Erste Prinzessin wird Isabell heißen
VON BENJAMIN BÖHME AKEN/MZ. - Letzteres lohnt sich: In Susigke gibt es neben einem Kriegerdenkmal und einigen Gewerbetreibenden auch seit 1906 eine Freiwillige Feuerwehr. Und hier gibt es einen der kleinsten Karnevalklubs der Region. Genauer ist es die Abteilung "Tanz" des hiesigen Reit- und Fahrvereins, der nunmehr in der 29. Saison Karnevalssitzungen organisiert. Und das mit Erfolg. Zu fünf Faschingsveranstaltungen im Jahr platzt der kleine Saal in der Gastwirtschaft an der über 400 Jahre alten Friedenseiche aus allen Nähten. "95 Personen finden hier Platz", sagt Petra Riemer. Sie organisiert den Kartenverkauf des Vereins. "Jedes Mal müssen wir noch einige Stühle hinzustellen."
Das letzte Mal für diese Saison haben am vergangen Sonnabend die Jecken aus Susigke ihre Narrenkappe aufgesetzt. Der Saal ist bunt geschmückt. Durch den Raum sind Girlanden gespannt. Unter der Decke hängen in einem Netz hunderte Luftballons. 20.11 Uhr - das Programm beginnt pünktlich und traditionell mit dem Einmarsch der sechs bildhübschen Funken. Sie tragen kurze Röcke und akkurat sitzende blau-weiße Uniformen.
Der Saal tobt. Es wird geschunkelt, gelacht und Bier getrunken. Auf einmal: Riesenapplaus. Ein kleines Mädchen wird auf Schultern in den Saal getragen, es verteilt Luftküsse. Es ist die achtjährige Isabell Forche. Die junge Dame mit der adretten Uniform ist als Funkenmariechen unterwegs und die jüngste Mitwirkende. Die Veranstalter haben Großes mit ihr vor: In die 30. Saison wollen die Karnevalisten zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit einem Prinzenpaar starten. Klein-Isabell ist schon fest als Prinzessin eingeplant.
Wer denkt, der Karneval von Susigke ist nicht über die Ortsgrenzen hinaus bekannt, der irrt. Besucher kommen aus Köthen, Reppichau und sogar Dessau. Rund 500 Personen feiern jede Saison in Susigke Fasching. Das ist eine beträchtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass der Ort nur 190 Einwohner hat. "Jeder Susigker ist ein Narr", scherzt Petra Riemer. Es gebe in Susigke niemanden, der den hiesigen Fasching nicht kenne. Schon seit Mitte der 90er Jahre sind die Narren zudem beim großen Dessauer Rosenmontagsumzug vertreten.
Tina, Elisa, Joe und Isolde - so heißen die vier rehbraunen Kaltblutpferde, die den alten Saloonwagen über eine Stunde lang durch den Umzug ziehen werden. Auf dem Kutschbock wird Reiner Kühn sitzen. "Ich hoffe, dass durch die Aktion unser Karneval über die Region hinaus noch bekannter wird", sagt der 37-Jährige und malt sich schon einmal die Szenerie aus: "Von dem Wagen werden die sechs bildhübschen Frauen des Damenballetts den Zuschauern des Umzugs entgegenlächeln." Er grinst nur.
Ein ganz billiges Vergnügen ist die Teilnahme an einer Susigker Karnevalssitzung jedoch nicht. Acht Euro kostet die Karte. Günstiger geht es nicht: "Gema-Gebühren und Technikausstattung kosten eben Geld", meint Riemer. Sogar jeder Karnevalsorden schlüge mit knapp zehn Euro zu Buche. Dank der elf Sponsoren und der Hilfe des Ortschaftsrates ist der Haushalt des Vereins jedoch ausgeglichen. "Es bleibt sogar jedes Jahr genug Geld übrig, um für die Helfer einen Grillabend mit Tanz zu organisieren", sagt Riemer.
Irgendwann um halb elf ist der letzte Sketch gespielt und das Männerballett wieder aus den Frauenklamotten herausgeschlüpft. Dennoch geht die Party weiter: Um Mitternacht spielt die Partyband "Bambule" aus Köthen auf. Zur hellen Stimme von Jana Riemer, begleitet von zünftigen Gitarrenklängen, rocken die Susigker bis um zwei Uhr in den Morgen. Dann ist es wieder still im Ort.