Nach der BSE-Krise Nach der BSE-Krise: Fleischer planen Gütesiegel
Halle/Saalkreis/MZ. - Der Rinderwahnsinn und die Maul- und Klauenseuche: Vor gut einem halben Jahr verging kein Tag ohne hitzige Debatten darüber. Doch die öffentliche Diskussion ist wieder abgeebbt. Außer Spesen nichts gewesen? Nein, sagt Klaus Pechstedt, Obermeister der Fleischerinnung Halle-Saalkreis-Merseburg. Es ist nicht mehr so wie vorher, aber es ist auch nicht alles anders.
Ein Umdenkungsprozess habe schon eingesetzt. Konkretes Ergebnis in der Innung, der 43 Betriebe angehören: Es ist daran gedacht, ein Gütesiegel einzuführen. Damit soll dokumentiert werden, dass die Tiere natürlich ernährt und nicht zu schnell gemästet wurden, dass die Schlachtung nach allen Regeln der Kunst vorgenommen wurde. "Das Siegel ist unser großes Ziel", sagt Pechstedt und freut sich, "dass mehr Innungsmitglieder mitmachen wollen, als ich persönlich erwartet hatte". Es habe bereits erste Gespräche mit Landwirten gegeben, auch ein Schlachthof wäre zu finden.
Freilich bleibe immer die Frage: Will der Kunde das überhaupt? Und ist er bereit, den Preis dafür zu zahlen? Pechstedt macht sich da keine übertriebenen Hoffnungen. "Als die BSE-Krise auf ihrem Höhepunkt war, haben fast alle gesagt, sie wären bereit, einen höheren Preis zu zahlen." Viele seien davon mittlerweile wieder abgerückt. Zudem sei der Fleischumsatz längst nicht in dem Maße zurückgegangen wie vermutet und von manchen Leuten angekündigt. Das Gros der Kunden hat nach Auffassung Pechstedts sein Verhalten nicht grundlegend verändert.
Das glaubt auch Jörg Hündorf, der mit Vater Willi und Bruder Hubert eine Fleischerei betreibt. Doch obwohl seiner Meinung nach viele Kunden vor allem nach dem Preis kaufen, wagen es Hündorfs, ihr Angebot komplett umzustellen. Gegenwärtig wird der Laden umgebaut - wenn er am 20. September wieder öffnet, würden ausschließlich Bio-Fleisch und Bio-Wurst angeboten. "Klar ist ein Risiko dabei. Doch wo ist kein Risiko?"
Dabei ist es Jörg Hündorf wichtig zu betonen: "Nicht die BSE-Krise war für uns der Ausgangspunkt." Schon vor zwei Jahren sei begonnen worden, nach Bauern zu suchen, die streng nach Bio-Richtlinien arbeiten, sowohl was das Futter als auch die Tierhaltung betreffe. Und die aus der Region stammen, um lange Tiertransporte zu vermeiden. Kunden, die bei ihm kaufen, sollen sicher sein, dass die Tiere "von der Geburt bis zur Schlachtung artgerecht gehalten wurden". Interessenten gebe es, vor allem junge Leute. Jörg Hündorf: "Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen."
Fleischer Gerhard Heyne, der schon das zweite Jahr - neben anderem - Bio-Fleisch anbietet, sagt: "Das kauft nur ein angestammter Kreis." Einige Kunden mehr seien es geworden, aber nicht viele. Die Nachfrage generell nach Rindfleisch sei während der BSE-Krise zurückgegangen, "liegt jetzt aber wieder bei 50 bis 60 Prozent des Umsatzes vom Dezember 2000".