Rockröhre und Diva aus Dessau Rockröhre und Diva aus Dessau: Heike Huth steht seit 30 Jahren auf den Bühnen der Stadt

Dessau - Dessau, Berlin, Boston: Ihre Lebensstationen haben sich mehr als nur einmal gekreuzt. Tatsächlich begegnet sind sich Marlene Dietrich und Walter Gropius aber nur ein einziges Mal. In Weimar. Nun führt die Sängerin Heike Huth die beiden Deutschen, die sich in der Welt einen Namen gemacht haben, in ihrem neuen Programm zusammen.
„Walter Gropius meets Marlene Dietrich“ feiert am 13. Juli auf der Terrasse des Dessauer Kornhauses Premiere. Denn wenn in diesem Jahr 100 Jahre Bauhaus gefeiert werden, sagt die 54-jährige Dessauerin, dann wolle sie auch etwas Besonderes bieten.
Momentan steckt sie dafür noch voll in den Vorbereitungen und grantelt etwas. Nicht mit der Filmdiva, sondern mit dem Bauhausgründer. „Gropius war total unmusikalisch“, sagt sie. Denn sie ist auf Anekdotensuche. Nicht nur Songs der 20er/30er Jahre oder die großen Dietrich-Hits will sie singen, auch aus dem Leben der Beiden erzählen.
Heike Huth ist auch Partymaus und Rockröhre
Die Dietrich freilich „kennt“ sie schon länger. Als Heike Huth im Sommer 2015 mit „Diven der Vergangenheit“ das erste Mal auf der Bühne stand, präsentierte sie Titel von Marlene Dietrich, Lale Andersen und Zarah Leander in einem Programm. Auch optisch schlüpfte sie dabei in die Diven-Rolle.
Doch nicht nur Diva kann die Blondine mit der markanten Stimme. Sie ist auch Partymaus und Rockröhre. Schon mit zwölf Jahren sammelte sie erste Bühnenerfahrung und wusste schon damals, dass sie Sängerin werden wollte. Sie lernte Gitarre und Klavier, durchlief eine Gesangsausbildung.
Mit 16 wurde sie Frontfrau der „Dessauer Mädchenband“. Drei Jahre später wechselte sie zu „Elan“ und wurde 1988 vom Lothar-Stuckart-Orchester entdeckt und professionelle Sängerin. Sie trat mit Gloria Gayner, Udo Jürgens, Harry Belafonte, Joy Flemming, den Smokies und anderen auf. Im Oktober 89, lacht sie, saßen noch Erich Honecker und Michael Gorbatschow im Publikum, sieben Monate später Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.
Vor 15 Jahren hat sie mit ihrem Mann Axel Huth die erste eigene Band gegründet: „Black Velvet“
Mit der Wende fiel das Orchester auseinander. 1991 gründete sich die Dirk Jecht Bigband, in der Heike Huth bis 1996 sang. Doch dann legte sie eine musikalische Pause ein, lebte mit ihrem Sohn in Portugal und kam zur Jahrtausendwende in ihre Heimatstadt zurück.
Vor 15 Jahren hat sie mit ihrem Mann Axel Huth die erste eigene Band gegründet: „Black Velvet“. Mit der Partyband sind beide bis heute unterwegs - alleine oder als „Black Velvet & Friends“. Neuestes Projekt von Heike und Axel Huth - gemeinsam mit Musikerkollegen - ist die Rockband „Just Older“. Zum Dessauer Leopoldsfest wird die ihre erste große Show liefern, beim Flugplatzfest in Kühnau gibt es zuvor ein „Warm up“.
Diven wie Hildegard Knef und Marlene Dietrich sind die andere musikalische Seite von Heike Huth
Party und Rock sind eine Seite, Diven wie Hildegard Knef und Marlene Dietrich die andere musikalische Seite von Heike Huth. Die Wandlungsfähigkeit hat einen einfachen Grund: „Das ist mein Beruf. Es ist nicht so einfach, als Musiker zu leben. Man muss sich immer wieder neu erfinden.“ Nicht nur auf der Bühne. Ein zweites Standbein hat sie sich deshalb aufgebaut mit Musiktherapie. Die Arbeit führt sie beispielsweise in Behinderten- oder Altenheime.
Auf der Bühne wiederum ist die Dessauerin bereits seit 2013 als „Hilde“ Knef zu erleben. Nicht als Double. Obwohl man schon ins Grübeln kommen kann, wenn man ihre Stimme hört. „Ich bin immer noch Heike“, lacht sie. Stets authentisch sein, das ist ihr wichtig. Auch demnächst bei „Walter Gropius meets Marlene Dietrich“. (mz)