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Bildung Bildung: Berufsschulen Bitterfeld und Köthen werden zusammengelegt

Von matthias bartl 18.09.2012, 13:51

köthen/MZ/. - Den Schulplanern im Lande haben sie seit längerem Bauchschmerzen bereitet. Aus demografischen Gründen. Fachlich gab es an den Berufsbildenden Schulen Köthen nichts zu tippen, nur eben die Zahl der Schüler, die marschierte seit einigen Jahren in den Keller. Im Vorjahr wurde erstmals der neuralgische Werte unterboten: Statt der rechnerisch notwendigen 600 Schüler kamen in Köthen gerade Mal 508 zusammen - die Schule durfte, wie Schulamtsleiterin Bärbel Mylius erinnert, nur mit Ausnahmegenehmigung weitermachen. Was überall in der Schule und in der Landkreisverwaltung die Alarmglocken schrillen ließ.

Nun hat man eine elegant zu nennende Lösung gefunden, um die drohende Schließung der Berufsschule Köthen zu vermeiden. Aus zwei Schulen in Köthen und Bitterfeld-Wolfen wird eine gemacht. Eine mit zwei Standorten, wie Landrat Uwe Schulze ausdrücklich betont: "Köthen wird keine Niederlassung von Bitterfeld." Allerdings wird es nur noch einen Schulleiter geben, über dessen "Stammsitz" das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, aber von dem man aus logischen Gründen schon davon ausgehen kann, dass er Bitterfeld heißen wird. In die dortige Berufsschule "August von Parseval" gehen zweimal mehr Schüler als in die Köthener. Unabhängig davon will die Landkreisverwaltung aber auch Leitungspräsenz in Köthen. "Das ist ganz klar", so Uwe Schulze.

Die Zusammenlegung der Schule und der Beschluss über den Weggang der bisherigen Köthener Direktorin Dagmar Pasch sei faktisch parallel erfolgt, erklärt Katharina Möbest vom Landesschulamt. Möbest ist als schulfachliche Referentin für die Berufsschulen in Köthen und Bitterfeld zuständig und hat die dramatischen Entwicklungen seit Jahren beobachtet und mit versucht gegenzusteuern.

Die Bildung eines Regionalverbundes mit anderen Berufsschulen in Dessau und Wittenberg zwecks gegenseitiger Unterstützung bei der Klassenbildung ist ein solcher Punkt, der auch Köthen zumindest partiell geholfen hat. So wurde die Tischler-Klasse auf die Richtzahl von 21 Schülern gebracht, so wurde der Bildungsgang Maler / Lackierer von Bitterfeld nach Köthen abgegeben. "Das sind die einzigen zwei Berufsgruppen innerhalb der dualen Ausbildung in Köthen, die aus sich heraus leben können", sagt Dagmar Pasch. Alle anderen sind teils deutlich unterbesetzt, bei den Kfz-Mechanikern beispielsweise kommt man je Klasse auf durchschnittlich zwölf Schüler - weit weg von der Größenordnung, die vom Land gefordert wird.

Drei Jahre lang keine Ruhe

Dass unter solchen Rahmenbedingungen Unruhe entsteht, ist voraussehbar. Sowohl Dagmar Pasch als auch der Leiter der Berufsschule "August von Parseval" in Bitterfeld, Rainer Woischnik, betonen daher , dass es in erster Linie um Ruhe geht. "Die gab es drei Jahre lang nicht", sagt Woischnik. "Das war sehr unbefriedigend." Zumal bei manchen Eltern schon die bange Frage aufkam, ob es überhaupt Sinn mache, den eigenen Sprößling nach Köthen zu schicken. "Nun kann man mit Gewissheit sagen, dass es Sinn macht", findet Pasch.

Letzten Endes wird auch Bitterfeld von der Fusion profitieren. Denn hier ist der demografische Aderlass ebenso unübersehbar: Von einst 3800 Mädchen und Jungen ist man auf etwa 2500 zurückgefallen. Zieht man alle Um- und Gegenrechnungen von Vollzeit- und Teilzeitschülern heran, hat Bitterfeld in vier Jahren rechnerisch fast 550 Schüler verloren - quasi eine Berufsschule in der aktuellen Köthener Größe.

Man macht also genau betrachtet in Anhalt-Bitterfeld aus der Not eine doppelte Tugend: In Köthen werden weiterhin Berufsschüler ausgebildet, und zusammen entsteht die größte Berufsschule des Landes. Das schafft Sicherheit und ist, so Schulze, "eine Entscheidung der Vernunft". Der Landkreis habe immer zum Berufsschulstandort Köthen gestanden und werde dies weiter tun, so der Landrat. Der hofft, dass die Entscheidung auch im Kreistag Zustimmung findet.

Nichts überstürzen

Überstürzen will man im übrigen nichts. Dagmar Pasch bleibt das ganze Schuljahr in Köthen Leiterin. Dann geht sie nach Halle und Rainer Woischnik übernimmt. Das Schuljahr 2013 / 14 ist dann sozusagen ein Jahr zur Prüfung, ehe 2014 / 15 die neue Struktur richtig greift. Wie auch immer sie aussieht, eins ist Rainer Woischnik klar: "Wenn sich Köthen ändert, wird Bitterfeld nicht unverändert bleiben können."