Unwetter Unwetter: Lärm der Kettensägen dröhnt durchs Dorf

Halle (Saale)/TEUTSCHENTHAL/MZ. - Wer am Donnerstagmorgen mit dem Auto durch den Teutschenthaler Ortsteil Holleben gefahren ist, konnte noch erahnen, was sich dort mehr als zwölf Stunden zuvor abgespielt hatte. Äste am Straßenrand erinnerten noch an das Unwetter, das am späten Mittwochnachmittag über dem Saalekreisort gewütet hatte. Doch das Dröhnen der Kettensägen, das am Donnerstag den gesamten Tag durch Holleben schallte, zeugte vom großen Aufräumen. Seit 7.30 Uhr war Feuerwehrchef Helmut Kitze mit seinen Leuten wieder auf den Beinen, um umgestürzte Bäume und herabhängende Äste zu beseitigen.
So auch auf dem Grundstück von Monika Magister. Dort hatte der Sturm eine große Tanne und einen Nussbaum umgerissen. "Es war mit einem Mal pechschwarz. Dann kam der Sturm und hat die Tanne regelrecht nach oben gedreht", berichtete die Hollebenerin. "Zum Glück", so sagte sie, "ist der Schaden an meinem Haus aber nicht so groß." Ihren Nussbaum mussten die Feuerwehrleute des Ortes aber beseitigen. "Er stellte eine Gefahr für die benachbarten Grundstücke und die angrenzende Straße dar", erklärte Helmut Kitze die Notwendigkeit des Einsatzes. Eigens dazu musste er die große Drehleiter aus Teutschenthal anfordern. Kitze und seine Leute hatten auch am Donnerstag noch, nach stundenlangem Einsatz am Mittwochabend, den ganzen Tag alle Hände voll zu tun. "Der Sturm ist einmal quer durch den Ort gezogen", so der Feuerwehrchef, der sogar vermutete, dass es sich um eine Windhose gehandelt haben könnte.
Auch bei Monika Magisters Nachbarn waren die Schäden deutlich sichtbar. Eine scheinbar gesunde Tanne lag abgeknickt wie ein Streichholz im Garten. "Den Baum machen wir selbst weg. Wir sind nur froh, dass niemandem etwas passiert ist", so Grundstücksbesitzerin Christa Bialkowski.
Und das erscheint tatsächlich wie ein kleines Wunder. Mit fast 70 Stundenkilometern war der Sturm über die Region gefegt. Allein in Halle und im Saalekreis sorgte er für mehr als 80 Feuerwehreinsätze. Äste stürzten ab, Bäume wurden entwurzelt, Dächer teilweise abgedeckt oder beschädigt. In Gutenberg stürzte ein Silo auf das Stallgebäude einer Hühnerfarm. Im Saalekreis waren 12 000 Haushalte kurzzeitig ohne Strom. So auch in Holleben. Dort aber gingen die Lichter am frühen Donnerstagmorgen wieder an, wie Feuerwehrchef Kitze sagte.
Chaos herrschte unterdessen offenbar auch bei der Deutschen Bahn. In Halle saßen hunderte Reisende auf dem Hauptbahnhof fest. Etliche Züge hatten erhebliche Verspätungen, einige Verbindungen fielen überdies aus. "Es gab kaum Informationen, teilweise waren sogar die Anzeigetafeln abgeschaltet. Die Mitarbeiter waren völlig überfordert", so Harald Riese, der mit der Bahn nach Naumburg fahren wollte. Gegen 18 Uhr war er in Halle gestrandet. Erst gegen 23 Uhr kam er nach eigenen Angaben in Naumburg an.