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Hunde allein reichen nicht Hunde allein reichen nicht: Swen Keller informiert in Kühren über Herdenschutz vor Wolfsangriffen

Von Stefanie Greiner 08.05.2019, 05:00
Auf dieser Wiese werden derzeit zwei junge Pyrenäenberghunde von erfahrenen Herdenschutzhunden angelernt.
Auf dieser Wiese werden derzeit zwei junge Pyrenäenberghunde von erfahrenen Herdenschutzhunden angelernt. Ute Nicklisch

Kühren - Je mehr Herdenschutzhunde desto besser? Desto effektiver ist der Schutz vor Wolfsangriffen? Diese Rechnung geht laut Swen Keller nicht auf. „Zwei Herdenschutzhunde reichen“, sagt der Hundetrainer und Weidetierhalter aus Kühren. Für 50 Schafe wie auch für 500 Schafe. Zu viele Hunde würden dazu führen, dass sich einer auf den anderen verlasse - und am Ende nichts funktioniere.

Seit zweieinhalb Jahren bildet Swen Keller - 2017 hat ein Wolf mehrere seiner Kälbchen gerissen - nun schon Herdenschutzhunde aus. Und ist dafür ein gefragter Mann. Am Montag waren unter anderem Tierhalter aus Deutschland und Tschechien bei ihm. Darunter war Ronald Gerecke aus Stendal. „Ich hatte auch mal einen Herdenschutzhund“, sagt er. „Aber der hat seine Arbeit nicht gemacht. Er hat seine Herde verlassen.“

Das Thema Herdenschutzhunde findet der Schäfer wichtig. Denn auch bei ihm, vermutet er, sei der Wolf schon gewesen. Das Tier habe Anfang des Monats ein Schaf verletzt. Der Besuch bei Swen Keller beeindruckte Ronald Gerecke. „Die Reaktion der Hunde war sehenswert“, sagt er.

Pyrenäenberghunde kommen oft nach Wolfsangriff zum Einsatz

Am Beispiel seiner „Eingreiftruppe“ zeigte Swen Keller, wie Herdenschutzhunde arbeiten. Die Pyrenäenberghunde kommen zum Einsatz, wenn Tierhalter nach einem Wolfsangriff Probleme mit dem Herdenschutz haben. Leihweise. Im Moment lernen die beiden erfahrenen Hunde zwei junge Hunde an.

Auf drei Dinge kommt es - Swen Keller zufolge - bei Herdenschutzhunden an: darauf, dass die Hunde ihr Revier innerhalb des Zaunes verteidigen würden. „Wichtig ist außerdem, dass die Hunde Kontakt zur Herde aufnehmen“, erklärt der Hundetrainer. „Und die Wachsamkeit.“ Was nicht bedeute, dass die Hunde aggressiv seien.

Zwei Jahre dauert es, einen Herdenschutzhund auszubilden. Was ein solcher Hund kostet, sagt Swen Keller nicht. Laut Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft liegt der Anschaffungspreis für einen ausgebildeten Herdenschutzhund bei rund 3.000 Euro.

„Die Hunde allein sind nicht der Herdenschutz“

„Ich bin zu 100 Prozent der Meinung, dass Markieren und Flankieren ausreicht, um den Wolf fernzuhalten“, sagt Swen Keller. Eines macht der Hundetrainer und Weidetierhalter aber auch deutlich: „Die Hunde allein sind nicht der Herdenschutz.“ 80 Prozent des Herdenschutzes mache der Zaun aus. Der müsse hochelektrifiziert sein. Er spricht von mindestens 10.000 Volt. Und er sollte eine bestimmte Höhe haben.

„Wir empfehlen 90 Zentimeter“, sagt er im Namen der Interessengemeinschaft Herdenschutz plus Hund. 90 Zentimeter aber nur dann, wenn Herdenschutzhunde dabei seien. Sonst höher. „Der Wolf erkundet, wie er so leicht wie möglich an seine Beute rankommt“, macht Swen Keller deutlich. „Wenn der Wolf drin ist, habe ich mit dem Zaun was verkehrt gemacht.“ (mz)

Tierhalter aus Deutschland und Tschechien informieren sich bei Swen Keller.
Tierhalter aus Deutschland und Tschechien informieren sich bei Swen Keller.
Ute Nicklisch