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Europas größtes Glockenspiel Halle (Saale): Europas größtes Glockenspiel sucht Glöckner

Von Silvia Zöller 26.03.2017, 07:00
Gotthard Voß freut sich, wenn bald das größte Glockenspiel Europas im Roten Turm wieder häufiger zu hören sein wird.
Gotthard Voß freut sich, wenn bald das größte Glockenspiel Europas im Roten Turm wieder häufiger zu hören sein wird. Günter Bauer

Halle (Saale) - Die Stadt hat einen ganz besonderen Schatz, das Glockenspiel im Roten Turm. Und es ist nicht nur das größte in Deutschland, sondern in Europa. „Und keiner weiß das“, ärgert sich Michael Raubuch vom Lions-Club August Hermann Francke.

Das soll sich nun ändern: Halle soll wieder eigene ausgebildete Carillonneure bekommen, die die 76 Glocken regelmäßig bespielen - bislang waren es ausschließlich Gastmusiker, die die seltenen Konzerte gegeben haben. Ansonsten klingt das Glockenspiel ausschließlich durch eine automatische Steuerung.

Nachhilfe von Carillon-Experten: Musiker in Halle (Saale)  lernen an „Übungsklavier“

Nun sollen aber hallesche Musiker von einem Carillon-Experten ausgebildet werden - an einem Übungsmanual, das im Verwaltungsgebäude der Konzerthalle Ulrichskirche aufgestellt werden soll.

Das Projekt haben sich der Lions-Club sowie der Förderverein Glockenspiel Roter Turm auf die Fahne geschrieben. Dessen Sprecher Gotthard Voß engagiert sich seit längerem dafür und hat noch einen weiteren Verbündeten gefunden: die City-Gemeinschaft. City-Manager Wolfgang Fleischer ist begeistert: „Damit machen wir Halle attraktiv. Wir haben viel zu bieten und müssen es zeigen.“

Glockenspieler für Halle (Saale) gesucht: 20.000 Euro müssen zusammenkommen

Finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden. „Ein Anschub ist gegeben, aber wir benötigen auch noch weitere Spenden“, erläutert Raubuch. Gut 20.000 Euro müssen gesammelt werden, davon 15.000 für das Übungs-Klavier, weitere 5.000 Euro für die Ausbildung von mindestens drei Musikern. Denn das ist der Kernpunkt des Projekts: „Das regelmäßige Bespielen des Glockenspiels macht nur Sinn, wenn Halle über eigene ausgebildete Carillonneure verfügt“, betont Gotthard Voß.

So soll das 1993 eingebaute Glockenspiel künftig beispielsweise jeden Samstag zu einer festen Zeit zu hören sein. Und zwar komplett, denn mit der Automatik werden nur ein Drittel der Glocken angeschlagen, berichtet Voß. Weiter soll es auch wieder häufiger Konzerte geben.

Carillonneure spielen mit den Fäusten

Nach zukünftigen Carillonneuren mussten die Initiatoren nicht lange suchen: Marktkirchenkantor Irenée Peyrot hat sich sofort bereit erklärt, eine Ausbildung zu absolvieren, ebenso zwei weitere Interessenten, Maximilian Metz und Michael Preuß. Ein vierter Interessent ist weiter im Gespräch, so dass auch in Urlaubs- und Krankheitsfällen immer ein Spieler verfügbar sein wird.

„Ich habe sofort zugesagt“, erzählt Irenée Peyrot begeistert. Schon seit er 2005 nach Halle gekommen ist, habe er oft darüber nachgedacht. Dass er sich nun noch einmal auf die Schulbank setzen muss, findet er gut: „Es ist eine tolle Sache, etwas Neues zu lernen.“ Denn das Carillon sei ein grundsätzlich anderes Instrument als die Orgel. Nicht nur durch die Spieltechnik mit den Fäusten - schon alleine, weil der Klang nicht beeinflussbar ist.

Denn wenn die Glocke klingt, klingt sie eben. Außerdem können nicht so viele Töne gleichzeitig wie auf der Orgel gespielt werden, da sich die Töne eben wegen des Nachhalls zu sehr überlagern würden.

Übungsklavier kommt aus den Niederlanden, der Lehrer aus Kassel

Auch für die Ausbildung konnte schon ein Dozent gewonnen werden: Wilhelm Ritter, Diplom-Carillonneur, Organist der Karlskirche Kassel. „Die Idee ist, dass er alle zwei Wochen nach Halle kommt, um die Musiker auszubilden“, erklärt Gotthard Voß.

Die Voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen: Ein Übungsmanual wird in einer Spezialwerkstatt im niederländischen Harmelen gebaut und soll in wenigen Monaten geliefert werden.

Dann könnte eine Lücke geschlossen werden, die mit dem Weggang von Konzerthallen-Organist Martin Stephan 2003 entstanden ist: Er war der einzige in Halle, der das Carillon spielen konnte.

2014 kam die Katastrophe: Durch einen Blitzschlag wurde das Glockenspiel beschädigt. Erst im Frühjahr letzten Jahres wurde es repariert und erklingt seitdem wieder. Mehr Infos zur Spendensammlung: Tel.: 0172/3 29 72 78. (mz)

Der Rote Turm in Halle soll mit den Carillonneuren mehr Bedeutung bekommen.
Der Rote Turm in Halle soll mit den Carillonneuren mehr Bedeutung bekommen.
Günter Bauer
Marktkirchen-Kantor Peyrot wird einer der künftigen Glockenspieler.
Marktkirchen-Kantor Peyrot wird einer der künftigen Glockenspieler.
Günter Bauer