Sangerhausen Sangerhausen: Denkmalgeschütztes Haus vor teurer Sanierung?

SANGERHAUSEN - Abriss oder Sanierung? Die Zukunft des denkmalgeschützten Hauses Kylische Straße 37 in der Sangerhäuser Innenstadt ist weiter offen. Während sich der städtische Sanierungsausschuss und die Denkmalschutzbehörden für eine Erhaltung des Gebäudes einsetzen, hält die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) an ihren Abrissplänen für das leerstehende Gebäude aus dem 16. Jahrhundert fest. Bis Herbst vergangenen Jahres hatte darin noch das stadtbekannte Geschäft „Farben Fuchs“ sein Domizil.
Jüngst hatte der Sanierungsausschuss zwar 460 000 Euro an Fördermitteln für eine Sanierung des Hauses zur Verfügung gestellt. Nach Angaben der SWG reicht die Summe aber bei weitem nicht, um das Haus mit seinen vielen Bauschäden in Ordnung zu bringen. „Damit sich eine Sanierung rentiert, müsste noch eine halbe Million Euro oben drauf gelegt werden“, sagt Bernd Schneeberg, zuständiger Abteilungsleiter bei der SWG. Auch als kommunales Unternehmen müsse man rechnen.
Die SWG favorisiert deshalb weiter einen Neubau: Die Fassade soll dabei so wiederhergestellt werden, dass sie der heutigen gleicht. Ansonsten ist geplant, dass auf dem insgesamt 1 000 Quadratmeter großen Grundstück wieder ein Wohn- und Geschäftshaus entsteht. Ins Erdgeschoss soll ein größeres Einzelhandelsgeschäft einziehen.
In den oberen und den hinteren Räumen auf dem Gelände könnten nach Angaben des Architekten Reinhard Pescht bis zu acht Wohnungen eingerichtet werden, die zumeist per Fahrstuhl erreichbar wären. Pescht hatte im Januar dieses Jahres bei einer Begehung des Hauses bereits die Mitglieder des Sanierungsausschusses auf den schlechten Bauzustand aufmerksam gemacht: Das Fundament des Hauses sei nicht ausreichend. Es gebe trotz des vor etwa 15 Jahren neu gedeckten Daches massive Feuchtigkeitsschäden. Das Fachwerk sei verrottet und die Deckenkonstruktion zu klein dimensioniert. Ein Teil des Dachbodens ist bereits wegen Einsturzgefahr gesperrt. „Ich kann aufgrund der Schäden dem Bauherren keine Sanierung empfehlen“, sagte er.
Keine konkreten Zahlen
Konkrete Zahlen, was ein Neubau oder eine Sanierung kosten würden, nennt die SWG aber nicht. Das Unternehmen will der Oberen Denkmalschutzbehörde beim Landesverwaltungsamt nun noch einmal detaillierte Unterlagen zukommen lassen, die seine Sicht unterstreichen. „Der Denkmalschutz muss dann über die Zukunft des Hauses entscheiden“, sagt Schneeberg. Sollte es eine Abrissgenehmigung geben, will die SWG zügig einen Antrag für eine Baugenehmigung einreichen. Schneeberg: „Ich denke, dass noch in diesem Jahr mit den Arbeiten für den Neubau begonnen werden könnte.“ Ziel des Unternehmens sei es, die Innenstadt aufzuwerten. Sollte es keine Abrissgenehmigung geben, will sich die SWG weiter um Fördermittel für eine Sanierung des Gebäudes bemühen. „Wir würden aber allein Schwierigkeiten mit der Vermietung bekommen“, vermutet Schneeberg. „Wir hätten dann unten im Haus die zwei bisherigen kleinen Ladengeschäfte und im Obergeschoss eine 150 Quadratmeter große Wohnung. Dafür muss man erstmal Interessenten finden.“ Gerade solch kleine Gewerbe-Immobilien seien in der Kreisstadt nämlich kaum gefragt. (mz)
