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Alte Flaschenpost Alte Flaschenpost: Schriftexperte räumt Zweifel an Echtheit des Briefes aus

Von Ralf Böhme 31.03.2003, 18:00

Halle/Saalkreis/MZ. - Der erste Experte, der am Montag das Dokument in Augenschein nahm, war Lothar Poethe, Chef des Deutschen Buch- und Schriftmuseums in Leipzig. Im Gespräch mit Medienvertretern kam der Experte zu dem Schluss, dass die Flaschenpost mit hoher Wahrscheinlichkeit echt sei. Der Zustand des Papiers, ursprünglich aus einem in den zwanziger Jahren üblichen Oktavheft, bewertete Poethe als gut.

Als vorteilhaft für das zellstoffreiche Papier erwies sich eine wahrscheinlich annähernd konstante Luftfeuchtigkeit in der Bügelflasche. Deren Verschluss wurde vermutlich deshalb nicht durchlässig, weil die Flasche die längste Zeit unter annähernd gleichen Bedingungen im Wasser lag und nicht austrocknete. Was die umstrittenen lateinischen Buchstaben angehe, sagte der Experte, dass sich diese Schreibweise seit Anfang des vorigen Jahrhunderts allmählich durchgesetzt habe. An einzelnen Buchstaben wie dem "E" machte Poethe noch "Reste" der alten Schrift aus.

Abgeschickt wurde die Flaschenpost, so kann man aus dem Schreiben schließen, während eines Volksfestes in Naumburg. Bei den Briefschreibern handelt es sich eventuell um vier ehemalige Domgymnasiasten von außerhalb, die unter der Woche in der Sedanstraße 38 - heute August-Bebel-Straße - wohnten. Abgefasst war das Schreiben in noch heute üblichen lateinischen Buchstaben. Dieser Umstand sorgte bei vielen Lesern, die eher eine altdeutsche Schrift erwartet hatten, für große Verwirrung (die MZ berichtete). Finder Lutz Lieberam aus Salzmünde kehrte am Montag an die Stelle zurück, wo das Hochwasser die Flaschenpost an Land gespült hatte. Ein Filmteam drehte einen Beitrag für die Mittwochsausgabe des MDR-Magazins "Hier ab vier".