Oberbürgermeisterwahl in Quedlinburg Oberbürgermeisterwahl in Quedlinburg: Frank Ruch macht Wirtschaft zur Chefsache

quedlinburg - „Ich wollte ursprünglich über 50 Prozent schaffen, nun sind es knapp 43“, sagt Matthias Kirsch, der als Einzelbewerber bei der Oberbürgermeisterwahl in Quedlinburg angetreten war. 43? Kirsch? Das Missverständnis ist schnell aufgeklärt: Der Mann meint die Wahlbeteiligung, die er sich und seinen 1 600 Wahl-Plakaten zuschreibt. Bei der Oberbürgermeister-Wahl hat er tatsächlich 9,1 Prozent erreicht. Die wolle er in der nächsten Wahl zum Stadtrat erneut in Stimmen umsetzen. Zunächst, sagt Kirsch, will er aber seine Freie Fraktion, die er gemeinsam mit Bettina Ringel-Owczarzak bildet, verlassen - und im Rat als Einzelkämpfer weiterarbeiten.
Während die Kirsch-Plakate am Montagmorgen schon langsam aus dem Stadtbild verschwanden, schlief Wahlsieger Frank Ruch, der 56,3 Prozent der Stimmen errungen hatte, wohl erst einmal aus - er war schließlich nach einer langen Wahlparty erst gegen 3 Uhr ins Bett gegangen.
Seine ersten Amtshandlungen nach dem Dienstantritt am 1. Juli sind schon geplant: „Ich werde die Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen“, sagt er, „und den Wirtschaftsförderer in mein Büro holen.“ Sodann werde er den Kontakt zu den Einzelhändlern in der Innenstadt aufnehmen, denn die Quedlinburger Null soll in Zukunft attraktiver als Einkaufsmeile werden. „Außerdem will ich Hintergrundgespräche mit ansiedlungswilligen Investoren führen.“
Auf Ruchs Agenda stehen zudem: die schnelle Realisierung der Südumfahrung und die professionelle Vermarktung des Schlossbergs. Auch die Stadtverwaltung soll nach Ruchs Vorstellung reformiert werden: „Ich will straffere Leitungsstrukturen schaffen“, sagt er. Wird es personelle Veränderungen geben? „Davon gehe ich aus“, sagt Ruch. Er wolle aber nicht „alles sofort auf den Kopf stellen“.
Vorher wird der derzeitige Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) sein Amt peu à peu übergeben. „Die Übergabe wird mehrstufig ablaufen“, sagt er. „Das ist alles schon vorbereitet.“ Er werde aber seinen „Job bis dahin mit voller Kraft ausfüllen“, sagt Brecht. „Ich habe noch viel vor.“ Seinen Nachfolger beglückwünscht Brecht - genauso wie die Quedlinburger SPD und ihr unterlegener OB-Kandidat Bernd Skudelny: „Wir gratulieren dem neu gewählten Oberbürgermeister und wünschen ihm für dieses Amt zukünftig viel Erfolg zum Wohle der Stadt. Zugleich kündigen wir an, die Arbeit des neuen Oberbürgermeisters konstruktiv, aber auch kritisch zu begleiten.“
Die wenigsten Stimmen hat mit 4,6 Prozent Bettina Ringel-Owczarzak, ehemaliges SPD-Mitglied und Noch-Fraktionskollegin von Matthias Kirsch, eingefahren. „Ich bin stolz auf das Ergebnis“, sagt sie. Man müsse schließlich auch die Umstände sehen: Sie fühlt sich von ihrer ehemaligen Partei gemobbt und sei als Hartz-IV-Aufstockerin auf Spenden für den Wahlkampf angewiesen gewesen. Dafür, sagt sie, habe sie sich gut geschlagen. (mz)

