190 Jahre Schlacht bei Wartenburg 190 Jahre Schlacht bei Wartenburg: Franzosen wehrten sich vergeblich
Wartenburg/MZ. - Nein, das gemeinsame Bier von Hans-Jürgen Günther, Hauptmann der preußischen Gardejäger, und Chevalier Helmut Wolf, Generaloberst im IV. Regiment der Fürsten-Division Sachsen-Weimar-Eisenach im Dienste der Franzosen, hatte keinerlei Auswirkungen auf das Gefecht inmitten von Wartenburgs Straßen. Unerbittlich waren die Angreifer am Sonnabend, drängten die Besatzer durch den Ort bis zur Entscheidungsschlacht am Denkmalsplatz.
Von den Zuschauern, es mochten anderthalb tausend oder mehr gewesen sein, kam nach einer Stunde Beifall. "Das war schon interessant. So was habe ich noch nie gesehen", nickte der Pretzscher Wilfried Marsch anerkennend. Was allerdings kaum jemand im Publikum bemerkt haben dürfte, war, dass es trotz aller Sicherheitsbestimmungen tatsächlich einen Verletzten gab. Ein junger Mann, ein Mitwirkender, wurde mit einem Hörsturz ins Krankenhaus geschafft.
"Es ist nicht ungefährlich, aber Verletzungen sind die Ausnahme", bestätigte Andreas Thiele. Der 47-Jährige, wegen der weißen Uniform der Schlesischen Landwehr meist als "Weißer Riese" bekannt, hat 1996 Bekanntschaft mit den Befreiungskriegen gemacht. "Alle sind betroffen, wenn etwas passiert", widersprach er Vorstellungen, dass Mitwirkende der Schlachten-Darstellungen Krieg und Kampf verherrlichen. "Im Gegenteil. Es gehört ein unendliches Vertrauen dazu, sich mit originalen Waffen gegenüberzutreten und zu wissen, dass dich niemand verletzen will."
Abseits von Kampf und Schlachtenlärm konnte, wer durch das Biwak schlenderte, interessantes rund um das Hobby der etwa 270 Uniformierten aus vielen Gegenden Deutschlands erfahren. Seit drei Jahren ist Nadja Laue aus Weißenfels bei der IG Ostpreußische Landwehr 1813. "Über eine Freundin bin ich dazu gekommen", erzählte die 21-Jährige. "Mein erstes Biwak war ein ganz kleines, das hat mir gut gefallen, so bin ich dabei geblieben." Als durchaus umgänglich erwiesen sich zumeist auch die Soldaten vor den Zelten, unrasiert und mit markigen Sprüchen auf den Lippen, die trotz strömenden Regens am Freitagnachmittag den Damm erstürmt beziehungsweise verteidigt hatten. Galant waren dagegen die Offiziere auf allen Seiten.
Vor allem der Elbübergang scheint den Mitwirkenden gefallen zu haben. "Dieses Hobby habe ich nun seit 15 Jahren", meinte Jürgen Gentsch, Vorsitzender der Historischen Militärvereinigung. "Nach so vielen Jahren schaut man schon, wo es etwas Besonderes gibt. Bei Nacht im Kahn über die Elbe, das habe ich nun zum ersten Mal gemacht." Wartenburg selbst ist auch anno 2003 weitgehend heil geblieben. Lediglich acht Fensterscheiben einer Werkstatt gingen zu Bruch. Doch wie kommentierte dies ein Wartenburger? "Das war nicht Schlacht entscheidend."