Halleluja vom Roten Turm Halleluja vom Roten Turm: Halles Babys werden nun mit speziellem Glockenspiel begrüßt

Halle (Saale) - Sven Seeger steht auf dem Marktplatz, direkt am Roten Turm. Die große Turmuhr zeigt 13 Uhr an, die Hitze ist in der halleschen Innenstadt fast unerträglich. Dennoch schaut Seeger lachend hoch zum Turm auf Höhe des Carillons. Das Glockenspiel hatte zuvor mit einem kräftigen Schlag die Uhrzeit verkündet.
Als die Glocken nach einer kurzen Pause das „Halleluja“ aus Händels Oratorium „Der Messias“ anstimmen, hat der Chefarzt der Geburtshilfe am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle ein Lächeln im Gesicht. Nach dem „Halleluja“ gönnt sich das Carillon eine weitere kurze Pause, ehe mehrere Glockenschläge in einem hohen C-Ton erklingen. Der Oberarzt zählt mit seinen Fingern mit, als er bei „Zehn“ angelangt ist, hört das Geläut auf und er sagt: „Zehn Kinder! Gestern wurden zehn Kinder in Halle geboren!“
Täglich erklingt für jedes am Vortag geborene Kind ein Glockenschlag
Sven Seeger freut sich über die gelungene Premiere der neuen hörbaren Besonderheit, die die Saalestadt ihren Bürgern nun täglich bietet. Täglich um 13 Uhr erklingt zuerst der 13-Uhr-Schlag, dann das Halleluja und danach für jedes am Vortag geborene Kind ein Glockenschlag. Die Idee dazu hatte der Chefarzt zusammen mit dem Stadtmuseum Halle.
Das Anliegen wurde in der Beigeordnetenkonferenz der Stadt vorgestellt und konnte die Mitglieder gleich überzeugen. „Es ist einmalig, dass mit dem Turm, der aus der Bürgerschaft entstanden ist, nun die neuen Bürger der Stadt begrüßt werden“, freut sich Jane Unger, Direktorin des Stadtmuseums. Besonders toll sei es, dass der Rote Turm nun eine „neue, weitere Nutzung“ habe. Schwierig sei die Liedauswahl gewesen, berichtet sie. Es hätte mehrere Varianten gegeben, aber schließlich hätte man sich für die „eingängige Melodie“ des Halleluja entschieden.
Relais-Steuerung im Roten Turm macht das Projekt möglich
Chefarzt Sven Seeger widerspricht Jane Unger in diesem Punkt. „Das Halleluja war immer die primäre Idee, denn es ist immer ein Halleluja, wenn ein Kind geboren wird“, so Seeger. Die Idee, jedes geborene Kind der Saalestadt zu verkünden, war zwar gut und stieß auf großes Interesse, allerdings war die Umsetzung nicht einfach, da eine technische Lösung gefunden werden musste.
Die Lösung konnte die AV-Studio Kommunikationsmedien GmbH aus Halle liefern. „Wir waren von der Idee gleich begeistert und wollten sie unterstützen“, erklärt Geschäftsführer Felix Thiele. Nun macht eine sogenannte Relais-Steuerung das Projekt möglich. „Es war schwierig erst einmal ein passendes Relais zu finden, das an der Glocke verbaut werden konnte“, so Thiele. Seine Firma schrieb daraufhin die passende Software, so dass die Glocken quasi per Internet gesteuert werden können. Felix Thiele übernimmt mit seiner Firma die kompletten Kosten für die Technik und die Wartung in den kommenden Jahren.
Über die tägliche Anzahl der Geburten in Halle informieren das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, das Universitätsklinikum und die beiden Geburtshäuser „Bauchgefühl“ und „Lebenslicht“. Die Mitarbeiter können sich über eine eigene Internetseite einloggen und dort die Anzahl der Geburten eingeben. Die Software errechnet dann die Gesamtzahl und lässt am nächsten Tag dann entsprechend die Glocken läuten. Chefarzt Seeger schätzt, dass in Zukunft so jährlich die Geburten von mehr als 3.500 Kinder verkündet werden können. (mz)