Naturschutz Naturschutz: Der scheue Biber wird immer kecker
Schwemsal/MZ. - Interessante Einblicke in die Lebensweise des größten europäischen Nagetieres, den Biber, gab am Freitag Günther Röber, Artenschutz-Referent beim Landratsamt Bitterfeld.
Das Mitglied des Arbeitskreises Biberschutz in Sachsen-Anhalt war damit einer Einladung des Vereins Dübener Heide gefolgt.
Die Biberreviere im Landkreis Bitterfeld haben sich von 68 im Jahr 2000 auf 71 im Jahr 2002 leicht erhöht. Die durch das Augusthochwasser entstandenen Ausfälle, ganz besonders bei den Jungtieren, ließen sich bislang noch nicht im Detail ermitteln. Die meisten Biber-Familien siedeln entlang der Mulde, in gefluteten Tagebauen - zum Beispiel Muldestausee - und zunehmend auch in kleineren Fließgewässern.
Dabei ist nach Aussage von Günther Röber erstaunlich, dass die Tiere, die eigentlich nachtaktiv und menschenscheu sind, immer dichter an Siedlungen und Ortschaften herankommen, ihre Burgen und Dämme errichten und oftmals seelenruhig Weichhölzer abnagen. Der Artenschutz-Beauftragte verschwieg nicht, dass sowohl die Forstleute als auch die Landwirte mit den Bibern Konflikte haben. Überschwemmte Wiesen und Äcker oder überflutete Waldbestände sind oftmals nicht mehr artgerecht nutzbar. Hier müssen Kompromisslösungen gefunden werden, so Röber.
Im Einzelfall würden die Tiere lebend gefangen und in andere Bundesländer umgesetzt, ins europäische Ausland exportiert, oder es wird den Landbesitzern ein Flächenaustausch vorgeschlagen.
Die Mulde durchfließt den Landkreis Bitterfeld auf 52 Kilometer Länge. Auf der gesamten Strecke wurden bislang lediglich drei Biberbehausungen nachgewiesen. Dafür sind an vielen Zuflüssen und Vorflutern zahlreiche Vorkommen entdeckt worden. Wie Röber erläuterte, lassen sich die Tiere bei ihren Aktivitäten ganz besonders im Hebst auch tagsüber gut beobachten. An den Schwemminseln am Einlauf des Muldestausees, am Stadtrand von Jeßnitz, im Schmerzbachgraben und im Mühlbach rings um das Schloss Burgkemnitz, an der Fuhne bei Wolfen oder am Baggersee bei Sollnitz konnten schon mehrfach Biber beim Burgenbau oder beim Nachbessern der Dämme beobachtet werden.
Im Landkreis geben die Mitarbeiter der Naturwacht Hilfe beim Anpflanzen von verschiedenen Weichhölzern, um das Nahrungsangebot für die großen Nager zu verbessern. Der unter strengem Artenschutz stehende Biber hat als natürliche Feinde nur den Mink und den Menschen, erklärt Röber. Nachweislich werden jährlich zahlreiche Tiere beim Überqueren der Straßen von Autos erfasst.