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Rat der Älteren Rat der Älteren: Bei Missständen können die Männer bissig werden

Von Yvonne Falke 15.08.2003, 15:00

Bernburg/MZ. - Am 2. September wollen die Senioren das Amtsgericht besuchen. Dort haben sie eine Verabredung mit dem Direktor Tobias Hoffmann, der ihnen die neuen Räume zeigen will, aber auch berichten soll, welchen Menschen er in den Verhandlungen begegnet.

Die Seniorenunion, so erklärt Frau Süßmuth, sei eine Gruppe der CDU. Doch nur die wenigsten Mitglieder würden der Partei angehören. "Das, was wir machen", sagt die Vorsitzende, "ist nicht Politik pur. Uns geht es um die menschliche Seite."

Und so begeben sich die Mitglieder wie im Juni bei ihrem Besuch im Magdeburger Landtag zwar auf politisches Terrain, doch die Begegnung mit dem Landtagspräsidenten Adolf Spotka hatte auch eine ganz persönliche Seite, indem die Gäste von dem Bernburger erfahren wollten, wie sein Arbeitspensum aussieht.

Kaffeetrinken sei in der Runde gar nicht verpönt. "Das ist nun einmal unser Ritual", beschreibt die Vorsitzende eine lieb gewordene Gewohnheit. Jedes Treffen fange mit einem Schluck Sekt an, um den Geburtstagskindern alles Gute zu wünschen. Und dann eben kocht Gertrud Scholich Kaffee für den Kuchen, den die Jubilare mit gebracht haben.

Um Multiplikatoren zu sein, lädt sich die Seniorenunion auch Gäste aus den Bereichen Kultur, Medizin oder Sport ein. "Wenn demnächst der Oberbürgermeister zu uns kommt", so Frau Süßmuth, "dann geht es weniger darum, dass er Mandatsträger der CDU ist. Wir wollen wissen, was in Bernburg passiert." Und da, so räumt Maria Schelhas ein, "können die Männer ganz schön bissig sein."

Kein Blatt nehmen sie vor den Mund, wenn Missstände angesprochen werden. So ärgern sich alle über den Dreck in der Stadt und dass hauptsächlich Jugendliche die Bänke auf dem Boulevard missbrauchen. "Die sitzen mit dem Hintern auf der Lehne und gerade wir wissen, was die Anschaffung und Erhaltung kosten."

Wenn bei leeren Kassen gespart werden muss, bekommen das die Älteren zu spüren. Beispiele seien die Buslinien oder die Montage der Briefkästen in der Stadt. "Das tut richtig weh", beschreibt Josef Skiba die Auswirkungen auf die Lebensqualität. Dass die Senioren jetzt weite Wege in Kauf nehmen müssen, will die Gruppe nicht widerstandslos hinnehmen. "Wir haben der Post einen Brief geschrieben", schildert Frau Süßmuth eine Reaktion aus dem Frühjahr. "Bis heute haben wir keine Antwort."

Doch auch die Gruppe selbst muss rechnen. So würden die Bernburger gern einen Besuch einer Gruppe aus Coesfeld in Nordrhein-Westfalen erwidern. "Doch die Reise ist eine Nummer zu groß für uns", bedauert die Vorsitzende. Sehr offen hatte man die Gäste kennen gelernt. "Sie wollten wissen, was wir in der Wende gefühlt haben", erinnert sich Frau Süßmuth an die Gespräche.

Einen Weg haben die Bernburger schon gefunden, um die finanziellen Belastungen in Grenzen zu halten. Die Dampferfahrt auf der Saale machten sie gemeinsam mit den Nachbarn aus Köthen. "Gemeinsam", so hegt die Vorsitzende Zukunftspläne, "könnten wir ja auch mal ins Theater fahren."