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Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Anhalts Geschichte von unten gesehen

Von Carla Hanus 16.03.2012, 17:55

Dessau/MZ. - Werner Grossert hat viele Fragen zusammengetragen. Der Historiker hat sich Gedanken gemacht, darüber, was im Jubiläumsjahr Anhalt 800 an Veranstaltungen geboten wird und welches Geschichtsbild damit und mit dem Sachsen-Anhalt-Tag vermittelt werden soll.

Ist das Wort "bärenstark" tatsächlich ein Lob? Wer hat sich wem gegenüber bärenstark aufgeführt? Wie steht es mit dem Wort "ideenreich"? Gab es nicht auch ideenlose Monarchen? Warum sind die Begründer von Liberalismus und Demokratie in Anhalt und die Revolution 1848 / 49 grundsätzlich verschwiegen? - Diese und viele weitere Fragen zur Geschichte Anhalts, so zur Wahl der ersten Nazi-Landesregierung 1932 in Anhalt, bewegen Grossert. Und haben ihn und die Rosa-Luxemburg-Stiftung veranlasst, eine Veranstaltung zu initiieren, die sich mit diesen Themen beschäftigt. "Anhalt 800 von unten gesehen" ist die Diskussionsrunde überschrieben, zu der am 21. März ins Bürger-, Bildungs- und Freizeitzentrum eingeladen wird.

Grossert hat dafür aus Anlass des Frauentages zwei Lebenswege gegenübergestellt. Da ist auf der einen Seite Herzogin Friederike (1796-1850), die den Herzog Leopold Friedrich heiratete und 1818 pompös in Dessau einzog. Sie hatte Kontakte zur preußischen Konterrevolution und war Gegnerin der Demokraten. Auf der anderen Seite sieht Grossert Sophie Polling (1824-1892), die Grossert als erste Sozialistin Dessaus bezeichnet, auch wenn bis nach 1900 politische Tätigkeit für Frauen verboten war. Sie hatte dennoch aktiven Anteil an der Organisierung der Arbeiter in Dessau und Anhalt. Während es von Herzogin Friederike mehrere ehrenvolle Abbildungen gebe, sei Sophie Polling in der Geschichtsschreibung Dessaus unerwähnt, gebe es kein Bild von ihr, erklärt Grossert. Nicht nur von Katharina der Großen sollte zum Anhalt-Jubiläum die Rede sein. Es sollte auch um Arbeiterinnen, Bäuerinnen und Handwerksfrauen gehen wie überhaupt um das Volk, die Arbeitenden, die Produzierenden, die zu den 800 Jahren Anhalt gehören. "Wir wollen, dass nicht nur die Oberschicht betrachtet wird", betont Grossert. "Aber bisher spielen die anderen gar keine Rolle."

Deshalb kündigt die Rosa-Luxemburg-Stiftung für Mittwoch als Auftakt der Diskussion eine provozierende Einführung durch Werner Grossert an. "Anhalt 800 von unten gesehen" beginnt am Mittwoch um 18.30 Uhr im BBFZ, Raum 225.