Traurige Gewissheit Traurige Gewissheit: Seit 39 Jahren verschwundener Mann lebt nicht in Sangerhausen

Uftrungen - Das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen dürfte Heidi Liegmann-Stein, die Mutter des 1979 an der Heimkehle verschwundenen Dirk Schiller, enttäuschen. Der 42-jährige Sangerhäuser, den sie für den Vermissten hält, ist definitiv nicht ihr Sohn.
Das haben Nachforschungen der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt-Süd in Halle ergeben. Wie Polizeisprecher Ralf Karlstedt sagte, kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Sangerhäuser das Kind von Stein ist.
Mann aus Sangerhausen hat freiwillig eine DNA-Probe abgegeben
Nach MZ-Informationen hatte der Mann aus der Kreisstadt von Mansfeld-Südharz auf wiederholtes Drängen von Stein freiwillig eine DNA-Probe abgegeben. Ein Abgleich mit der DNA von Stein, die seit März bei der Polizei vorliegt, habe nun ergeben, dass beide in keinem Verwandtschaftsverhältnis zueinander stehen.
Das zuständige Fachkommissariat der Polizeidirektion in Halle hat nach den Worten des Polizeisprechers auch noch einmal den Ablauf des 10. März 1979 rekonstruiert, als der damals dreieinhalbjährige blonde Junge an der Höhle bei Uftrungen verschwand. „Es gibt mit Stand heute keine objektiven Erkenntnisse, dass das Kind damals entführt worden ist. Nach wie vor muss von einem tragischen Unglücksfall ausgegangen werden“, betonte Karlstedt.
Aus heutiger Sicht habe die Polizei damals auch alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, um das Kind wiederzufinden, sagte der Polizeisprecher. Die wahrscheinlichste Variante sei, dass der blonde Junge in der Thyra oder einem ihrer Nebenflüsse ertrunken ist. Die Leiche des Kindes war jedoch nie gefunden worden.
Liegmann-Stein von einer Entführung durch die Stasi überzeugt
Liegmann-Stein ist dagegen von einer Entführung durch die Stasi überzeugt. Nach Hinweisen stieß sie Ende vergangenen Jahres auf einen jungen Mann, der der seit Jahrzehnten gesuchte Dirk sein könnte. Der Sangerhäuser sei adoptiert worden, sein Adoptiv-Vater sei Major der Stasi gewesen. Und der soll 1979 einen blauen Moskwitsch mit Leipziger Nummer gefahren haben. Genauso ein Auto hatte Stein kurz vor dem Verschwinden des Jungen auf dem Parkplatz an der Höhle bemerkt.
Die Polizei hatte es jedoch schon vor Monaten für äußerst unwahrscheinlich gehalten, dass der Sangerhäuser Dirk ist. Nach ihren Recherchen war der Junge bereits Monate vor Dirks Verschwinden von einer Sangerhäuser Familie adoptiert worden. Er könne also nicht der Vermisste sein, hieß es von den Behörden.
Die Polizei will nun die Akten des Falls endgültig schließen. „Grundsätzlich werden Vermisstenvorgänge nach 30 Jahren abgeschlossen“, sagte Karlstedt. Der Fall Dirk Schiller sei 39 Jahre alt. Es sei aber sichergestellt, dass, falls irgendwo Skelettteile auftauchen, diese weiter mit DNA-Material abgeglichen werden können. Heidi Liegmann-Stein, sagte der MZ, sie zweifle das Ergebnis der Polizei an und wolle es bei einer eigenen DNA-Untersuchung überprüfen lassen.
Die Ähnlichkeit zwischen ihrem Bruder und dem Sangerhäuser sei frappierend: „Ich bin 100-prozentig sicher, dass er mein Sohn ist.“ Sie gehe davon aus, dass die alten Seilschaften von Polizei und Stasi noch immer aktiv seien. In der Vergangenheit hatte Stein schon einmal geglaubt, dass sie ihren Sohn gefunden hat und Roberto Yáñez, den Enkel Erich Honeckers, um eine DNA-Probe gebeten. (mz)
