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Halle Halle: Akrobaten der Lüfte

Von BASTIAN PAULY 08.07.2011, 18:44

Halle (Saale)/MZ. - Sarah Lindermayer ist abgehoben. Sie schwebt in zwei Metern Höhe, balanciert und tanzt auf einem 13 Millimeter dünnen Seil, macht einen Spagat. Die 21-Jährige wirkt so routiniert, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Sarah ist Absolventin der Staatlichen Schule für Artistik Berlin und war mit ihrem Jahrgang Donnerstagabend im Steintor-Varieté zu Gast - sie präsentierten ihr Programm "Unzertrennbar".

Acht Artisten führen mit Soloshows durch den Abend. Von Jonglagekunst über ausgefallene Handstanddarbietungen bis hin zum perfektionierten Spiel mit dem Diabolo, einem auf einem dünnen Faden tanzenden Doppelkegel - die 17- bis 22-Jährigen begeistern mit abwechslungsreichen Einzelauftritten. Szenisch gespielte Übergänge runden das Programm ab, das von einem Tanzlehrer der Schule ausgearbeitet wurde. Es erzählt eine Geschichte von Liebe und Begehrlichkeiten, von Eifersucht und Freundschaft. Die Artisten flirten mit dem Publikum, spielen ironisch mit sexuellen Identitäten. Sie beherrschen ihre Körper perfekt. Jeder Schritt ist voller Anmut, geradezu tänzerisch gleiten die Darsteller über die Bühne.

Maik M. Paulsen hat vor fünf Jahren die Artistikschule erfolgreich abgeschlossen. Er und seine Mitabsolventen hatten damals die Idee, mit ihrer Show auf Tour zu gehen. Seitdem organisiert der 27-Jährige die alljährlichen Auftritte, die inzwischen zu einer Tradition geworden sind. "Unsere Schule bildet Artisten aus, die sich auf bestimmte Darbietungen spezialisieren. Die Abschlusstournee ist der Höhepunkt." Maik schwärmt von dem Jahrgang: "Es sind ihre ersten Schritte auf der großen Bühne. Man sieht noch das Leuchten in den Augen!"

Sarah, die Seiltänzerin, war früher beim Zirkus und tritt seit ihrer Kindheit in Varietéshows auf. Sie und die 21-jährige Antonia Modersohn präsentieren eine Choreographie, bei der sie an großen Tüchern hängend durch die Luft gleiten: ein Zusammenspiel von gefühlvollen Posen, schnellen Hand-Fuß-Wechseln und atemberaubenden Abfallern. "Wir möchten auf uns aufmerksam machen und erhoffen uns durch die Tour ein paar Engagements", meint Sarah.

In nur zwei Monaten touren die Artisten von der Nordsee bis zum Bodensee durch 32 Städte - ein Leben zwischen Tourbus, Hotels und Bühne. Für die Auftritte müssen sie hart trainieren. Organisator Maik, selbst Zauberer und Jongleur, weiß, dass Artisten sehr viel Disziplin benötigen: "Einfach mal so drei Wochen in den Urlaub fahren und nichts machen? Das geht nicht."

In Halle machten die Absolventen der Artistikschule bereits das dritte Jahr in Folge Station. "Das Steintor-Varieté ist wegen seiner Atmosphäre ein einmaliger Veranstaltungsort", sagt Maik. Er wird im kommenden Jahr mit neuen Absolventen wiederkommen. "So eine Show gehört einfach in ein Varieté", so Sascha Sachse vom Veranstalter Känguruh Production. "In dieser Qualität sieht man das sonst kaum noch. Wir wollen das dem Publikum nahebringen."