1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Halle
  6. >
  7. Zeitkunstgalerie : Zeitkunstgalerie : Bodenlos blaue Stunde mit Burghard Aust

Zeitkunstgalerie  Zeitkunstgalerie : Bodenlos blaue Stunde mit Burghard Aust

Von Detlef Färber 03.09.2016, 14:00
Burghard Aust vor dem Hauptwerk seiner neuen Ausstellung namens „Blaue Stunde“
Burghard Aust vor dem Hauptwerk seiner neuen Ausstellung namens „Blaue Stunde“ Holger John

Halle (Saale) - Aufwärts oder abwärts? Das ist hier die Frage - beim Blick auf das Hauptwerk der neuen Ausstellung des halleschen Malers Burghard Aust. Denn zumindest dessen Bildtitel „Blaue Stunde“ lässt ja beiderlei Möglichkeiten zu: Jene Morgenstunde, der einst der Rapper Peter Fox in seinem Song „Schwarz zu Blau“ die wunderbare Zeile Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein ... widmet. Das wäre dann eine Blaue Stunde mit Aufwärts-Aspekt.

Doch weit wahrscheinlicher - weil auch gebräuchlicher im Umgang mit diesem Begriff - ist jene andere, allmählich ins Dunkel übergehende „Blaue Stunde“, der der Dichter Gottfried Benn einst in seinem gleichnamigen Gedicht eine Art Liebes-Epilog widmete: ... Du bist so weich, du gibst von etwas Kunde / von einem Glück aus Sinken und Gefahr / in einer blauen, dunkelblauen Stunde / und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war ...

Ausstellung in der Zeitkunstgalerie

Genau die richtige Sphäre also für die Austschen Figuren, die in der neuen Ausstellung des Malers in der Zeitkunstgalerie in wiederum verschiedensten Szenerien und Konstellationen buchstäblich zu erleben sind. Und die in einer breiten Palette malerischer und grafischer Techniken samt Mischtechniken zu einer erstaunlich lebendigen Anmutung „erweckt“ werden - wenn man mal davon absieht, dass sich in dieser Intensität der Darstellung doch zumeist Introvertiertheit, ja Einsamkeit der Figuren auch in größeren Getümmeln kundtut. Eine Vereinzelung, die erstaunt, wenn man weiß, von welch einem kommunikativen, ja meist ausgesprochen extrovertierten Künstler diese Figuren auf die Leinwand oder worauf auch immer gezaubert worden sind.

Doch möglicherweise gibt es hier auch eine Entwicklung in der Figurensprache. So zumindest sieht es der Moritzburg-Kustos und Freund des Künstlers, Ulf Dräger, der am kommenden Montag die Rede bei der Vernissage halten und dabei auf diesen Umstand aufmerksam machen will: „Die Bilder sind diesmal weniger erzählerisch, als die meisten von Aust, dafür sind sie nun in vielem noch poetischer geworden“, meint Dräger.

Reduziertheit der Bilder

Mag sein, dass dieser Umstand auch einer fortschreitenden Reduziertheit der Bilder geschuldet oder besser zu verdanken ist. Aust - der sein künstlerischen Credo auch als Lehrer im Wettiner Kunstgymnasium und somit als Mentor vieler inzwischen erfolgreicher Kreativer Sachsen-Anhalts weitergegeben hat und weiterhin weitergibt - Aust bekennt sich immer wieder dazu, der „barocken Opulenz“ zunehmend „abhold“ zu sein. Sein Tipp für ein gutes Bild - in gewohnt ironischer Zuspitzung - lautet also: „Nichts drauf (auf dem Bild) und davon viel“. Soll heißen: Gerade dieses Nichts (und der Mut dazu) muss wirken.

Austs „Blaue Stunde“, auf diesem Hintergrund betrachtet, macht dann noch mal zusätzlich die Bodenlosigkeit deutlich, in der sich seine Figuren bewegen, in der sie Halt aneinander suchen, aber nicht finden. Es ist eine Szenerie, die eine schonungslose Sicht auf die erlebte Welt offenbart - und die damit als ein Werk aus diesem Jahr zugleich als ein Statement mit Blick auf mancherlei Aktualitäten taugen könnte. Das allein macht schon den Reiz dieser Schau aus, die zudem auch ein Stück Werkschau aus vergangen Jahren bietet.

Kombination mit Keramik-Werken

Wie es in der Zeitkunstgalerie längst bewährter Brauch ist, wird mit der Malerei bei Ausstellungen jeweils ein anderes künstlerisches Gewerk, meist Keramik, kombiniert. So auch auch diesmal. Galeristin Jutta Wittenbecher hat dabei mit den Arbeiten der Berliner Künstlerin Katharina Link eine Ergänzung gefunden, die auf interessante und passende Weise mit der Bildsprache von Burghard Aust harmoniert - und die die Schau mit dem Titel „Liebe Güte“ abrundet.

Ausstellung in der Galerie Kleine Marktstraße 4 bis 23. September. Vernissage: Montag, 20 Uhr, geöffnet: Dienstags bis samstags jeweils ab 11 Uhr. (mz)