Halle Halle: Vom Spielzeugladen bis zur Queen
Halle (Saale)/MZ. - Wenn drei Maskierte in einen Spielzeugladen in der Großen Ulrichstraße einbrechen und die Regale durchwühlen, dann liegt nicht unbedingt eine Straftat vor. Es kann auch sein, dass es die Puppentheater-Guerilla ist, die ein Video fürs Internet drehen will: das Märchen "Sophiechen und der Riese" nach dem Kinderbuch von Roald Dahl. So beginnt die neue Inszenierung "Sophiechen und der Riese" im halleschen Puppentheater. Erzählt wird vom Waisenkind Sophiechen, das in einer schlaflosen Nacht einen Riesen vor seinem Fenster sieht.
Weil das aber nicht sein darf, nimmt Gurie, der gute Riese, das Mädchen einfach mit, ab ins Riesenland. Dort lauern all die bösen Riesen, die "menschliche Leberwesen" fressen und solche Namen wie Blutschlucker und Fleischfetzenfresser tragen. Dem Mut des kleinen Mädchens und der Macht der englischen Königin und ihrer Luftwaffe ist es zu danken, dass die Riesen schließlich gefangen werden.
Und natürlich hat auch der Gurie seinen Anteil daran, denn er kann Träume einfangen, zusammenmixen und anderen in den Schlaf pusten. Regisseur Ralf Meyer hat diesen Kampf gegen die riesigen Menschenfresser witzig und ideenreich mit den Puppenspielern Kerstin Daley, Lars Frank und Sebastian Fortak auf die Bühne beziehungsweise in den Spielzeugladen gebracht. Der wurde von Katja Turtl gestaltet und hält so manche Überraschung bereit: Aus dem Verkaufstresen lässt sich blitzschnell der Buckingham Palast zaubern. Doch was wäre das Stück ohne die Puppen von Barbara und Günther Weinhold, die einen liebenswerten Riesen gebaut haben, der sogar die zu Kotzgurken verwandelten Bananen zermalmen kann.
Ihm steht das kleine Spielzeugladen-Püppchen Sophiechen gegenüber. Die Inszenierung ist ein Muss für Roald-Dahl-Fans und für alle, die es werden wollen: herrlich humorvoll, action-reich und voller Einfälle. Sie folgt dabei bis in sprachliche Wendungen hinein der Dahlschen Vorlage. "Was ich mein und was ich sage, sind zwei ganz verschiedene Handschuhe", meint der Gurie, der schon mal jemanden als Kohlkopf, statt als Hohlkopf bezeichnet. Selbst das Blubberwasser, das nach unten blubbert und Furzelbäume auslöst, fehlt nicht.
Und doch ist es - auch durch die Rahmenhandlung - eine ganz eigene Geschichte. Mitunter gibt das Publikum da auch mal Szenenapplaus, wie bei der spektakulären Gefangennahme der bösen Riesen durch die Helikopter der königlichen Armee. Ganz zauberhaft wird es dagegen, wenn der Gurie lauscht und Träume einfangen will. Die Musik von Sebastian Herzfeld tut ihr Übriges dazu.
Weitere Vorstellungen: Sonntag, 15 Uhr, sowie am 26. und 28.12. um 18 Uhr.