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Harz Harz: Retter im Container

Von RITA KUNZE 10.06.2011, 17:45

HALBERSTADT/MZ. - Es wird laut werden in der Rettungsleitstelle des Landkreises Harz in Halberstadt. Vorsorglich schenkt Leitstellen-Chef Michael Werner seinen Mitarbeiterinnen Ohrstöpsel und einen kleinen Sekt. Der Kommandozentrale in Sachen Rettung steht ein grundlegender Umbau bevor. In wenigen Tagen geht es los. Es wird Monate dauern, bis die 20 Angestellten an ihren neuen Arbeitsplätzen sitzen können; Stichtag ist der 16. Dezember.

Schwere Tage und Wochen

Mit einer Präsentation des Bauvorhabens wollte Werner sein Team am Donnerstag "auf die kommenden schweren Tage und Wochen" vorbereiten - und um Verständnis bitten. Derzeit werden die Einsätze von Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz von einem Container aus koordiniert. Der sei zwar eng, betont Werner, aber ohne Baulärm und Staub.

Ihren gewohnten Arbeitsplatz werden die Mitarbeiter am Ende nicht wiedererkennen: Wände werden herausgerissen, Türen versetzt, Säulen eingebaut, Fußböden unterschiedlich hoch angelegt sein. Verantwortlich für all das ist die Wrba Systemtechnik Eisleben GmbH als Generalauftragnehmer. Ein langjähriger Partner des Landkreises, wie Werner betont. Das wird wohl auch so bleiben, denn das Unternehmen realisiert nicht nur den Umbau - es stellt auch die Technik zur Verfügung, mit der die Leitstelle künftig auf Mietbasis arbeiten wird.

"Wir werden die Arbeitsplätze nach einem völlig neuen IT-Konzept einrichten", verspricht Geschäftsführer Frank Wrba. Künftig können Notrufe, Funkkontakte und das Einschalten von Anlagen über das Berühren der Monitore mit dem Finger gesteuert werden.

Endlose Kabelschnüre gehören der Vergangenheit an; von den "rein theoretisch sieben Kilometern Kabel", die in der alten Leitstelle verlegt sind, sagt Wrba, werde am Ende nicht viel übrig bleiben. Er spricht von "überschaubaren 40, 50 Kabeln".

Doch nicht nur Kabel können künftig eingespart werden. Auch von den zurzeit 30 Funkumsetzern, die Funklöcher im Harzer Land verhindern, werden sich etliche erübrigt haben, sagt Leitstellen-Chef Werner. Denn dann ist der Landkreis ganz auf Digitalfunk eingestellt.

Die Feuerwehren seien damit bereits ausgerüstet, der Rettungsdienst sei gerade dabei, und am Ende habe auch die Leitstelle alle Voraussetzungen für das neue Kommunikationssystem geschaffen. Bis zur endgültigen Umstellung würden aber analoger und digitaler Funk parallel laufen müssen, so Werner.

Weniger Leitstellen

Knapp eine Million Euro wird der Umbau der Rettungsleitstelle laut Werner kosten, Software und Technik eingeschlossen. Eine Investition in die Zukunft: "Allein die Tatsache, dass wir ein großer Landkreis sind, reicht nicht aus um zu sagen, die Leitstelle ist sicher", so Werner. "Wir müssen Bedingungen schaffen, um bei einer Verkleinerung der Leitstellen-Landschaft in Sachsen-Anhalt zu bestehen."

Er gibt ein fiktives Beispiel: Sollte das Land einmal festlegen, dass es künftig nur noch vier Leitstellen gibt, dann wolle man zu diesen vier gehören. Teilweise Veränderungen könne sich die Rettungsleitstelle deswegen nicht leisten. "Wir wollen uns fit machen für die nächsten Jahrzehnte und nicht nur für die nächsten Jahre."

Wrba pflichtet ihm bei. Die Technik schreite immer schneller voran, da gebe es eine völlig neue Kommunikationswelt. "Das ist wie bei Ihnen zu Hause: Sie haben sich einen Computer angeschafft, und zwei Jahre später kommt der Filius an und sagt, er möchte darauf ein neues Spiel installieren - aber das geht mit dieser alten Gurke natürlich nicht."

Auch die Form der Rettungseinsätze habe sich in den vergangenen Jahren geändert. "Früher gab es den einfachen Herzinfarkt. Heute haben wir Vogelgrippe, Schweinegrippe, EHEC - und wer weiß, was noch alles auf uns zurollt."