Saalekreis Saalekreis: Wie lebt es sich im Saalekreis?
Merseburg/MZ. - Wie lebenswert ist der Saalekreis? Die harten Standortfaktoren stimmen weitestgehend. Die Region gilt als wirtschaftsstark dank der beiden großen Chemiestandorte und florierender Gewerbegebiete. Aber wie ist es um die so genannten weichen Faktoren bestellt? Wohnumfeld, Kultur, Bildung, Kinderbetreuung, Freizeit? Mit dieser Frage befasst sich die 3. Wirtschaftskonferenz des Saalekreises am 11. Oktober im Merseburger Ständehaus. Veranstalter sind die Stadt, der Kreis und die Hochschule. "Die Frage nach der Lebensqualität wird immer wichtiger. Die Menschen ziehen dorthin, wo sie die beste Infrastruktur vorfinden", sagt Merseburgs Bürgermeisterin Barbara Kaaden.
Natürlich bildet die Kreisstadt einen Schwerpunkt in den Vorträgen und Diskussionsrunden zwischen 13 und 17.30 Uhr. Vor allem eine Frage ist interessant: Wie kann Merseburg, die Hochschulstadt, noch mehr studentisches Flair in die City holen? "Dieses Thema ist eine offene Flanke. Der Campus der Hochschule ist wie eine Insel. Es gibt zu wenige Vernetzungen mit der Stadt", erklärt Hans-Dieter Weber, Chef für die Wirtschaftsförderung in der Stadt. Rund 3 000 Studenten sind an der Hochschule eingeschrieben. Aber nur 600 von ihnen wohnen auch in Merseburg. Die Mehrzahl zieht Unterkünfte in Halle oder Leipzig vor - wo das Studentenleben in Bars, Kneipen und Clubs pulsiert. "Wir sind keine Universitätsstadt", meint die Bürgermeisterin dazu, kündigt aber an, "Trittstufen" zwischen dem Campus und der Innenstadt setzen zu wollen. Durch attraktive Angebote soll die Wechselwirkung mit der Hochschule auch im täglichen Leben vertieft werden.
Die Wissenschaft unterstützt die Pläne. "Lebensqualität ist für die Studenten wichtig. Neben unseren Lehrbausteinen spielt der Wohlfühl-Aspekt natürlich eine entscheidende Rolle", sagt Professor Dirk Sackmann, Prorektor für Forschung an der Hochschule. Ansonsten sei man natürlich bestrebt, den Fachkräftebedarf für die Unternehmen vor Ort zu sichern.
Der Landkreis begleitet die Wirtschaft nach eigenen Worten mit einer schlanken Planung und schnellen Genehmigungsverfahren. "Wir stehen im Wettbewerb der Regionen. Und da kann eine Behörde punkten, wenn wir bürokratische Hürden aus dem Weg räumen", sagt Uwe Lehmann, Leiter des Wirtschaftsreferats in der Kreisverwaltung. Das gelte nicht nur für die großen Unternehmen, sondern ebenso für die 11 000 mittelständischen Betriebe.
Von der Wirtschaftskonferenz erwartet sich Lehmann Impulse und Anregungen, "was wir alle noch besser machen können". Die Konferenz sei nicht dazu da, Kampagnen zu erarbeiten, die dann in irgendwelchen Schubladen verschwinden. "Es ist unser Anspruch, genau diese Themen zu behandeln, die brandaktuell sind." Das gelte auch für die Entwicklung des Tourismus, ein nicht unwesentliches Standbein der Wirtschaft. 350 000 Gäste wurden im vergangenen Jahr gezählt, die mindestens eine Nacht in einem Hotel oder einer Pension im Saalekreis verbracht haben. Im Vergleich zu 2010 bedeute diese Zahl eine Steigerung von neun Prozent. Und obwohl für das aktuelle Jahr nur Prognosen abgegeben werden können, deutet sich bei den Übernachtungen erneut ein sattes Plus an: 7,5 Prozent. "Wir haben schon viel erreicht, sind aber noch nicht am Ziel", meint Lehmann. Deshalb ziehe man mit der Stadt, der Hochschule und den Unternehmen auch an einem Strang.