Jessen Jessen: "Wir"-Verein kämpft Jahr für Jahr ums Überleben

Jessen/MZ - Der „Wir“-Verein will 2014 das Sozial-Kultur-Touristische Generationshaus in der Robert-Koch-Straße in Jessen noch intensiver zum Treffpunkt für Alt und Jung gestalten. Das gilt auch für die Außenprojekte in Prettin, Annaburg, Groß Naundorf-Kolonie und Holzdorf, versichert Vereinsvorsitzende Margit Mehr zum Neujahrsempfang. Die Mitarbeiter seien motiviert und in ihren Bereichen mit Freude tätig. Neue Ideen gebe es reichlich. Am guten Willen fehle es nicht: „Wir leben jedoch nur von Spenden, deshalb brauchen wir dringend zuverlässige Unterstützung aus der Region.“
Zusammenarbeit mit Schule
Mit einem Blick in die Runde bekundet Margit Mehr: „Ich freue mich sehr, dass Sie gekommen sind, bedauere aber, dass einige Gäste fehlen, unter anderem Vertreter der Stadtverwaltungen Jessen und Annaburg.“ Dass Thomas Felber, Leiter der Jessener Sekundarschule Nord, bei der Festrede unmittelbar neben Margit Mehr steht, mag Zufall sein. Fakt ist jedoch, dass die Partnerschaft mit der Einrichtung im vergangenen Jahr noch enger wurde: „Wir betreuen regelmäßig vier Arbeitsgemeinschaften. Die Mädchen und Jungen lernen mit Nadel und Faden umzugehen, sie engagieren sich auch im Spielzeugmuseum und im Kräutergarten“, zeigt Margit Mehr auf.
Täglich 80 bis 100 Besucher kommen zum „Wir“-Verein. Sie nutzen zum Beispiel die Angebote der Landfrauenküche, des sozialen Dienstes und des Familienstützpunktes. Sie betätigen sich im Kreativstübchen, besuchen die Spielzeug- und Tauschbörse, die Aktivwerkstatt oder das Nähstübchen. Auch die Tafel wird dabei zum Anlaufpunkt. Etwa 600 Bedürftige werden an den Ausgabestellen versorgt. „Wir sind seit 2005 Mitglied im Deutschen Bundestafelverband. Dadurch ist ein besserer Warenaustausch gegeben, und wir haben die Möglichkeit, uns an der Ausschreibung der Lidl-Pfand-Spenden zu beteiligen. So konnten wir ein Seniorenprojekt und das Aktivzentrum verwirklichen. Auch unsere Kühl- und Tiefkühlzellen hätten wir sonst nicht finanzieren können.“
Offen für alle
Wichtig sei zudem die Landfrauenarbeit: „Wir werden verstärkt auf Vereine zugehen, um unsere Gärten und andere Projekte bekannter zu machen. Viele Menschen glauben noch, dass wir ausschließlich für sozial schwache Bürger agieren. Jeder kann aber zu uns kommen, ja sogar Fahrten mit unserem regionalen Reisebüro stehen jedem offen“, sagt Margit Mehr.
Doris Schröter, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wittenberg, zollt Respekt: „Ich begleite den Verein seit vielen Jahren. Toll, was hier geleistet wird. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität vieler Menschen.“ Ihre eigene Arbeit sehe sie generell als Netzwerkerin. „Deshalb prüfen wir, für welche Projekte es von Seiten des Bundes oder der EU Fördermittel geben könnte.“
Marion Michel (Linke) engagiert sich als Mitglied im Verein und lässt wissen: „Es ist beeindruckend, wie die Mitarbeiter mit wenig Geld so viele Dinge angehen.“ Margit Mehr freut sich über die Anerkennung, ergänzt aber: „Unsere Arbeit wird leider nicht überall entsprechend wahrgenommen und gewürdigt. Wir müssen jedoch Wunder leisten, damit wir Jahr für Jahr existieren können.“ Das bestätigt Stadträtin Gabriele Wolf (BBP – Bürgerinitiative Jessen). Sie bedauert, dass so wenige Kommunalpolitiker zugegen sind: „Nur, wer etwas kennt, kann sich eine Meinung bilden. Der Sozialausschuss hat sich schon in anderen Einrichtungen getroffen. Deswegen plädiere ich dafür, dass er eine seiner nächsten Sitzungen hier abhält.“
Faires Angebot
Sehr gern haben Manfred Blum und seine Lebenspartnerin Olga Schulze aus Wittenberg die Einladung angenommen, wie er versichert. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Immobilienunternehmens ist Eigentümer des Gebäudes. „Wenn er uns vor etwa fünfeinhalb Jahren mit seinem Angebot zur Vermietung nicht so fair entgegengekommen wäre, würde es dieses Generationshaus nicht geben“, betont Margit Mehr.
Das gute Einvernehmen habe sich über die Jahre fortgesetzt: „Wir versuchen, nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen. Wenn zum Beispiel Möbel bei Haushaltsauflösungen übrig sind, kommen sie hierher“, zeigt Manfred Blum auf und bekennt: „Wir haben uns umgeschaut und sind sehr angetan davon, wie der Verein dieses Haus nutzt.“