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Saalekreis Saalekreis: Brandruine als traurige Fest-Kulisse

Von MICHAEL TEMPEL 11.06.2011, 06:36
Für die 69 Jahre alte Bewohnerin dieses Hauses in Asendorf kam jede Hilfe zu spät. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Für die 69 Jahre alte Bewohnerin dieses Hauses in Asendorf kam jede Hilfe zu spät. (FOTO: THOMAS MEINICKE)

TEUTSCHENTHAL/MZ. - Der kleine Saalekreisort Asendorf (Gemeinde Teutschenthal) ist am Samstag Schauplatz einer Tragödie gewesen: Bei einem Wohnhausbrand ist eine 69-jährige Frau ums Leben gekommen. Das Unglück, das sich unmittelbar neben dem Festplatz ereignet hatte, lag wie ein Schatten auf dem traditionellen Pfingstfest, das am Montag mit insgesamt etwa 2 500 Gästen zu Ende gegangen ist.

Das Feuer in der Obhäuser Straße war am Samstag gegen 4 Uhr von einem Zeitungszusteller gemeldet worden. Feuerwehren aus Dornstedt, Teutschenthal, Langenbogen und Holleben eilten herbei. Doch der Brand hatte sich bereits über das gesamte Gebäude ausgebreitet. "Die Fackel war von weitem bereits sichtbar. Als wir ankamen, stand das Haus schon voll in Flammen", berichtete Helmut Kitze von der Feuerwehr Holleben. Kitze ist Chef des Brandabschnitts, zu dem Asendorf gehört.

Lebenspartner schwer verletzt

Wie Polizeisprecher Jürgen Müller sagte, hatte der 74-jährige Lebensgefährte der Frau noch versucht, seine Partnerin aus dem Haus zu retten. "Das war aber nicht mehr möglich", so Müller. Der Rentner zog sich selbst lebensgefährliche Verletzungen zu. Er wurde später in die halleschen Bergmannstrost-Kliniken gebracht.

Auch die Feuerwehrleute konnten der Frau nicht mehr helfen. Wie Kitze berichtete, war die 69-Jährige bereits tot, als die Retter zu ihr vorgedrungen waren. Die Frau hatte in einem Wohn- und Schlafraum im Erdgeschoss gelegen. Erst nachdem das Feuer gelöscht war, konnte ihre Leiche geborgen werden.

Als die Einsatzkräfte abgezogen waren, begann auf dem Dorfanger indes rege Geschäftigkeit: Die Akteure des Pfingstvereins Dornstedt / Asendorf setzten ihre Vorbereitungen für das Fest fort. Einer der Höhepunkte des Spektakels war das 9. Rasentraktor-Rennen - der "Große Preis des Saalekreises" -, zu dem sich zwölf Wettbewerber angemeldet hatten. Die Organisatoren reagierten betroffen auf das Unglück. "Das tut uns allen schrecklich Leid", sagte Vorsitzender Gerhard Dewender. "Das Fest konnten wir aber nicht abblasen. Das haben wir seit langem und mit großem Aufwand vorbereitet."

Besucher halten Schweigeminute

Unbeeindruckt von dem Unglück ging das Fest jedoch nicht über die Bühne: Zur Eröffnung am Samstagnachmittag verharrten die Besucher in einer Schweigeminute, um der Toten zu gedenken und ihrem Partner baldige Genesung zu wünschen. Außerdem musste das Kinderfest ohne Musik auskommen. Die Route des sonntäglichen Blaskapellenumzugs wurde verlegt, um nicht an der Brandruine vorbeizuziehen. "Unter den Besuchern herrschte großes Bedauern, vor allem, weil das in der Nachbarschaft passiert ist", sagte Dewender.

Der Zustand des 74-Jährigen war am Montag weiter kritisch. "Er schwebt in akuter Lebensgefahr", sagte ein Mediziner. Grund sei eine Rauchvergiftung. Wie Nachbarn schilderten, war das Paar erst vor etwa zwei Jahren nach Asendorf gezogen, es hatte sehr zurückgezogen gelebt. Wie es hieß, war die Frau pflegebedürftig, der 74-Jährige hatte sich um die gekümmert.

Der Trubel wurde am Samstag noch zwei Mal durch Sirenengeheul und anbrausende Feuerwehrautos unterbrochen. Wie Dewender sagte, mussten Glutnester in der Ruine gelöscht werden. Was die Ursache für das verheerende Feuer gewesen ist, steht laut Polizeisprecher Müller noch nicht fest. Erst am Dienstag werden sich Kriminaltechniker in dem Haus umsehen. Deshalb wurde das mit rot-weißen Bändern abgesperrte Haus am Wochenende von Polizeibeamten bewacht. Dass eine brennende Kerze der Auslöser gewesen sein könnte, diese Information machte nach dem Brand die Runde, konnte Müller nicht bestätigen. Die Tragödie weckt unterdessen Erinnerungen an einen anderen Brand in Zappendorf (Gemeinde Salzatal): Dort war Ende Mai eine ebenfalls pflegebedürftige 66-jährige Frau getötet worden.

Der verkohlte Dachstuhl des Unglücks-Hauses in Asendorf. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Der verkohlte Dachstuhl des Unglücks-Hauses in Asendorf. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Das durch den Brand beschädigte Haus in Asendorf. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Das durch den Brand beschädigte Haus in Asendorf. (FOTO: THOMAS MEINICKE)