Sangerhäuser Innenstadt Sangerhäuser Innenstadt: Denkmal unter Abrissbirne?
Sangerhausen - In der Sangerhäuser Innenstadt stehen möglicherweise demnächst größere Bauarbeiten an. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) will das denkmalgeschützte Haus Kylische Straße 37 abreißen.
Das Gebäude Kylische Straße 37 in Sangerhausen bestand nach Angaben des Architekten ursprünglich aus zwei eingeschossigen Häusern. Sie wurden dann zu einem verbunden und im 17. Jahrhundert aufgestockt. Das Haus ist danach als Wohn- und Geschäftshaus genutzt worden. Es gehört der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft seit dem Jahr 1990. Die Wohnungen stehen bereits seit 1995 leer. Der Gemüseladen zog Ende 2013 aus, im vergangenen Jahr schloss auch das Malergeschäft „Farben Fuchs“ seine Pforten.
Stimmen die Behörden zu, soll anstelle des maroden Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert ein barrierefreier Neubau entstehen.
Unternehmer stellt Pläne vor
Bei einem Ortstermin am Mittwochabend stellte das Unternehmen seine Pläne den Mitgliedern des städtischen Sanierungsausschusses vor. Bis zur Geschäftsaufgabe im vergangenen Herbst hatte in dem Haus noch das stadtbekannte Geschäft „Farben Fuchs“ sein Domizil. Die darüberliegenden Wohnungen und der frühere Gemüseladen, der in dem Haus ebenfalls ansässig war, stehen zum Teil bereits seit Jahren leer.
Die SWG plant, das insgesamt 1.000 Quadratmeter große Grundstück wieder für ein Wohn- und Geschäftshaus zu nutzen, sagte der zuständige Architekt Reinhard Pescht. Ins Erdgeschoss soll ein Einzelhandelsgeschäft einziehen. In den oberen und den hinteren Räumen auf dem Gelände könnten bis zu acht Wohnungen eingerichtet werden, die zumeist per Fahrstuhl erreichbar wären. Geplant ist, die Fassade zum Großteil zu erhalten.
Noch fehlt aber die Genehmigung der Denkmalschutz-Verantwortlichen. Die SWG hat einen Abrissantrag bei den zuständigen Landesbehörden gestellt. Über ihn ist nach Angaben von Torsten Schweiger, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bauen, noch nicht endgültig entschieden.
Pescht machte die Ausschussmitglieder auf den schlechten Bauzustand des Hauses aufmerksam: Das Fundament sei nicht ausreichend. Es gebe trotz des Daches, das vor etwa 15 Jahren neu gedeckt wurde, massive Feuchtigkeitsschäden. Das Fachwerk sei verrottet und die Deckenkonstruktion zu klein dimensioniert. Ein Teil des Dachbodens ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. „Ich kann aufgrund der Schäden dem Bauherren keine Sanierung empfehlen.“ Dazu komme, dass eine Sanierung wesentlich teurer werde als ein Neubau. Konkrete Zahlen wollten aber weder er noch die SWG nennen.
Sanierung rentiert sich nicht
Laut Schweiger gilt die Sanierung als „nicht rentierlich“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Das bedeutet: Die Kosten sind so hoch, dass sie beim derzeitigen Mietniveau in Sangerhausen nicht über die Mieten wieder eingespielt werden könnten. Die Stadt müsste deshalb - wolle man das Gebäude wirklich erhalten - einen Großteil der Baukosten über Sanierungsmittel zu dem Projekt zuschießen.
Die Meinung der Ausschussmitglieder war nach dem Termin geteilt. Andreas Skrypek (CDU) sagte: „Wir haben schon schlimmere Häuser wieder in Ordnung gebracht. In das Gebäude sind auch bereits Sanierungsmittel geflossen, unter anderem für das Dach. Sie wären bei einem Abriss verloren.“ Holger Hüttel und Sabine Künzel (beide Linke) konnten sich dagegen mit den Neubauplänen anfreunden. „Wenn die Fassade erhalten wird, ist doch alles gut.“ Das gesparte Geld könnte an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. „Wir schließen Jugendclubs und Bäder, und hier sollen möglicherweise Unsummen investiert werden.“
Das passe nicht zusammen, sagte Hüttel. Einen Beschluss zum Thema gab es nicht. Die SWG-Pläne sollen nun in der nächsten Ausschusssitzung noch einmal eine Rolle spielen. Für den 19. Februar ist außerdem eine weitere Begehung des Hauses geplant. Mitarbeiter der Denkmalpflege beim Landesverwaltungsamt wollen es sich ansehen. Danach soll offenbar über den Abrissantrag der SWG entschieden werden.
„Folgen die Behörden unserem Antrag, wollen wir so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten beginnen“, sagte Pescht. Innerhalb eines Jahres könnte der Neubau samt historischer Fassade stehen. (mz)

