MZ-Ferientag in Merseburg MZ-Ferientag in Merseburg: Grüße an die Geschichte

Merseburg - Wie war das eigentlich vor mehr als 1.000 Jahren - hatte zu jener Zeit der geistliche Adel vielleicht auch mal draußen geplanscht, um sich bei hochsommerlichen Temperaturen etwas abzukühlen? Bei der Frage musste Beate Tippelt kurz schmunzeln. Es sei nicht überliefert, dass Bischof Thietmar
von Merseburg seinerzeit gern schwimmen war, verriet die Domführerin beim MZ-Ferientag. „Aber er war bestimmt bei solch einem extremen Wetter gern in der Krypta“, ergänzte Tippelt. In dem Bereich des Merseburger Doms sei es erfahrungsgemäß relativ kühl, was an dem massiven Mauerwerk liege.
Und tatsächlich war es in dem geschichtsträchtigen Wahrzeichen Merseburgs, das beim MZ-Ferientag im Mittelpunkt stand, vergleichsweise angenehm.
Blick in Sonderausstellung im Merseburger Dom
Dass es sich hier ganz gut aushalten lasse, fand etwa auch Brigitte Gaul. Mit ihren Enkeln war die Hallenserin wegen des MZ-Ferientags nach Merseburg gekommen, was vor allem die acht Jahre alte Talea freute. „Ich bin ja heute zum ersten Mal im Merseburger Dom“, verriet sie. Die Zeit sollte für sie, ihren älteren Bruder Aaron sowie die weiteren Ferientagsbesucher auch sehr abwechslungsreich werden: An einer kleinen Geschichtsrallye beteiligten sich die Kinder. An insgesamt fünf Stationen mussten dabei Aufgaben gemeistert werden.
Talea überlegte etwa gerade, welche Kleidungsstücke und Utensilien quasi zu Thietmars Dienstkleidung gehörten. „Der Bischofsstab, das Gewand und der Bischofsring“, hatte sie schnell die richtigen Dinge entdeckt. Die genannten Sachen sind im Dom zur Zeit im Rahmen einer Sonderausstellung mit dem Titel „Thietmars Welt“ zu sehen. Noch bis Anfang November kann sie besucht werden.
Thietmar von Merseburg vor 1000 Jahren gestorben
Hintergrund ist, dass Thietmar von Merseburg vor 1000 Jahren gestorben war. „Er hat deshalb die Fertigstellung des Doms nicht mehr miterlebt“, erwähnte Domführerin Tippelt. Erst im Jahr 1021 war das Bauwerk, das Thietmar im Auftrag von Heinrich II. errichten ließ, in seiner ursprünglichen Version fertig gebaut. „Außerdem hätte Thietmar gestern Geburtstag gehabt“, sagte Tippelt weiter. Deshalb war eine Station der Rallye auch das Anfertigen einer Glückwunschkarte an den Bischof.
Das wollte auch Talea beim MZ-Ferientag noch machen. Der Dom war für die Achtjährige zwar Neuland, aber MZ-Ferientage hatte sie mit ihrer Familie schon öfter erlebt. „Wir waren im vorigen Jahr zum Beispiel in Dessau und auch in Thale“, verriet Oma Brigitte. In den großen Ferien gehöre das dazu.
MZ-Ferientag: Kleine Baumeister am Werk
Zum ersten Mal in Merseburg und auch zum ersten Mal bei einem MZ-Ferientag waren dagegen Oskar und Leni Schedel. „Wir haben davon erst vorhin erfahren und uns spontan entschlossen, mitzumachen“, sagte Mutter Julia Schedel. Aus Osnabrück komme das unternehmungslustige Trio. „Wir machen hier Urlaub.“ Bei der Ferienaktion war Oskar gerade dabei, ein Modell des Doms aus Holzbausteinen zu errichten.
Um die 60 Einzelteile mussten dabei richtig angeordnet werden. Außerdem gab es beim MZ-Ferientag noch eine kleine Führung, bei der es auch auf einen der Türme ging. „Bis nach Leipzig konnte man heute gucken“, verriet Gerd Schindler. Die Umrisse des Völkerschlachtdenkmals seien sogar zu erkennen gewesen. Enkel Julian konnte von Merseburg also sozusagen einen Blick auf seine Heimatstadt werfen. Bei den Großeltern in Bennstedt verbringt der kleine Leipziger einen Teil seiner Sommerferien. Oma und Opa hatten auch die Idee, den MZ-Ferientag zu besuchen.
Als letzte Station hatte Julian noch die von ihm für Bischof Thietmar gemalte Grußkarte an eine Pinnwand mit weiteren Karten geheftet. Zur Belohnung gab es von Beate Tippelt eine Urkunde samt Siegel - alles in dem Stil, wie ihn Bischof Thietmar wohl einst pflegte. Und der Neunjährige hatte dem Bischof sogar etwas voraus: Nach dem Ferientag sollte es zur Abkühlung einen Ausflug ins Leunaer Waldbad geben. (mz)