Die Märchenstunde mit ihr ist bei den Kindern beliebt
BRÜCKEN/MZ. - Sie war schließlich auch mal seine Erzieherin. "Und meine Kindergartenzeit in Brücken habe ich in guter Erinnerung behalten. Daran hat auch Helga Graul ihren Anteil", so das Gemeindeoberhaupt. Peckruhn freute sich sehr, diese wie er sagte "für heutige Zeiten ungewöhnliche Ehrung" vornehmen zu können.
Ganz im Stillen hatten Helga Grauls Kolleginnen die Strippen gezogen, um sie zu überraschen, hatten die Ehrung selbst eingefädelt und zur Feier des Tages einen Kaffeetisch für die Kollegin gedeckt. "Das ist sie uns wert", sagen die Frauen einhellig und freuten sich riesig über die geglückte Überraschung, denn die Hauptperson bekam von den Vorbereitungen nichts mit.
40 Jahren in einer Kindereinrichtung sind kein Pappenstiel. "Und dabei wollte ich überhaupt nie in Brücken im Kindergarten arbeiten", so Helga Graul, die in Brücken geboren ist. Sie hatte nämlich Bedenken, ob sie sich würde durchsetzen können in einem Ort, in dem man sie schon von Kindesbeinen an kennt. Sie setzte sich durch in ihrem Heimatort. Betreut mittlerweile die Kinder und Kindeskinder der damaligen Brückener Elterngeneration. Und mehr als 20 Jahre lang hatte Frau Graul sogar die Leitung der Kindereinrichtung in ihren Händen, bis sie vor zwei Jahren meinte, eine jüngere Generation müsse das Zepter übernehmen und von der Leitung zurücktrat. Seither ist Steffi Kubaschewski die Leiterin der Brückener Kindertagesstätte.
In den 42 Dienstjahren hat sich viel geändert: "Die Kinder von heute sind kein Vergleich zu den Mädchen und Jungen in meinen Anfangsjahren. 30 Kinder in einer Gruppe zu betreuen war damals möglich. Heute ist das undenkbar", sagt Helga Graul. Doch sie malt die Welt nicht schwarz, sondern sagt: "Ich habe mich schließlich auch verändert in diesen 40 Jahren. Manches sehe ich heute einfach entspannter als früher." Und außerdem sei manches unverändert geblieben. Die Liebe der Kinder zum Geschichtenerzählen allgemein und zum Märchen insbesondere. "Was gibt es Schöneres als Kinder, die mucksmäuschenstill auf ihren Matten liegen und einer Geschichte zuhören?", fragt Helga Graul. "Ihr Talent als Märchenerzählerin ist hier unerreicht", lobt die Chefin. "Bei Rollenspielen und Theaterstücken macht ihr niemand etwas vor. Aus dem Stehgreif erfindet sie ein Stück und spielt es mit den Kindern." Daran sehe man, mit wie viel Spaß und Engagement man noch nach 42 Arbeitsjahren bei der Sache sein kann, so Frau Kubaschewski über Helga Graul.