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Gartenverein Gartenverein: Immer weniger Interesse

Von nadja reichert 16.05.2013, 17:16
Zehn Gärten mussten in jüngster Zeit abgerissen werden.
Zehn Gärten mussten in jüngster Zeit abgerissen werden. heiko rebsch Lizenz

köthen/MZ - „Obst und Gemüse lassen sich bequemer im Supermarkt kaufen. Eigener Anbau schmeckt zwar besser, macht aber auch wesentlich mehr Arbeit.“ Zu dieser Bilanz kommt Roland Vogeler, ehemaliger Vorsitzender des Vereins der Gartensparte „Am Wasserwerk“ Köthen e.V. 47 Gärten stehen in der Anlage leer und es werden in den nächsten Jahren wohl noch mehr werden.

„Wir haben ein hohes Durchschnittsalter unter unseren Gartenfreunden“, gibt Vogeler zu. Außerdem wurden zehn Gärten in Richtung Baasdorfer Straße abgerissen. „Es besteht einfach immer weniger Interesse an einem eigenen Garten“, sagt er. Der Vorstand des Vereins organisiert zwar Arbeitseinsätze, um die vielen leerstehenden Gärten instand zu halten. Der Erfolg sei aber nur gering, verrät Schatzmeisterin Heidi Stößel. „Wir schaffen es bei der Menge an Gärten leider kaum“, sagt 48-Jährige, die seit fünf Jahren ihr Amt im Verein bekleidet. „Und die Optik ist ja der entscheidendste Faktor.“

Es habe sich zwar ein Familienvater für einen der leerstehenden Gärten interessiert, allerdings ist Vogeler eher skeptisch. „Mit drei Kindern und zwei Hunden ist er eigentlich nicht der typische Gartenfreund“, meint der 51- Jährige. „Allerdings kann das natürlich auch täuschen. Wir müssen abwarten, was sich entwickelt.“ Dabei ist die Versorgung nicht schlechter als in anderen Gartensparten. „Die Gärten werden mit Strom und Wasser versorgt“, erklärt Vogeler. „Jedes Vereinsmitglied hat eine eigene Wasseruhr und einen Stromzähler. Außerdem kann der Gartenfreund zusätzliche Stromanschlüsse nach Belieben selbst im Garten verlegen.“

Neben dem schlechten Zustand einiger Gärten dürften auch eine fehlende Internetpräsenz und die schwierige Situation des Vereinsheims Gründe für das mangelnde Interesse von Hobbygärtnern sein. Das Vereinsheim wurde von einem Köthener Gastronomen betrieben. Da dieser seit September 2012 keine Pacht mehr zahlte, musste ihm der Vertrag gekündigt werden. Im Verein hofft man nun auf einen zuverlässigen Nachfolger. „Wenn das Vereinsheim wieder flott gemacht würde, kämen bestimmt auch mehr Leute wieder in die Gaststätte. Dann würden sich auch wieder mehr Leute für einen Garten in unserer Sparte interessieren“, hofft Stößel.

Zur jüngsten Jahreshauptversammlung schied Roland Vogeler nach zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender aus dem Vereinsvorstand aus. Frank Höniger wurde zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Wie er die verzweifelte Lage der Gartensparte retten will, weiß er allerdings noch nicht, da er selbst erst seit einem Jahr Mitglied des Vereins ist. „Ich muss mich erst mal mit den anderen Vorstandsmitgliedern genau über die Lage informieren lassen und schauen, was sich bewegen lässt“, so Höniger. Bei der Sitzung zeigte sich auch deutlich der Unmut der Gartenfreunde. Es gab zunächst nur zwei Kandidaten von den benötigten vier, die für den neuen Vorstand kandidieren sollten.

Den Vereinsmitgliedern ist klar, dass die Gärten für potenzielle Pächter alles andere als attraktiv sind. Es fehlt jedoch an Geld und jüngeren Arbeitskräften, um die Einsätze für die Instandhaltung richtig zu organisieren. Der Vorstand erhöhte nun sogar die Anzahl der Arbeitsstunden von acht auf zehn. „Man muss als Verein doch zusammenstehen und mal über den eigenen Gartenzaun schauen“, versuchte Heidi Stößel, die Mitglieder zu motivieren.