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Auf Frank Zanders Spuren Auf Frank Zanders Spuren: Roßlauer spendieren Weihnachtsessen für 100 Alleinstehende

Von Heidi Thiemann 07.12.2018, 13:17
Jörn von der Heydt (M.) hat das Weihnachtsessen des Herzens gesponsert und viel Hilfe von Freunden erhalten.
Jörn von der Heydt (M.) hat das Weihnachtsessen des Herzens gesponsert und viel Hilfe von Freunden erhalten. Thomas Ruttke

Rosslau - „Sehr lecker“, nicken Uwe und Markus Kuske anerkennend. Vater (55) und Sohn (29) hat die Gänsekeule richtig gut geschmeckt. Über die Tafel in Roßlau hatten sie erfahren vom „Weihnachtsessen des Herzens“.

Mit rund 100 anderen Frauen und Männern haben sie die Einladung in den Roßlauer Ratssaal gerne angenommen. „Was soll ich zu Hause alleine sitzen“, sagt Kuske und fühlt sich wohl am Nikolaustag, wo nicht nur das Mittagessen spendiert wird, sondern auch ein Kaffeetrinken. Wo „Trompeti“ Thomas Börner, ehemals Frontmann von Tänzchentee, die Gäste nicht nur bestens unterhält, sondern alle im festlich geschmückten Saal zum Mitsingen animiert. Und wo es zum Abschluss für alle auch ein kleines Präsent zum Mitnehmen gibt.

Jörn von der Heydt: Das ist wie bei Frank Zander in Berlin im kleinen Stil

Das Essen spendiert und serviert hat Jörn von der Heydt zusammen mit vielen Unterstützern und Freunden. „Das ist wie bei Frank Zander in Berlin im kleinen Stil “, erzählt der Unternehmer und Ortschaftsrat von der Idee, die er aufgegriffen hat. Es ist ihm wichtig „etwas Gutes zu tun. Etwas, das bei den Leuten auch direkt ankommt“.

Brigitta Rauchfuß findet das gut. „Ich bin richtig glücklich über die Veranstaltung“, sagt die ehemalige Vorsitzende der Roßlauer Seniorenvertretung. Und die 77-Jährige fühlt sich erinnert an früher, als es im Pflegeheim in der Lukoer Straße ebenfalls für Senioren und Alleinstehende solch einen Tag dank vieler Sponsoren gab. Später war in der Elbe-Rossel-Halle der Treffpunkt, „meistens auch mit Tanz. Wir hatten jede Menge Zulauf damals.“

Seniorenweihnachtsfeier wurde vor zwei Jahren einfach eingestellt

Auch nach der Städtefusion gab es die Seniorenweihnachtsfeier, organisiert von Stadtverwaltung und Seniorenbeirat. Doch vor zwei Jahren „wurde die sang- und klanglos eingestellt“, sagt Rauchfuß enttäuscht. Umso froher ist sie, dass es wieder ein Angebot für allein stehende, auch bedürftige Menschen gibt.

„Da von der Stadt aus nichts mehr gemacht wurde, haben wir im Ortschaftsrat überlegt, was wir tun können“, sagt Ortsbürgermeisterin Christa Müller. Und dann habe Jörn von der Heydt erklärt „Ich mache das“, zieht sie den Hut. Dass sie die Aktion auch persönlich unterstützt, ist für Müller Ehrensache. Dazu gehört auch, dass sie das Essen mit serviert im Ratssaal, den die Stadt zur Verfügung gestellt hat.

Viele Helfer und Unterstützer machen das Essen möglich

Zubereitet wurde das Essen in der Biethe-Gaststätte von Uwe Kürschner, den Kuchen spendete die Bäckerei Lantzsch. Kürschner und Swetlana Dießner, Chefin einer Krankenpflege, haben auch viel bei der Organisation geholfen, freut sich von der Heydt. Die Schwierigkeit aber war, wie erfahren allein stehende, einsame Menschen, dass das „Restaurant der Herzen“ öffnet? Listen wurden ausgelegt bei mehreren Vereinen. Dießner knüpfte Kontakt zur Bahnhofsmission und zur Tafel, denn alle Helfer bewegt die eine Frage: „Wo bleiben diejenigen, die keinen haben?“

Menschen in Pflegeheimen etwa würden umsorgt, aber Alleinstehende, die zu Hause wohnen, seien nicht so im Fokus. In einer Zeit, in der viele nur an sich denken, wolle man zeigen: „Es geht auch anders“, sagt Jörn von der Heydt. Bei der Premiere waren rund 100 Frauen und Männer dabei. Nächstes Jahr, kündigt er an, will er wieder das „Restaurant des Herzens“ zu Nikolaus öffnen. Dann vielleicht in der Elbe-Rossel-Halle mit weitaus mehr Gästen. (mz)