Oberbürgermeisterwahl Oberbürgermeisterwahl: Elf persönliche Fragen an die Kandidaten

Sangerhausen - Sangerhausen wählt am kommenden Sonntag einen neuen Oberbürgermeister. Die MZ fühlt den fünf Bewerbern mit elf persönlichen Fragen auf den Zahn. Als Kandidaten für die Wahl treten an: Amtsinhaber Ralf Poschmann (CDU), Sven Strauß (SPD), Holger Hüttel (Linke), Gerald Neuschl (parteilos) und Patrick Graul (parteilos).
Warum sind Sie in die Politik gegangen?
Patrick Graul: Ich habe mich zur Oberbürgermeisterwahl gestellt, weil ich es leid bin immer nur zu meckern über diese Stadt. Deswegen habe ich die Initiative ergriffen und stelle mich dieser sehr schwierigen Aufgabe, um Taten folgen zu lassen und zu zeigen, dass es auch anders geht.
Holger Hüttel: Schon als Kind in Schule und Lehre habe ich mich für Politik interessiert, weil ich nie nur verwaltet werden wollte, sondern selbst mitbestimmen, selbst verändern, für eine bessere Welt. Vielleicht naiv, aber ehrlich. Gerade '89 hatten wir viel erhofft und wurden stark enttäuscht.
Gerald Neuschl: Ich bin parteilos und engagiere mich seit 1990 für die Lokalpolitik in Sangerhausen und war schon Mitglied im Stadtrat. Mein Ziel sind positive und wahrnehmbare sowie nachhaltige Veränderungen für die Bevölkerung.
Ralf Poschmann: Politisch interessiert bin ich schon seit meiner Jugend. Dass eine Wahl damals eigentlich keine Wahl war, hat mich aufgeregt. Deshalb habe ich die Chance genutzt, die sich 1990 auftat. Im Alter von 32 Jahren wechselte ich so in eine politische Funktion in der Verwaltung.
Sven Strauß: Mit einigen Entwicklungen in unserem Land, wie zum Beispiel in der Schul- und Kommunalpolitik, bin ich unzufrieden. Da ich nicht nur vor mich hin meckern, sondern selbst etwas verändern möchte, habe ich beschlossen, mich politisch zu engagieren.
Worüber können Sie sich richtig ärgern oder worüber richtig lachen?
Patrick Graul: Das, was mich besonders ärgert, ist der Umgang mit der Mifa und ihren Angestellten. Ich lache am meisten über das Thema Hamster.
Holger Hüttel: Ich ärgere mich über Menschen, die viel und lange reden können, ohne dabei etwas zu
sagen. Richtig ärgern kann ich mich auch über eigene Fehler. Lachen kann ich über Sendungen wie z.B. „heute-show“.
Gerald Neuschl: Mich ärgern Gleichgültigkeit, Ignoranz und Unpünktlichkeit von Mitmenschen. Lachen kann ich bei gut gemachter Comedy und Kabarett.
Ralf Poschmann: Mich ärgern heuchlerische Menschen, die freundlich tun, aber hinter dem Rücken über dich herziehen. Herzlich lachen kann ich immer über Kindermund, insbesondere den meiner Enkelin Malou.
Sven Strauß: Am meisten ärgern mich Unehrlichkeit und Intoleranz. Am besten lachen kann ich über meine Missgeschicke und den Kleinkünstler Marc-Uwe Kling (Känguru-Trilogie und falsch zugeordnete Zitate).
Welches Buch liegt auf Ihrem Nachtschrank?
Patrick Graul: Bei mir liegt kein Buch auf dem Nachttisch.
Holger Hüttel: Bücher, die ich immer wieder gern lese. Von den Manns - von Heinrich „Der Untertan“, von Thomas „Buddenbrooks“.
Gerald Neuschl: George Orwell „1984“
Ralf Poschmann: Im Bett lese ich nicht. Zuletzt las ich „Der Deutsche Traum“ von Dominic Otiang’a, einem jungen Kenianer.
Sven Strauß: Auf dem Nachtschrank liegt ein Kindle mit Büchern von Dan Brown und Marc Elsberg.
Das sagen die Kandidaten über Hobbys und Entspannung
Wobei können Sie entspannen?
Patrick Graul: Am besten entspanne ich im Garten, wo ich die meisten freien Tage zu finden bin. Die Ruhe und der Blick von meiner Terrasse sind erholsam.
Holger Hüttel: Bei einem guten Hörbuch, interessanten Gesprächen oder guter kabarettistischer Unterhaltung im Theater, Fernsehen oder im Internet.
Gerald Neuschl: In Familie oder einfach alle Fünf gerade sein lassen.
Ralf Poschmann: Zur körperlichen Entspannung brauche ich einen schattigen Platz und einen Liegestuhl. Der Geist entspannt erst ab der zweiten Urlaubswoche.
Sven Strauß: Am besten entspannen kann ich bei Aktivitäten mit meiner Familie und Freunden. Ich ziehe aber auch mal alleine meine Bahnen in der Schwimmhalle.
Was sind Ihre Hobbys?
Patrick Graul: Mein Garten im Weinlager, mit Freunden treffen, die Truckshow Südharz.
Holger Hüttel: Seit der Kindheit fasziniert mich die Philosophie von Gene Roddenberry, Autor der Star-Trek-Serien, und Geschichte.
Gerald Neuschl: Motorradfahren, Städtereisen.
Ralf Poschmann: Ich interessiere mich für Brückenarchitektur und sammle alles, was damit zu tun hat, wie Bücher und Münzen.
Sven Strauß: Mein größtes Hobby ist Motorradfahren, gefolgt von Radtouren. Im Winter schnalle ich gern Ski oder Snowboard an.
Kochen Sie und wenn ja was am liebsten?
Patrick Graul: Es gibt Vieles, das ich gerne koche. Aber Schnitzel mit Kartoffeln und Rotkohl und einer schönen Soße - das mache ich öfters.
Holger Hüttel: Nein, da man das Warmmachen einer Bockwurst nicht kochen nennen kann. Es gibt neben zu Hause auch gute Gaststätten in Sangerhausen.
Gerald Neuschl: Ich koche und brate alles, was geht. Meine Suppen schmecken am besten.
Ralf Poschmann: Ich beherrsche typische Männergerichte wie Schnitzel, Bratkartoffeln und Spiegeleier. Feinschmeckerküche überlasse ich lieber meiner Partnerin.
Sven Strauß: Nein, aber ich grille leidenschaftlich gern.
Wenn Sie eine Million im Lotto gewinnen würden, wofür geben Sie sie aus?
Patrick Graul: Ich würde etwas Geld in meinen Garten stecken. Auch meine Eltern und Geschwister würden einen Teil abbekommen, natürlich auch mein Sonnenschein, der öfter an den Wochenenden bei mir ist.
Holger Hüttel: Schwierige Frage, da ich kein Spieler bin. Ich würde mich mit dem gewonnenen Geld in meiner freien Zeit noch mehr und intensiver für positive Veränderungen in unserer Gesellschaft einsetzen.
Gerald Neuschl: Den Neustart für ein Kulturhaus.
Ralf Poschmann: Ich würde meine Kinder und Enkel unterstützen und sicher auch Menschen und Organisationen, die mir besonders nahe stehen. Städtereisen durch Europa würde ich gern machen. Den Rest hebe ich auf.
Sven Strauß: Auch wenn es langweilig klingt, ich würde wenig verändern. Ein kleiner Teil wird anonym gespendet und der Rest gut investiert. Einige interessante Reisen wären wohl auch noch möglich.
Wohin die OB-Kandidaten ihre Gäste in Sangerhausen entführen würden
Wohin würden Sie Gäste in Sangerhausen führen?
Patrick Graul: Gäste würde ich ins Museum einladen, in den Röhrigschacht, an die Rodelbahn Wippra und ins Rosarium.
Holger Hüttel: Das Schaubergwerk Wettelrode, die Schanze in Wippra, den Kletterfelsen, das Kobermännchenfest oder die Natur.
Gerald Neuschl: In unsere schöne restaurierte Innenstadt.
Ralf Poschmann: Ich zeige meinen Gästen gern die Altstadt, das Europa-Rosarium und die liebenswerten Orte im südlichen Harzvorland.
Sven Strauß: Wir besuchen das Schaubergwerk Wettelrode. Besser kann man die Geschichte unserer Stadt kaum verdeutlichen.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Patrick Graul: Natürlich wollte ich Feuerwehrmann werden, weil man zu diesen Menschen aufschaut.
Holger Hüttel: Als Junge wollte ich, wie viele in meinem Alter, Kraftfahrer werden. Später wollte ich den Beruf des Lehrers erlernen.
Gerald Neuschl: Ich wollte Indianer werden. Manche Lebensweisheiten dieser Stämme habe ich mir angenommen.
Ralf Poschmann: An die Kinderträume kann ich mich nicht erinnern. In der 9. Klasse stand für mich fest, Ma/Ph-Lehrer zu werden.
Sven Strauß: Zunächst Hubschrauberpilot, dann Luftfahrzeugingenieur. Da kam mir aber „die Wende“ dazwischen.
Was ist Ihr Lieblingsort in Sangerhausen?
Patrick Graul: Mein absoluter Lieblingsplatz ist und bleibt mein Garten in der Kleingartenanlage ,,Weinlager“ Sangerhausen.
Holger Hüttel: Viele schöne Orte gibt's in der Kernstadt und den Ortsteilen. Wippra, Grillenberg, der Kunstteich oder die Innenstadt.
Gerald Neuschl: Ein Stück privates Land am Südhang der Stadt.
Ralf Poschmann: Das ist unser Balkon in der Mühlgasse, dort höre ich die Glocken der Sangerhäuser Kirchen und sehe die Nachbarn.
Sven Strauß: Natürlich mein Zuhause! Bei Ausflügen mache ich gern am Kunstteich Rast. Mit Freunden treffe ich mich im Rüssel-Pub.
Wenn Sie selbst nicht zur Wahl stünden, welchem Kandidaten würden Sie Ihre Stimme geben?
Patrick Graul: Diese Antwort ist sehr schwer, weil jeder der anderen vier Kandidaten gute Themen und weniger gute Themen hat. Am wahrscheinlichsten den Herrn ......... . Diese Frage kann ich leider nicht beantworten.
Holger Hüttel: Ich möchte, dass es aufwärts geht, ohne die Bürger zu schröpfen. Ich möchte Transparenz und eine Stimme, die sagt, so könnt ihr mit den Kommunen nicht umgehen. Wer mir dies bietet und Demokrat ist, hätte meine Stimme.
Gerald Neuschl: Alle Kandidaten sind für mich nicht wählbar, da sie, außer Graul, einer Partei angehören. CDU-LINKE-SPD haben schlechte Landespolitik betrieben und würden niemals meine Wählerstimme erhalten.
Ralf Poschmann: Ich würde den wählen, in dessen Programm ich die seriöse Gegenfinanzierung der versprochenen Maßnahmen sehe, der eigene Ziele in den Mittelpunkt rückt und auf persönliche Angriffe verzichtet – das ist dem Amt unwürdig.
Sven Strauß: Da ich diese Frage wirklich nicht seriös beantworten kann, habe ich mich entschieden, selbst zu kandidieren. (mz)