Zeitgleiches Reifen versetzt Erntekapitäne in Stress
Harzkreis/MZ. - Grundsätzlich seien alle 314 landwirtschaftlichen Betriebe im Harzkreis derzeit im Ernteeinsatz. Mit dem günstigen Wetter konnte mit der Mahd der Wintergerste bereits am 1. Juli gestartet werden. Danach, bedingt durch Regen und Kühle, wurde die Ernte bis in die zweite Julihälfte unterbrochen. Geerntet wird noch auf den Feldern bis November. Da werden dann die letzten Zuckerrüben gerodet. "Früher hatten die Landwirte zwischen den einzelnen Kulturen etwas Verschnaufpause", sagte Zywitzki. Durch das heiße Wetter der letzten Tage seien aber Raps, Weizen, Erbsen fast gleichzeitig reif geworden, da bleibe keine Zeit für eine Erntepause. Dies erfordert in diesem Jahr einen besonderen logistischen Aufwand bei den Bauern. So müsse taggenau entschieden werden, welcher Schlag abgeerntet werden kann. Innerhalb eines Bestandes müssen so auf dem Acker Schneidewerke gewechselt und Schnitthöhen neu eingestellt werden. Dies erfordert auch das öftere Umsetzen der Erntetechnik. Der Verbandsgeschäftsführer bittet daher die Autofahrer um Verständnis, falls es dadurch zeitweise zu Behinderungen auf den Straßen kommt.
Was die Erträge für die unterschiedlichen Kulturen anbetrifft, könne noch keine abschließende Prognose abgeben werden. "Wir sind im Moment mit der Ernte zufrieden", stellte er fest. Dies sei auch weiter wetterabhängig. Dort, wo in den letzten Tagen ein Unwetter tobte, wie in Ballenstedt, sei bis zu 50 Prozent mit Ernteausfällen zu rechnen. "Eine alte Bauernweisheit sagt: Die Küken werden erst im Herbst gezählt".
Auf Hochtouren läuft die Ernte zum Beispiel bei der Agrargenossenschaft Ballenstedt mit vier Mitarbeitern und dem Chef Eckhardt Nebe selbst. Mit einem von der Agrar-Dienstleistungs-Gesellschaft Ballenstedt ausgeliehenen Drescher der Marke Class 600, einem eigenen Traktor inklusive zwei Zügen (jeweils zwei Anhänger) geht es jetzt bei dieser schönen Witterung im Wechsel über die Felder. Auch wenn die Agrargenossenschaft den Drescher nur ausgeliehen hat, der ihnen eigentlich ständig zur Verfügung steht, wird sich um die Technik selber gekümmert - und damit auch um die anfallenden Reparaturen.
"Wir hängen aber gegenüber dem vorigen Jahr über eine Woche mit der Ernte hinterher", erzählte Andreas Ebock gegenüber der MZ über den Stand der diesjährigen Ernte. Am 8. Juli wurde angefangen, die Gerste einzufahren - von insgesamt 116 Hektar. Zurzeit werden die Rapsfelder mit 200 Hektar "beackert". Bis Freitag standen aber noch etwa 50 Hektar. Und die Leute arbeiten, solange es geht. Angefangen wird zur Erntezeit früh um 7 Uhr. Die Drescher fahren jedoch erst später raus, manchmal schon ab 9.30 Uhr, wenn der Tau aus den Feldern ist oder später, wenn sich die Nässe von vielleicht nächtlichem Regen verflüchtigt hat. An "guten Tagen" sitzen die Männer manchmal bis Mitternacht auf dem Drescher oder Traktor, selten ist aber für die Erntekapitäne schon eher Schluss. In den kommenden Tagen steht dann wohl noch der größte Brocken an Arbeit für die Agrargenossenschaftler auf dem Programm. Satte 436 Hektar Weizen müssen von den Feldern.
Allerdings hatte die Agrargenossenschaft vor einigen Tagen einen herben Rückschlag wegzustecken. Durch den Hagelschaden am 25. Juli gingen etwa 37 Prozent der Ernte kaputt. "Das ist immerhin über ein Drittel", so Ebock. Doch ist der Schaden zu verschmerzen. Eine Hagelversicherung kommt für den Verlust auf.