Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Kostproben eines Weges
DESSAU/MZ. - "Musketier und Grenadier" - den originalen Text, den August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ersann, hört man gewöhnlich kaum noch, eher die geläuterte friedvollere Fassung. Und ohne Text funktioniert die Sache ohnehin: "Morgen kommt der Weihnachtsmann". Er wird zwar auch am Donnerstag noch nicht kommen, aber die jüngsten Schüler der Musikschule Dessau-Rosslau standen schon am Sonntag auf der Bühne des beinah ausverkauften Anhaltischen Theaters, als sei Bescherung in der Weihnachtsstube und schenkten den Hörern rührselige Bilder, spielerische, lautmalerische, Strich um Strich marschierende, entzückende und fingerschnalzende Kostproben vom arbeitsreichen Anfang eines schönen Weges, gesetzt als Auftakt des "Weihnachtlichen Konzertes".
Ein Stück weiter ist bereits das Nachwuchsorchester unter Leitung von Dagmar Fichtner. Es gibt "Weihnachtsgrüße vom Fidel-Max" an die Zuhörer weiter. Stringent durchsichtig, pädagogisch up to date und lohnend spielerisch weihnachtet es. Und irgendwann, "wenn alle Bäume dürre sein, dann grünet er", treibt er gar Blüten: "O Tannebaum", arrangiert von Edgar Herzog, famos inszeniert vom Saxophon-Quintett. Jede Stimme hat ihre Chance und spielt sie aus. Immergrün, saftig augenzwinkernd zeigen sich Alexander Neumann, Ann-Kristin Lamprecht, Lukas Benecke, Kristin Ullmann und Carsten Schaub. An diesen frisch geschlagenen Baum kann man nun Perlen heften. Beseelt das Vivace, galant das Menuetto der Sinfonia in F von Wilhelm Friedemann Bach. Das Barockensemble formt unter Leitung von Friedemann Neef einen gefühlvoll ausgeloteten, vollschlanken Klang.
Reigen auf dem Cello
Meist im Fundament verborgen, hebt Bastian Matthei den Kontrabass aus dem Orchestergraben. Warm und virtuos spielt er des Bauernsohnes Johann Baptist Vanhals Satz Allegro moderato aus dem Konzert in D für Kontrabass und Orchester. Schon vorher saß er am Klavier und gab federleicht das glänzende Passagenwerk, den "Gnomenreigen" von Franz Liszt. Elisabeth Sommer und Paul Weinreich kommunizieren vorzüglich und musizieren die Sinnlichkeit aus, in zwei Sätzen aus dem Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo g-Moll von Antonio Vivaldi.
Zwei der drei Preludes für Klavier von George Gershwin trägt Cornelius Tamm auf, meistert die knifflige Rhythmik und das dynamische Ereignis. Schon wunderbar weich im Strich spielt Tabea Korsowsky einen Satz aus dem Konzert Nr. 9 a-Moll für Violine und Orchester von Charles de Bériot, begleitet von Tatiana Alieva am Klavier. Von Julius Eckert begleitet wird Sophie Stahl. Sie spielt erzählend schön Mandoline, die Sonatine in c-Moll von Ludwig van Beethoven. Virtuos ist der Zungenbrecher, den Moderator Roland Müller neben programmgemäß beachtlich verzahnten Sätzen aus der Musikgeschichte liefert.
Vieles wäre noch zu nennen. Klavier zu vier Händen, Lara Störmer und Lina Marie Dürrwald; Trompete, Maria Brand; Flöten, Tabea Schykoriak und Johanna Wolter sowie Cembalo, Urte Alvermann.
Mit Sound in die Pause
Natürlich spielt die Big Band Anhalt vor der Pause, inwendig bewegt. Und vor dem Ende heißt es mit Luther: "Er ist auf Erden kommen arm" aus dem Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach. Jessica Großmann (Mezzosopran) fühlt die Demut des Chorals und Philipp Jekal (Bariton) führt das verschränkte Rezitativ machtvoll erzählend. In der Arie "Großer Herr, o starker König" bleibt das Jugendorchester noch ein Stück weit auf der Erde und der starke König macht sich auf den Weg. Michael Praetorius' "Puer natus: Ein Knabe geboren" ertönt mit Orchester, Vokal- und Blockflötenensemble. So weihnachtet es wahrlich im großen Finale. Und deshalb wird alle Jahre wieder im ganzen Haus vor der Zeit gesungen: "Oh du fröhliche".
Der Kalender 2011 "Musikschule in Bildern" kann für 12 Euro weiterhin im Sekretariat der Schule erworben werden. Der Gesamterlös dient der Anschaffung des neuen Flügels, für den auch Tasten-Patenschaften vergeben werden.