Saalekreis Saalekreis: Verjüngungskur beginnt
zappendorf/MZ. - Es stand schon vor dem Jubiläum fest: Der bisherige Chef des Landwirtschaftsmuseums in Zappendorf, Wolfgang Schumann, will die Leitung des Hauses abgeben und hofft, "sie in jüngere Hände legen zu können". Der inzwischen 71-jährige Schumann hat von der Geburtsstunde des Museums vor zehn Jahren an dessen Profilierung und inhaltlicher Ausrichtung ehrenamtlich mitgewirkt. Viele Aktionen und Projekte tragen seither seine Handschrift und die des von ihm geleiteten ebenfalls ehrenamtlichen Museumsrates, dem gegenwärtig neun Frauen und Männer angehören.
Schumann sieht den nötigen Verjüngungsprozess völlig realistisch. "Wenn wir das Museum erhalten, Veranstaltungen, die gerade für die älteren Menschen zu einem unverzichtbaren Teil ihres Leben geworden sind, weiterentwickeln wollen, dann geht das nur mit jüngeren Leuten", sagt er. Die ersten Schritte in diese Richtung seien zumindest im Museumsrat bereits gemacht worden. Mit Sonnhild Grenz und dem jungen Fliesenlegermeister Raik Muras seien zwei neue Mitglieder gewonnen worden, die mitarbeiten möchten.
Das Landwirtschaftsmuseum befindet sich in der Trägerschaft der Gemeinde - ursprünglich Zappendorf, nach der Gebietsreform nun der Gemeinde Salzatal. Im Einigungsvertrag der Kommunen zur Bildung der Gemeinde Salzatal sei laut Schumann dem Museum wie auch dem Jugendcamp Bestandsschutz gewährt worden. Das sei die Basis für die weitere Entwicklung des Kultur- und Bildungsangebotes gewesen. In den beiden Anfangsjahren 2001 / 02 hätten das Museum zwischen 800 und 900 Gäste besucht. 2010 / 11 seien es zwischen 5 000 und 6 000 gewesen, so Schumann weiter.
Wenn jetzt ein Nachfolger für die Leitung des Hauses gesucht wird, spreche das für den weiteren Fortbestand. Ortsbürgermeister Werner Witkowsky (parteilos) bestätigte, dass ab Oktober eine im Haushaltsplan der Gemeinde fixierte Teilzeitstelle für die Leitung des Museums besetzt werden soll. Es gebe zwei Bewerberinnen aus Zappendorf, so der Ortsbürgermeister. Nächste Woche werde das Gespräch mit dem Personalrat erfolgen, dann könne mit einer Entscheidung gerechnet werden. Eine öffentliche Ausschreibung der Stelle sei laut Witkowsky nicht notwendig gewesen.
Wegen der Vielfalt der Veranstaltungen vom Schülerprojekt über Lesungen, Kunstausstellungen und Vorträge, Seniorentreffs und Konzerte ist die Diehl-Zesewitz-Stiftung auf das Museum aufmerksam geworden. Gemeinsam soll nun eine "Zeitoase" in Zappendorf gegründet werden, beschreibt Schumann die Absicht der Stiftung, die in Magdeburg beheimatet ist. Anliegen sei es, einer immer älter werdenden Gesellschaft Rechnung zu tragen und zunehmender Vereinsamung der Senioren zu begegnen. Unter dem Motto "Zeitstifter - Dankstifter" soll es verschiedene Angebote wie Begegnungen von Jung und Alt, etwa in den Schülerprojekten des Museums, gemeinsame Lesungen, aber auch seniorenspezifische Vorträge und Dienstleistungen geben. Mitte Oktober soll die "Zeitoase" eröffnet werden, so Wolfgang Schumann. Der Stiftungsrat habe seine Entscheidung, das Projekt in Zappendorf zu starten, damit begründet, dass hier bereits Weichen in diese Richtung gestellt worden seien. Die Diehl-Zesewitz-Stiftung werde die Zeitoase finanziell unterstützen, zum Beispiel Transportkosten für die Fahrt zu Veranstaltungen übernehmen. Nach Schumanns Ansicht müssten die Angebote auch generationsübergreifend entwickelt werden. So könne man gemeinsam kochen und backen nach Großmutters Rezepten, alte Landtechnik kennenlernen, gemeinsame Spaziergänge unternehmen oder eine Aktion "Jugend liest für Senioren" aufbauen. "Ich kann mir gut vorstellen, die Senioren unseres Altenheims, Rentnertreffs der Mitgliedsgemeinden und engagierte junge Leute aus dem Jugendcamp einzubeziehen", sagte Schumann.