Blick hinter die Kulissen Filmdreh in Querfurt: Burg Querfurt wird für SAT1-Film Schauplatz blutiger Schlachten

Querfurt - „Nicht durch den Schnee“, brüllt Regisseur Johannes von Kalckreuth. Ein Bauarbeiter hebt entschuldigend die Hände. An der mächtigen Westtoranlage der Burg Querfurt wird gerade eine Dokumentation über das Mittelalter gedreht.
Leichen auf der Burg Querfurt
Der Schnee, der über Nacht gefallen war, ist noch jungfräulich. „Der Abdruck eines modernen Schuhs passt wohl kaum in das 16. Jahrhundert“, sagt Kalckreuth. Dann bläst die Nebelmaschine wieder Rauchschwaden in den trüben Januartag, lodern Feuer, aus Gasflaschen genährt, schleppen sich müde Bauern über ein Schlachtfeld mit Leichen aus Kunststoff.
Querfurt wird zum Schauplatz der Bluttat von 1525 in Weinsberg (Baden- Württemberg). Aufständische Bauern hatten den Grafen von Helfenstein und seine Begleiter niedergemetzelt. Allerdings nahm der Bauernkrieg später das gleiche Ende wie die Schlacht bei Bad Frankenhausen. Die Bauern unterlagen überall.
Film dreht sich um als Ketzerinnen verschriene Frauen
Doch in der 45-minütigen Dokumentation geht es nicht um blutige Schlachten. Skizziert wird das Schicksal von drei Frauen, die als Ketzerinnen verschrien waren. Und wen die Heilige Inquisition der Kirche als Ketzer brandmarkte, kam zumeist auf den Scheiterhaufen. „Unseren Frauen passiert das nicht“, sagt Aufnahmeleiter Julian Monatzeder.
Der 31-Jährige ist in Doppelfunktion nach Querfurt gekommen, denn in der Doku spielt er selbst den Bauernführer Jäcklein Rohrbach. Seine engste Vertraute war seinerzeit Margarete Renner, die „Schwarze Hofmännin“. Sie ist die einzige Frau, die nachweislich aktiv an den Bauernkriegen teilgenommen hatte. Petra Wolf schlüpft in ihre Rolle. „Jäcklein und sie verbindet eine Seelenverwandtschaft“, sagt sie. Margarete sei eine starke Frau gewesen, die die heilende Wirkung der Kräuter kannte. Dass sie selbst jemals das Schwert erhob, so wie es die Doku zeigt, glaubt Wolf nicht. „Die Bauern haben auf sie gehört, aber ich denke nicht, dass sie bei der Schlacht dabei war.“
Warum die Burg Querfurt perfekte Bedingungen für das Filmteam liefert.
Die Bedingungen in Querfurt sind für die Dreharbeiten perfekt, freut sich der Regisseur. Sogar das Wetter spielt mit. Die kalte, düstere Atmosphäre hat etwas von der Romanverfilmung „Der Name der Rose“. Kalckreuth lächelt. „Die Kamera liebt dieses Wetter, das Team hasst es.“
Und dann schwärmt er von der Burg. „Hier kann ich im Winkel von 270 Grad drehen, ohne dass etwas Modernes zu sehen ist.“ Die Burg habe als Kulisse den großen Vorteil, „dass sie nicht zur Tode renoviert wurde und die Mauern noch authentisch sind.“
Filmkomparsen kommen auch aus der Region
Die Komparsen wärmen sich in den Pausen an Heizpilzen, mit heißem Kaffee oder im Fürstenhaus auf. Axel Janaschke aus Thale, Meinhard Nowack aus Gotha und Lutz Prager aus Neundorf spielen als Bauern mit. Im „normalen“ Leben arbeiten sie als Versicherungsmakler, Großhandelskaufmann und Zimmermeister.
„Das ist ein Hobby. Es macht einfach Spaß. Ich habe mich vor Jahren bei einer Agentur gemeldet. Und wenn es passt, dann bin ich dabei“, erzählt Janaschke.
Rauschebart Nowack ist auch schon Mönch gewesen. Früh um 5 Uhr war er zu Hause losgefahren. Frisch geduscht, wie er sagt. „Und dann wird man hier in der Maske innerhalb von zehn Minuten so verwandelt, als hätte man sich Wochen nicht gewaschen.“
Wird Burg Querfurt Top-Adresse für TV und Kino?
Burgmanager Christian Linke frohlockt. „Das Filmteam hat fast ausschließlich hier gedreht. In der Doku wird also ganz viel Burg zu sehen sein.“ Ausgestrahlt wird die Sendung „Verdammt - das wahre Schicksal der Ketzerinnen“ wohl am 14. Februar auf Sat. 1 im Anschluss an den Film „Die Ketzerbraut“.
Szenenbildner Dennis Duis, der bei sieben Produktionen in Querfurt dabei war und für die Burg in der Branche die Werbetrommel rührt, ist überzeugt, dass die Festung auch in der Zukunft eine Top-Adresse für TV und Kino bleiben wird. „Ich denke, dass ich alleine dieses Jahr noch mindestens zweimal wiederkomme.“ (mz)
