Bürgerversammlung in Weißenfels Bürgerversammlung in Weißenfels: Tierschützer fordern Neustart

weissenfels - Zuerst reagierte Monika Zwirnmann enttäuscht. „Ich habe gedacht, dass der Ratssaal am Weißenfelser Kloster nicht ausreicht“, sagte die Vorsitzende der Stadtratsfraktion Bündnis für Gerechtigkeit/Grüne kurz vor Beginn der Einwohnerversammlung am Dienstagabend zum Thema „Tierschutz und Tierheim als kommunale Aufgabe der Stadt“. Mehr als 30 Interessierte waren gekommen, Zwirnmann hatte mit viel mehr Echo gerechnet. Ihre Fraktion hatte sich für das Thema stark gemacht, es wurde zuvor im Sozialausschuss und im Umweltausschuss der Stadt diskutiert.
Es hat nie ein wirkliches Tierheim für Hunde und Katzen gegeben. Sowohl das Katzenquartier in der Zeitzer Straße als auch der Hundezwinger in der Markwerbener Straße waren Provisorien, sozusagen als Übergangslösungen gedacht - bis die Stadt in der Tierauffangstation in Blösien im Saalekreis Kooperationspartner fand.
Die Weißenfelser Wohnungsbau Wohnungsverwaltung GmbH (WVW) hat dem Tierschutzverein als Betreiber des Katzenheims in der Zeitzer Straße vier Jahre lang Hilfe und Unterstützung angeboten. Nicht ein Vorstandsmitglied habe sich bisher blicken lassen, sagte WVW-Geschäftsführerin Kathleen Schechowiak. Das habe sie nicht verstanden. Aus ihrer Sicht musste der Verein scheitern.
Darin waren sich Vertreter der Stadt und Tierschützer einig, nachdem der zuständige Fachbereichsleiter bei der Stadt, Maik Trauer, die Entwicklung vom Anfang der 1990er Jahre bis heute sehr detailliert dargestellt hatte.
Das Bestreben von Stadt und Weißenfelser Tierschutzverein, ein neues Tierheim zu schaffen, sei in der Vergangenheit immer gescheitert. „Auf welches Ziel wollen wir nun gemeinsam hinarbeiten?“, fragte Trauer in die Runde, in der Stadträte und Tierschützer aus drei Vereinen des ehemaligen Landkreises Weißenfels saßen. „Wir brauchen Strukturen vor Ort, mit Tierliebe an 365 Tagen im Jahr im Ehrenamt ist es nicht getan“, sagte Reiner Kunze. Der Mann vom Weißenfelser Tierschutzverein wurde noch deutlicher: „Unser Verein ist am Ende, wir brauchen einen Neuanfang. Mit einem Mitgliedsbeitrag von jeweils 20 Euro im Jahr und Spenden kommen wir nicht weit.“ Die Stadt habe bisher ihre Pflichten erfüllt, ob das bisher optimal gewesen sei, sei eine ganz andere Frage.
Mit dem Betreiben und den laufenden Kosten im Katzendomizil sieht Kunze seinen Verein überfordert. Es fehlten Organisation, Management und Werbung. Einen Neubau am jetzigen Standort zu errichten, wie es Frauen des Vereins vorschlugen, hält Kunze für illusorisch. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) stimmte ihm zu. Rolf Schumann, der mit Bärbel Gonschorek eine Reptilienauffangstation in Räumen der früheren Musikschule in der Langendorfer Straße betreibt, bot ein Gespräch an. Als Vertreter des Tierschutzvereins Weißenfels und Umgebung 2006 sprach er von einem Tierheim-Konzept, das er in der Schublade habe. Kunze und Schumann erklärten, dass sich einer den Hut aufsetzen und vor den Karren spannen müsse, den ganzen Tag über, anders könne Tierschutz nicht funktionieren. Oberbürgermeister Risch (parteilos) bot an, dass die Stadt Türöffner sein könne.
Nach der Versammlung hatte Monika Zwirnmann ein gutes Gefühl. „Das könnte was werden mit dem Neuanfang“, sagte sie. Rita Wagner vom Tierschutzverein Saale-Rippachtal hielt sich bedeckt. Sie wolle erst mal weitere Gespräche abwarten. (mz)
