9. Minneturnier auf Burg Falkenstein 9. Minneturnier auf Burg Falkenstein: Das Mittelalter ist lebendig

Pansfelde/MZ - Auch in diesem Jahr war die Burg Falkenstein wieder Anzugspunkt für die Freunde mittelalterlicher Musik. Eingebettet in das fünfte Ritterfest auf der Burg und damit in einen sehr stimmungsvollen Rahmen, kamen am vergangenen Wochenende bekannte Vertreter der deutschsprachigen Mittelalter-Musikszene zusammen, um ihr Können im musikalischen Wettstreit zu beweisen.
Zwar war es schon das neunte Mal, dass ein solches Sangesturnier auf der Burg stattfand, doch war es in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Lange hatte es nämlich so ausgesehen, dass die lieb gewonnene mehrjährige Tradition an finanziellen Schwierigkeiten scheitern würde.
Dass es in diesem Jahr wieder ein Minneturnier auf der Burg Falkenstein geben konnte, war in erster Linie zahlreichen Spendern zu verdanken (die MZ berichtete). Die Dankbarkeit und Erleichterung aller Beteiligten spiegelte sich im Motto des neunten Falkensteiner Minneturniers wider – „Wünsche werden wahr“.
Weit mehr als nur Musik
Dieser Leitspruch zog sich durch den ganzen Abend. Zum einen wurde jedem der Spender einzeln gedankt und wurden Firmen wie Privatpersonen dabei mit gebührendem Applaus bedacht. Zum anderen spiegelte er sich im Programm des Abends, das wie jedes Jahr weit mehr bot als nur Musik. Alle Künstler und Spielleute waren in historische Gewänder gekleidet und ließen das Mittelalter vor der Kulisse des inneren Hofes der Burg Falkenstein wieder auferstehen.
Durch den Abend führte Meister Frauenlob, dargestellt von Peter Will, in bester Zeremonienmeistertradition. Mit freundlichen Worten stellte er jeden der Künstler vor und hielt seinen allzu kritischen Begleiter Henker Stempfel, dargestellt von Bernd Bonnet, im Zaum.
In zwei Runden traten sechs Minnesängerinnen und Sänger an, um sich der Wahl des Publikums, immerhin etwa 90 Gästen, zu stellen. Mit historischen Instrumenten und ohne jede elektronische Unterstützung brachten sie den Burghof zum Klingen. Das Spektrum reichte con ruhig-getragenen, teils melancholischen Stücken bis zu fröhlich beschwingten Trinkliedern. Manch eine Darbietung ließ das gesamte Spektrum mittelalterlicher Musikinstrumente erlebbar werden, manch andere die besondere Magie, die die Verbindung mittelalterlicher Lyrik mit gesanglichem Können hervorbringt.
Zu Texten unter anderem von Walther von der Vogelweide, Mechthild von Magdeburg, Ulrich von Lichtenstein und Oswald von Wolkenstein zeigten Christine Zienc, Ursel Peters, Hans Hegner, Holger Schäfer, Thomas Schalla-böck und Nairolf, der Liederbolt, ihr Können. Alle traten zunächst einzeln und abschließend in Duetten auf. Als besonderer Gast und außerhalb der Konkurrenz trat mit Olaf Casalich ein Urgestein der deutschen Mittelalter-Musikszene auf. Der Vorjahressieger begeistert seit über 40 Jahren mit seiner Band Ougenweide und hätte wohl auch an diesem Abend gute Chancen auf den Sieg gehabt.
Stimmgewaltig melancholisch
Nach zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung war es am Publikum, die Sieger des Wettstreites zu wählen. Dem Leiter des Museums auf der Burg der Falkenstein, gewissermaßen also dem „Burgherren“, Joachim Schymalla, kam die Ehre zu, die Gewinner zu verkünden. Das Siegerduett stellten Christine Zienc aus Hannover und Thomas Schallaböck aus Salzburg. Mit ihrer stimmgewaltigen Darbietung des melancholischen „Owe sol aber iemer me“ nach Heinrich von Morungen konnten sie sich gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. Zum besten Solisten wurde Holger Schäfer aus Adelebsen bei Göttingen gekürt. Überaus gefühlvoll hatte er mit Harfenspiel und Gesang zu Texten von Walther von der Vogelweide und Ulrich von Lichtenstein das Publikum verzaubert.
Schäfer, der im letzten Jahr noch Dritter geworden war, widmete seinen Erfolg und überhaupt den ganzen Abend Lothar Jahn. Auf dessen Initiative hin war 2006 das erste Minneturnier auf Burg Falkenstein abgehalten worden. Ihm ist es zu verdanken, dass es sich zu einem zentralen Termin für die deutsche Minnesangszene entwickeln konnte. An diesem Abend war er leider verhindert, doch mit den übrigen Künstlern und Gästen hofft wohl auch Jahn, dass es im nächsten Jahr wieder gelingt, auf der Burg Falkenstein Wünsche wahr werden zu lassen.
