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Fahrräder im Internet zu ersteigern

Von Raimund Leonhardt 18.07.2007, 15:59

Köthen/MZ. - Einzige Bedingung: Der rechtmäßige Eigentümer hat sich auch nach einem halben Jahr noch nicht gemeldet, um seinen Besitzanspruch geltend zu machen.

Die Stadtverwaltung ist zunächst klein in das Auktionsgeschäft am Computer eingestiegen: "Wir haben zunächst einen Pool mit diversem Kleinmaterial gebildet", erzählt Sachbearbeiterin Marina Hölzke, in deren Aufgabengebiet die Fundsachen fallen. Als erstes boten die Köthener, die sich dabei des vor allem von Kommunen genutzten Auktionsportales bedienen, eine Kette, ein Armband und eine Uhr im Internet an. Mit Erfolg: Zwar gingen keine großen Beträge ein, die die Haushaltskasse reich füllten, aber Geld ist Geld. Die Armbanduhr versandte Frau Hölzke an einen Bieter in Stralsund, der in den Zeitmesser zwei Euro zuzüglich 3,90 Euro Porto investierte. "Da kann man eigentlich nicht viel falsch machen", meint die Frau im Fundbüro. Kette und Armband fanden eine Liebhaberin in Glücksstadt, die in die beiden Gegenstände, die noch ohne Foto angeboten wurden, 12,90 Euro investierte.

Immerhin: "Sachen, die ohne Internet-Auktion noch heute bei uns lagern würden", sieht Dorothea Dietz, die Chefin von Frau Hölzke und der "Zentralen Abteilung" des Rathauses, das Versteigern pragmatisch. Auf Bieter aus diesem Posten warten derzeit noch ein Brillenetui, ein Schal und eine Geldbörse. Ihr Preis im Internet beträgt gerade mal einen Euro. Der Bieter muss bereit sein, mindestens einen Euro mehr zu zahlen. Im Regelfall, so Frau Dietz, bleibt eine Fundsache vier Wochen im Internet. Findet sich bis dahin kein Käufer, wird er gelöscht.

Pool Nummer zwei bilden mehrere Monitore, die jeweils zu einem Preis von vier Euro im Angebot sind. Auch hier gilt das Bieten und Weiterbieten mit einer Steigerung von mindestens einem Euro. Die Bildschirme hat im übrigen niemand verloren. Sie stammen aus dem Inventar der Verwaltung und sind inzwischen abgeschrieben. Bislang haben sich für dieses Angebot, das seit dem 7. Juli online ist, 278 Besucher interessiert, schlägt Frau Hölzke auf den Internetseiten nach.

Besonderes Interesse erhoffen sich aber die beiden Frauen aus der Zentralen Abteilung vom jüngsten Pool im Auktionshaus. Es handelt sich dabei um 17 Fahrräder, die bereits mit Foto und einem Preis von drei Euro pro Rad auf den Anbieter-Seiten stehen. Geboten kann für sie allerdings momentan noch nicht werden.

Fahrräder haben auch bei den bisherigen Auktionen bei der Feuerwehr an der Bärteichpromenade das besondere Interesse der Köthener geweckt. Damals hieß es noch "...zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten". Was Frau Hölzke in diesem Zusammenhang auch sieht: Die Internet-Versteigerung hat nicht nur Vorteile. Gerade zu den Auktionen bei der Feuerwehr kamen auch weniger gut gestellte Einwohner der Stadt, um etwas zu erwerben, dessen Besitz ihnen sonst vielleicht verschlossen bleibt. Für sie, meint die Frau im Fundbüro, wird es schwieriger, weil sie zu Hause womöglich gar keinen Online-Zugang haben.

Sachen, die liegen bleiben, auch nach zwei oder drei Versteigerungen noch keinen Abnehmer gefunden haben, werden im übrigen nicht weg geworfen. Die Stadt verschenkt solche Dinge an Einrichtungen wie Kinderheime. Das alte, nicht mehr gebrauchsfähige Fahrrad, wird dort wieder aufgearbeitet und findet dann Verwendung. Frau Hölzke hat, bevor die Internet-Versteigerungen im Rathauses starteten, für einen Tag in Eschwege bei der Firma GS Computerservice hospitiert, um Kenntnisse über das Funktionieren der Plattform zu erwerben. "Wir versprechen uns von dem neuen Angebot für die Bürger etwas", sagen die beiden Mitarbeiterinnen, die nach dem gelungenen Start vorsichtig optimistisch sind. Mit dem Internet-Auftritt ist auch die Zahl der Anrufe im Fundbüro gestiegen: "Viele rufen an, um weitere Einzelheiten über die Fundstücke zu erfahren", zeigt Frau Hölzke einen Nebeneffekt auf. Ganz ohne Spaß läuft auch die Fundsachen-Auktion im Internet nicht ab: Zum angebotenen diversen Kleinmaterial gehört auch ein Spielzeugmotorrad für Kleinkinder. Was aber einen Interessenten nicht davon abhielt, nachzufragen, ob er damit auch auf der Straße fahren könne.

Fundbüro der Stadt Köthen im Internet unter der unten angegebenen Adresse; ebenso Rubrik Bürger+Verwaltung / Bürgerservice / Fundbüro anklicken.