Aktion «Zutritt erlaubt» Aktion «Zutritt erlaubt»: Klärwerk für Neugierige geöffnet
Halle/MZ. - "Das ist ja toll hier, das hätte ich einfach nicht gedacht", kam Rosi Kleint ins Schwärmen. Von den 20 Meter hohen, eiförmigen Faultürmen des Klärwerkes Halle-Nord hatte die MZ-Leserin aus Radewell am Sonnabend eine wunderbare Sicht auf die weitläufigen, hochmodernen Abwasseranlagen in Lettin. Rosi und Gert Kleint gehörten an diesem Tag zu einer Gruppe von 20 Lesern, denen sich Türen öffneten, die ansonsten fest verschlossen sind.
In der neuen MZ-Aktion "Zutritt erlaubt" durften sie - mit freundlicher Unterstützung der Halleschen Wasser und Abwasser GmbH (HWA) - das 1998 eröffnete Klärwerk besichtigen. Zwar gab es dort schon mehrmals Tage der offenen Tür, doch diesmal waren Dinge zu sehen, die bisher nur wenige Außenstehende besichtigen konnten.
So zum Beispiel die unterirdischen Versorgungsgänge, durch die die Strom-, Wärme- und Gas-Trassen führen. Dort stehen auch mächtige Pumpen, die gebraucht werden, um Schmutzwasser und Schlamm von einer Prozess-Stufe zur nächsten zu befördern. "Das ist wirklich ausgereifte Technik hier", anerkannte Peter Drosihn, der von Berufs wegen mit Abwasser zu tun hat und in der Vergangenheit kleinere Anlagen mit plante. Drohsin: "Man sieht auch: Das ist alles ordentlich gebaut worden." Rostflecken konnte der Fachmann nirgends entdecken. Gut verzinkter Stahl und Edelstahl sorgen für Beständigkeit. "Schon bei der Planung haben wir sehr großen Wert auf die Materialauswahl gelegt", berichtete Klärwerks-Chef Werner Rausch. Und wenn doch mal etwas nicht in Ordnung sei, werde es gleich repariert.
Ist ein Klärwerk schmutzig? Man sollte es denken. Doch die MZ-Leser staunten, wie sauber alles ist, selbst die großen Rasenflächen, die die einzelnen hellen Becken und Türme umgeben, weisen überall die gleiche Schnittlänge auf. Rausch ärgerte sich, als er sah, dass ein Motorgehäuse staubig war, obgleich Monteure kurz zuvor an dem zugehörigen Aggregat gearbeitet hatten. "Das geht so nicht", sagte der 42-jährige Ingenieur für Wasser- und Abwasseranlagen, der in Dresden studiert hat.
Riecht es in einem Klärwerk? Man sollte es annehmen. Am Samstag jedenfalls war nichts zu merken. Rausch erklärte den Neugierigen, wieso nicht: Die Klärbecken seien in den Bereichen, wo Methangas ausdünstet, abgedeckt. Da könne nichts in die Umgebung gelangen. Gleiches gelte für die Faultürme, wo der Schlamm aus dem Abwasser durch Bakterien zersetzt wird. Das dort entstehende Gas werde von Motoren verbrannt. 80 Prozent des Wärmebedarfs im Klärwerk könnten auf diese Weise gedeckt werden. "Außerdem erzeugen wir sieben bis acht Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr und speisen ihn ins öffentliche Netz ein", berichtete Rausch.
Gegen Ende des Rundgangs wurden die MZ-Leser zum so genannten Nachklärbecken geführt. Ein großer, runder Teich mit klarem Wasser, wie mehrere Schöpfproben bewiesen. "Das ist in fast allen Parametern sauberer als Saalewasser", überraschte Rausch die MZ-Leser. "Schön, dass ich mir das mal aus der Nähe ansehen konnte", meinte Renate Rosenberg. Immer wenn sie zu ihrem Garten fahre, komme sie am Klärwerk vorbei. Doch wie imposant das sei, wisse sie erst jetzt. Und Tochter Beate Krell stimmte ihr zu. In einigen Wochen wird die MZ erneut zu "Zutritt erlaubt" einladen. Wohin es dann geht? - Wir werden sehen.