bunt und ist eine Ostereier-Krone, die ihrem Namen Ehre macht. Nur der Schnee ringsum passt nicht ins Bild des Frühlingserwachens. Ei-Schnee im Vorgarten haben auch die Nachbarn von Anne und Jürgen Ulrich in Leißling. Aber eine mit zig Eiern dekorierte Krone haben nur Ulrichs.

Der Clou daran ist, dass sie je nach Anlass und Jahreszeit wie ein Chamäleon die Farben und den Anputz wechselt. Im Herbst wird das Gestell in eine Erntedank-Krone verwandelt, geschmückt mit Äpfeln und Birnen, Maiskolben, Kürbis und Sonnenblume, Getreide und Weinlaub. Im Advent krönen das „Bäumchen wechsel dich“ Sterne und Zapfen. Jetzt hat Anne Ulrich ihre Osterkrone fertig gestaltet - das Ergebnis: wie aus dem Ei gepellt. Und damit sich der ganze Aufwand mit Schaumstoffunterfütterung und grüner Umwickelung samt dem Befestigen der roten, blauen, orangenen und gelben Eier mit allerlei Draht auch lohnt, bleibt die Krone bis nach dem Fest stehen. Im Sommer hat das Gestell Pause und verschwindet in der Garage.

„Das ist wie ein Kreislauf, das muss so sein, damit die Vorfreude alle Jahre wieder auf Erntedank, Advent, Weihnachten und Ostern wächst“, beschreibt Anne Ulrich ihre Rituale. Auch drinnen im Haus rankt sich alles um Frühling und Ostern. Frische leuchtend gelbe Osterglocken entfalten ihre Schönheit in Vasen. Hartriegel-Zweige hat die Verwandlungskünstlerin mit Bändern, Spitzen und gefärbten ausgeblasenen Hühnereiern aufgepeppt - ein Farbenrausch, der begeistert. Die ältesten der zerbrechlichen Eier mit der schon leicht vergilbten Häkelverzierung sind 40 Jahre alt und haben bis heute gehalten, verkündet die Rentnerin.

Den stattlichen Hahn auf der Treppe im Flur hat die ehemalige Pädagogin für Kunsterziehung aus Ton gefertigt. Eine Hasenfamilie und bekränzte Frühlingskinder lassen ihre Herkunft ahnen: Die gedrechselten Figuren stammen aus dem Erzgebirge, der Heimat ihres Großvaters. „Mein Opa Walter war Schnitzer“, plaudert die traditionsbewusste Frau. Von ihm habe sie das kreative Händchen und die Freude am Gestalten, Malen, Dekorieren und Experimentieren geerbt, erklärt die 73-jährige Weißenfelserin.

Anne Ulrich hat den Kopf voller Ideen. Erst vor ein paar Tagen hat sie mit einigen Frauen ihres Volkshochschulkurses der Dienstagsmaler Osterkränze in der „Alten Bäckerei“ in Schönburg gestaltet. Jetzt zieren vier geschmackvolle Exemplare unterschiedlichster Art und Größe freihängend eine Ecke im Flur. Alles ist feinste Handarbeit, bei der kein Ei dem anderen gleicht.

„Ob wir Ausstellungen vorbereiten oder für ein Fest aktiv sind - die Lust am Kreativsein färbt ab“, findet die Seniorin, die weiß, wie der Hase läuft. In der Gemeinschaft beim Basteln oder im Umgang mit Ton sei das zu spüren. Aber auch im Wohngebiet, wo die Ulrichs zu Hause sind, färbt das Schmücken zu Ostern mächtig ab. Vor fast jedem Haus steht ein Bäumchen, an dessen Zweigen die originellsten Eier schaukeln. Das hebt auch die Stimmung bei Spaziergängern.

Anne Ulrich hat den Durchblick, auch beim Gestalten von Osterkränzen.
Anne Ulrich hat den Durchblick, auch beim Gestalten von Osterkränzen.
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