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Nach der Flut Nach der Flut: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Von Kathleen Goy 26.08.2002, 17:53

Jeßnitz/MZ. - Nach dem Hochwasser herrschte in Jeßnitz erst einmal Chaos. Die Straßen stehen voll mit alten Möbeln. Durch die Flut riecht alles ein wenig moderig. Einer der Helfer war entsetzt, als er hier ankam. "Hier sah es aus wie nach dem Krieg", meint er und bemüht sich Ordnung zu schaffen.

Neben den fleißigen Bundeswehrsoldaten waren auch unzählig freiwillige Helfer vor Ort, um die Aufräumarbeiten zu unterstützen. So auch 14 Jungen und Mädchen einer Waldorfschule in Halle. "Wir sind mit vier Lehrern hier", erzählt ein Mädchen. Erst hätten sie Adressen von der Stadt bekommen und dort geholfen, danach seinen sie unterwegs gewesen und hätten zugepackt, wo es nötig war.

"Wir können nur ein riesiges Dankeschön an die Helfer aussprechen", meint die Jeßnitzerin Steffi Frank. Ihr Haus habe nur eine Etage und in der stand das Wasser zwei Meter hoch. "Das nächste halbe Jahr wohne ich bei Bekannten", sagt sie. Trotz allem und Dank ihrer Versicherung bleibt sie optimistisch. Die Jeßnitzerin hat den festen Willen, alles wieder herzurichten. Dieser Optimismus ist eigentlich in ganz Jeßnitz zu spüren. Der erste Schock sei verdaut und nun kehre die Tatkraft zurück.

Überall ist das Surren von Notstromaggregaten zu hören. Es wird gebohrt und gehämmert, geschrubbt und gefegt. "Wir kämpfen bis zum Umfallen," erklärt Edit Lehmann. Mit ihrem Mann Paul zusammen betreibt sie eine Fleischerei. Ob und wann sie alles wieder in Gang bekommen, wissen sie nicht, aber sie machen auf jedem Fall weiter. Da werden die Motoren der Maschinen im Ofen getrocknet, um das Wasser heraus zu bekommen und der Verkaufsbereich geschrubbt. Vor allem aber wird zusammengehalten. "Unsere Angestellten kamen sogar sonntags zum Helfen", freuen sich die Ladeninhaber. Mit allen Zulieferern stehen sie in Verbindung und so bald die Maschinen laufen, soll es wieder losgehen.

Obwohl sich in Wohnzimmer und Küche die Schränke in alle Richtungen biegen und der Fußboden vielleicht auch raus muss, lässt sich Familie Lehmann nicht beirren. Als die Chefin einen Mitarbeiter fragt, ob er aufgeben würde, meint dieser nur: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Hand in Hand wir daran gearbeitet, die Normalität wieder herzustellen.

"Natürlich machen wir weiter" meint auch die Inhaberin von Günther''s Bierstübl. "Ich habe hier jeden Tag Stammkunden, die mit anpacken. Die kann ich doch nicht vor der Tür stehenlassen." Und so geht es in Jeßnitz der Verwüstung überall an den Kragen.